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Das jüdische Echo · 1928-06-22 · 25 (22.6.1928) · p. Seite 389

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
25 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 389 Deutsche Neu Wäscherei Gt.m.h.H. FELIX BRANRNER * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage die liberale Fraktion, die bisher in ihrer Arbeit im Verbände dem Einheitsgedanken weltanschaulich die größten Opfer gebracht habe, jetzt in dieser Beziehung bis an die Grenze des Möglichen gegangen sei und weitere Zugeständnisse nicht mehr für tragbar halte. War diese dunkle Andeutung zunächst nur ein dumpfes Donnergrollen, so entzündeten sich die Gegensätze schon lebhafter bei der Erklärung des Vertreters der sogenannten konservativen Fraktion (Block der Klein- und Mittelgemeinden), RA. Feilchenfeld (Nürnberg), der unter Hinweis auf die äußeren und inneren Feinde des Judentums und auf dessen Einheit in Raum und Zeit klar und deutlich das Ziel aufsteckte, das seine Partei für die Arbeit des Verbandes fordere: Stärkung der jüdischen Menschen wie der jüdischen Gemeinschaften in dem Kampf um die Erhaltung des Judentums. Mit besonderem Nachdruck wurde die jüdische Schule als wünschenswerte Erziehungsstätte unserer Jugend gefordert und stärkere Einsetzung der Autorität wie der Mittel des Verbandes für diese allgemeine Durchsetzung dieser Forderung gewünscht, ferner größte Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Jugendbewegung und ihre Bestrebungen, für die Arbeiten auf dem Gebiete der Berufsumschichtung unter besonderer Berücksichtigung der religiösen Bedürfnisse, endlich durchgreifender Ausbau der sozialen Fürsorge unter dem gleichen Gesichtspunkt und insbesondere für die Klein- und Mittelgemeinden dem Verbände zur Pflicht gemacht, wobei die Sorge für die kinderreichen Familien als besonders aktuell bezeichnet wurde. Unter Anerkennung der bedeutenden Leistungen des Verbandes für die Kleingemeinden hob der Redner die besondere Notwendigkeit kultureller und geistiger Fürsorge für diese besonders schwer kämpfenden Gemeinden hervor, bekämpfte die Meinung, daß die Steuerkraft für die Lebensfähigkeit einer Gemeinde der ausschlaggebende Gesichtspunkt sei und daß danach allein über die Auflösung oder Zusammenlegung von Gemeinden entschieden werden könne und brachte schließlich das Bedauern seiner Freunde darüber zum Ausdruck, daß der Entwurf einer Rabbinatsbezirksordnung, die endlich Ordnung in das Verhältnis der Rabbinatssitzzu den Bezirksgemeinden bringen sollte, an dem Widerstande der Sitzgemeinde bisher gescheitert sei, so daß wahrscheinlich nur der Weg übrig bleiben werde, die Bezirksgemeinden von den bisherigen Rabbinatssitzen zu trennen und unter Neueinteilung der Rabbinatsbezirke eigene ländliche Bezirke zu schaffen. Der Vertreter der Volkspartei, Herr Dr. Bamberger (Nürnberg), schnitt zunächst die Frage der Einbürgerung ausländischer Juden an, die bei der bayerischen Regierung auf die größten Schwierigkeiten stößt, führte einige krasse Beispiele an und forderte verstärkte Tätigkeit der Verbandsleitung auch auf diesem Gebiet. Er unterstrich die Forderung des konservativen Redners nach verstärkter Förderung der jüdischen Schule, ging besonders auf das Gebiet der Lehrerbildung ein und wünschte ein Eingreifen des Verbandes in der Richtung, daß bei einer jüdischen Lehrerbildungsanstalt neuer Gestalt, wie sie jetzt auch in Bayern in Form der Aufbauschule geschaffen werden wird, das Hebräische als Ersatz für eine andere Fremdsprache anerkannt werde. Bezüglich der Siedelungsfrage stimmte er — wie übrigens auch der konservative Redner — dem liberalen Anträge zu, beantragte aber seinerseits unter eingehender Begründung für das Siedelungswerk in Palästina ebenfalls RM. 5000.— in den Etat einzustellen. Nach diesen grundsätzlichen Darlegungen der Parteien sprachen noch von der liberalen Seite Rabbiner Dr. Baerwald (München) zur Wohlfahrtspflege* der Berücksichtigung der jüdischen Künstler und Rückkehr zu den Methoden genauester Rechenschaftslegung bei den Wohlfahrtsinstituten verlangte, von der konservativen Seite Lehrer Brückheimer (Marktbreit) in begeisterten Worten und mit tiefgründiger Beweisführung zur Frage der Jugendbewegung, deren intensivste geistige und materielle Förderung er in einer einstimmig angenommenen Resolution verlangte. Nach mehreren weiteren Rednern, die zu Einzelposten des Etats sprachen, wurde der Antrag auf Erhöhung des Postens für Siedlungswesen auf einen Abänderungsvorschlag des Finanzreferenten in der Form angenommen, daß RM. 8000.— vorgesehen werden sollen, die entweder aus Überschüssen des Etats oder aus Zinsen des Landeswohlfahrtsfonds gedeckt werden. Gegen die Beschlußfassung über den volksparteilichen Antrag auf Bewilligung von RM. 5000— für die Palästinasiedelung wandte sich seitens der Liberalen mit besonderer Energie Justizrat Dr. Erlanger (Nürnberg), der eine vorherige genaue Prüfung des gesamten Fragenkomplexes für notwendig hielt. Es wurde dann wegen der vorgerückten Zeit die Sitzung abgebrochen und die Beratung auf den nächsten Vormittag vertagt. Am Abend dieses Tages gab die Kultusgemeinde Bamberg der Tagung in den schönen Räumen der Gesellschaft Ressource ein Festessen, das mit außerordentlicher Sorgfalt vorbereitet war. Durch Tischreden und Aufführungen von künstlerischem Range wurde das Mahl gewürzt, so daß die Stimmung bald eine gehobene war und der Abend einen erfreulichen Verlauf nahm. IV. In der Montag-Vormittagssitzung entspann sich zunächst über den volksparteilichen Palästina-Antrag vom Vortage eine scharfe Debatte. Sie endete damit, daß die Volkspartei angesichts der Haltung der liberalen Mehrheit, die erklärte, ohne eingehende Vorbereitung zu dem Anträge keine Stellung nehmen zu können, dagegen nach der Tagung in eine gemeinsame sachliche Prüfung und Beratung der ganzen Frage eintreten . zu wollen, ihren Antrag für diesesmal zurückzog. Der Sprecher der Volkspartei, RA. Dr. Nußbaum (Nürnberg), gab dabei die Erklärung ab, daß die Volkspartei die Ablehnung als so schwere Brüskierung empfinden müsse, daß ihr Wille zur weiteren Mitarbeit einer schweren Belastungsprobe unterworfen werde. Es wurde hierauf unter Ablehnung sämtlicher Abänderungsanträge — von konservativer Seite war Erhöhung der Bauzuschüsse, für kinderreiche Familien und für den Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser vorgesehenen Posten beantragt worden — der Haushaltplan für 1928 angenommen. Bei der Behandlung des Entwurfs einer Verfassung für den Reichsverband der deutschen Juden, wie er auf Grund der vorhergegangenen

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