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Das jüdische Echo · 1928-06-15 · 24 (15.6.1928) · p. Seite 375

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
Seite 375 (sequence 7)
Language
German
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Nr 24 375 Das Jüdische Echo den. Allen Museen liegt weniger am materiellen Besitz, dagegen mehr an dem bloßen Vorhandensein irgendeines seltenen Kunstgegenstandes in den Museumsräumen, insoferne er eine gewisse Zeit und Form repräsentiert oder von einer Kunstrichtung zur anderen überleitet. Der Eigentümer bleibt Besitzer und Verfüger seines hergeliehenen Gegenstandes; in der Regel behält sich das Museum lediglich das Vorkaufsrecht im Falle einer Veräußerung vor. Hervorragende Einzelstücke und ganze Sammlungen aus Privatbesitz werden in dieser Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie hat den weiteren Vorteil, daß bei Todes- und Erbfällen die Leihstücke vielfach in den dauernden Besitz des Museums testamentarisch übergehen. Zu den berufensten Mitarbeitern und Beratern zählt naturgemäß die schon bestehende historische Kommission für die Inventarisierung jüdischer Kunstdenkmale in Bayern. Hart an der Grenze, vielleicht schon innerhalb ihres Aufgabenkreises liegt eine andere für die Geschichte der Juden in Bayern und für die geplante Gründung eines jüdischen Museums daselbst nicht minder wichtige Aufgabe, zu deren Lösung diese Kommission am meisten beitragen könnte. Jeder Kenner ländlicher Verhältnisse wird bestätigen, daß die alten Akten und Urkunden aufgelöster oder sterbender Gemeinden, überhaupt fast sämtlicher Kleingemeinden, vielfach in einem verwahrlosten Zustande sich befinden. Entweder sie liegen frei herum oder wirr durcheinander in feuchten Kästen und Schränken, von Mäusen und Motten angefressen. Wenn sich dieser verkommenden Gemeindearchivalien niemand annimmt, sind sie als Geschichtsmaterial sowohl für die betreffende Gemeinde als auch für das bayerische Gesamtiudentum restlos verloren. Ein bleibendes Verdienst hat sich in dieser Hinsicht Herr Hauptlehrer Mannheimer in Dettelbach erworben. Er ordnete in jahrelanger Bemühung die in schlimmster Verfassung sich befindlichen alten Akten seiner Gemeinde (Geburts-, Sterbe- und Trauungsregister, Gemeinderechnungen, Armenbuch, Schul- und Lehrerakten usw.). Nicht weniger als 2203 Belege, die einem Zeitraum von rund 125 Jahren angehören, konnte er bergen, in 8 stattlichen Bänden großen Formats seiner dankbaren Gemeinde übergeben und damit der Nachwelt und Forschung überliefern. Seine Arbeit sollte vorbildlich sein für alle, die sich mit dieser Materie beschäftigen. Im Zusammenhang mit der Rettung bedrohter Gemeindearchivalien soll hier auf eine andere Art der Verschüttung jüdischer Geschichtsquellen und deren Aufdeckung hingewiesen werden. In vielen aufgelösten und auch noch in bestehenden Kleingemeinden (die Fama behauptet sogar in manchen Mittelgemeinden) liegen häufig auf den Dachböden der Synagogen in meterhohen Stößen, von Mäusen zernagt, vermischt mit hundertjährigem Staub und Moder, kunterbunt durcheinander: Alte Gebetmäntel, Gebetriemen mit und ohne Gehäuse, zerrissene Gebetbücher und Machsorien, einzelne Blätter, Faszikel, Buchdeckel (meistens mit Fa- TEINACHER. rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldepot: EDUARD KUHLES / MÜNCHEN RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200 milienaufzeichnugen versehen), Vorhänge und Thoramäntelchen (oft in ruinösem Zustande noch sehr wertvolle Stoffe), Gemeindeakten oder einzelne Blätter von solchen, Aufzeichnungen geschichtlicher Natur aus fröhlichen und traurigen Anlässen, Pergamenturkunden und Omertabellen, Memorbücher, pergamentene Pesachhagadas mit farbigen Vignetten, kleine Kultgegenstände u. a. m. Es mag freilich keine angenehme und ästhetische Arbeit sein, in einem solchen undefinierbaren Haufen herumzuwühlen. Er muß buchstäblich ans Licht der Sonne gezogen und sein Inhalt, Stück für Stück, Blatt für Blatt geprüft und die Spreu vom Weizen geschieden werden. Abgesehen davon, daß es schon eine Pflicht der Pietät wäre, auch die künstlerisch und geschichtlich wertlosen Dinge, die einst im Dienste der Gottesverehrung standen, nicht achtlos verkommen zu lassen, ihnen vielmehr eine Ruhestätte, wie es religiöser Brauch vorschreibt, durch Eingrabung zu schaffen, dürfte die aufgewendete Mühe sich reichlich lohnen. Immer werden zum mindesten Aufzeichnungen für Familienforschung und Geschichtsmaterial, für Gemeinden und Gesamtjudentum gefunden. Die Aufdeckung dieser verschütteten Geschichtsquellen müßte natürlich überwacht und nur kundigen und vertrauenswürdigen Personen übertragen werden. Ergänzend sei bei dem Kapitel: „Versickerte Geschichtsquellen“ noch der versunkenen, vergessenen oder gewaltsam zerstörten jüdischen Friedhöfe aus dem Mittelalter gedacht und deren eventuellen Wiederaufdeckung das Wort geredet. So ersah ich zum Beispiel aus dem Memorbuch der Kultusgemeinde Aub, daß vor etwa 400 Jahren in der Gemarkung der Dorfgemeinde Eibelstadt (zwischen Ochsenfurt und Würzburg) eine jüdische Begräbnisstätte vorhanden war, von der heute wohl wenige noch wissen. Die einstige Lage solcher Friedhöfe dürfte aus dem Flurbuch und den Gemeindeakten unschwer festzustellen sein. „Woher aber“, so höre ich manchen Skeptiker fragen, „sollen für ein so kostspieliges Unternehmen, wie die Gründung eines Museums, in dieser geldarmen Zeit die dazu nötigen erheblichen finanziellen Mittel genommen werden?“ Die anscheinend sehr berechtigte Frage verliert indes bei näherer Betrachtung an Gewichtigkeit. Es handelt sich zunächst wohl darum, den Plan zur Museumsgründüng überhaupt zu fassen, eine Kommission zu ernennen, die die als Geschenk, Kauf oder Leihgabe einlaufendeti Altertümer übernimmt, konserviert und provisorisch in einem Gebäude iccitts <5öoffuirfcfmct <X>egtr. 15x4 £lc(. 20519 TSleliöen^ffraße 14/15 "2P o 11 ra a x e n, § für öie "T*c (3 a uf£r ero a h uun g f O f f e, <0. C P P X dt 1615

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