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Das jüdische Echo · 1928-06-15 · 24 (15.6.1928) · p. Seite 374

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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374 Das Jüdische Echo Nr. 24 zubringen. Damals hätte man noch aus dem Vollen schöpfen, ein Museum von der Größe der Glypthothek mit jüdischen Altertümern füllen können. Trotz alldem und alldem ist es auch heute, wie es sich nachher zeigen wird, nicht zu spät, um den Museumsgedanken zu verwirklichen. Nur müßte sofort, planmäßig und mit Eifer ans Werk gegangen werden. Hat man doch vor kurzer Zeit erst ein jüdisches Museum in Kassel eingeweiht, dessen köstlicher Inhalt innerhalb eines Jahres aus dem kleinen Gebiet des ehemaligen Kurfürstentums Hessens zusammengebracht wurde. Sollte das, was in Hessen geschehen konnte, in Bayern, wo die Verhältnisse weit günstiger für ein solches Unternehmen liegen, unmöglich sein? Um auch jenen Zweifel zu widerlegen, ob überhaupt jüdische Antiquitäten nach Quantität und Qualität genügend vorhanden seien, daß sie in der verwöhnten Kunst- und Musenstadt München Beachtung und Würdigung fänden, sei versucht, eine Liste jener Objekte aufzustellen, die für die Sammlungen eines jüdischen Museums in Betracht kämen: Sabbat: Die traditionellen Lampen, Kidduschbecher, Barches- (Berches) Decke, auf Pergament geschriebene Semiros, Hawdala-Gerät, Gewürzbüchsen, Riechfläschchen. Feier- und Gedenktage: Sederschüssel und -Teller, Sederhandtücher, Hagadas für Pesach in Holzschnitten und Kupfer, Hagadas auf Pergament mit farbigen Vignetten, altes primitives Werkzeug zur Herstellung von Mazzes, Omer-Tabellen auf Pergament. Bilder, die das Abnehmen des Bartes am Lagbeomer darstellen. Klagelieder (Kinos) für Tischobeaw auf Pergament. Taschlich auf Pergament. Alter Sukkoschmuck, Eßrog-Schalen. Chanukka-Leuchter, Trenterchen. Wertvolle Purim-Megillos. Schlachmonos-Teller. Synagoge: Schuleklopfer, Inschriften, Ständer, Gestühl, Almemor, Leuchter, Wandleuchter, Mogen-Dowid zur Aufnahme der Eruw-Mazze, Königsgebet auf Pergament, die heilige Lade, und Einzelteile, Vorhänge, Ewiglicht, seltene Thorarollen, Thoraschmuck wie Krone, Rimon, Schilde, Mäntelchen, Deuter oder Zeiger, alte Aufrufverzeichnisse; Einsegnung des Monats auf Pergament, ebenso das Gebet für die Gemeinde, verzierter Schofar, alte Machsorim und Gebetbücher, besonders solche aus jüdisch-bayerischen Druckereien, alte jüdische Erstdrucke aus Bayern, alte Luach (Kalender), Masse-Nissim-Büchlein auf Pergament, Jüdisch-Stuhl, Wimpeln, Hekdesch-Ständer mit Zedoko-Büchse. Einlegkasten. Memmorbücher. Duchen-Gefäße für Leviten und Priester, wertvolle Seide- und Wolltalesim, eingemauerter Chuppa-Stern, Inschriften außerhalb der Synagoge, ganze Synagogen zur Verpflanzung in Museen. Familie und Haus: Mohel- (Beschneidungs-) Gerätschaften, Münzengehänge, kabbalistische Inschriften zum Schutze der Wöchnerin, Kameos, Amulette, Sivlones-Gürtel, Trauhimmel, alte Ehekontrakte und Scheidebriefe auf Pergament und Papier, Misrach Messussos, Zinnteller und Gießfaß mit jüdischen Buchstaben, Inschriften von Hauseingängen, Familiensiegel mit jüdischer Inschrift, alte Familienaufzeichnungen. Allgemeines: Alte Grabsteine, Grabsteinverzeichnisse, alte Aufzeichnungen, die das Vereinsleben (Chewro-Kad.) betreffen. Juden-Schutzbriefe, Prozesse von Juden mit Obrigkeiten, Privilegien, alle alten Akten, die Juden betreffen, Chewro-Kad.-Becher. Münzen und Medaillen auf berühmte Juden, alte Bilder, Holzschnitte, Kupferstiche, Lithographien, die sich auf Kultus und Geschichte beziehen. Diese Liste will und kann auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen, aber sie zeigt doch das weite Gebiet der jüdischen Archäologie, deren Reichhaltigkeit, Mannigfaltigkeit, ja Unerschöpflichkeit es mit jeder anderen aufnehmen kann. Es besteht somit weniger ein Mangel an Altertümern, als vielmehr die sehr erhebliche Schwierigkeit, sie zu erfassen, sie in ihrem freiwilligen oder unfreiwilligen Versteck aufzustöbern und in das schützende Asyl, das Museum zu überführen. Auf dem Präsentierteller sind diese oft raren und kostbaren Dinge nicht zu haben. Sie wollen gesucht, gefunden, um- und erworben sein. Deshalb bedarf — wir wollen sie vorläufig so nennen — die Museumskommission eines großen Stabes von Ortspersonen und sachkundigen Helfern, die netzartig das ganze Land umspannen und sich ehrenamtlich in den Dienst der guten Sache stellen. Als unentbehrliche Förderer haben ferner alle Antiquariate und Antiquitätengeschäfte zu gelten, die schon im eigensten Interesse, aber erfahrungsgemäß aus Liebe zur Kunst in ideeller Gesinnung die Museumsache unterstützen. Die auftauchenden Antiquitäten können als Geschenk (namentlich wenn sie synagogaler Herkunft sind), Kauf oder Leihgabe dem Museum zugeführt werden. Die Leihgaben (insbesondere solche aus Familienbesitz) dürften einen wesentlichen Bestandteil des zukünftigen Museums bil- Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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