Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 24 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 373 General Motors Automobile Chevrolet LORIN/ER & CO Oakland Nymphenburger Straße128/ Telephon 61836 La Salle Schluß auf den Standpunkt: Für diese Schule haben wir kein Geld. Die Schule besteht und wenn sie nicht bestände, müßte sie geschaffen werden; das beweist das rapide Anwachsen der Besucher von 32 auf 110 •in 4 Jahren. Die Schule leistet Hervorragendes; das beweist das bewundernde Lob der Eltern und das Ansehen, das sie bei der aufsichtführenden Behörde genießt. Mit der Gründung der Schule hat sich Ohel Jakob ein unauslöschliches Verdienst erworben, und man kann nur hoffen und wünschen, daß die Kultusgemeinde München im Interesse ihres eigenen Ansehens den Beschluß vom 6. Juni in Bälde einer Revision unterziehen wird, um so zu beweisen, daß sie nicht durch haltlose Prinzipien oder gar durch eine unbegründete Mißstimmung sich davon abhalten läßt, an einer der vornehmsten Aufgaben einer jüdischen Gemeinde mitzuarbeiten. -r. Nachbemerkung der Redaktion. Die vom Ohel Jakob gegründete Israelitische Volksschule ist, das muß man zugeben, freilich als eine private Schule errichtet worden; sie hat sich aber, was von niemand bestritten werden kann, als lebensfähig, ja mehr als das, als eine unbedingte Notwendigkeit erwiesen. Die Israelitische Kultusgemeinde kann und darf an einer Anstalt, die einen so beträchtlichen Teil der jüdischen Schulkinder umfaßt, nicht uninteressiert sein, sie darf nicht beiseite stehen, wenn es gilt, sie auszubauen und auszugestalten, um so mehr als ja die jüdische Volksschule auch eine ausgesprochene Aufgabe der Kultusgemeinde übernommen hat, indem sie für die jüdische Ausbildung der ihr anvertrauten Kinder Sorge trägt. Etwaige prinzipielle Erwägungen jüdisch-liberaler Kreise, die befürchten, daß eine jüdische Volksschule Errungenschaften der Emanzipation, die Gleichberechtigung in Frage stellen könnte, dürften dabei wirklich nicht dazu führen, eine solche Anstalt von der gemeindlichen Beitragsleistung auszuschließen, noch weniger aber dürfte es Vorkommen, daß man alte Beschlüsse, antiquierte Festlegungen aus einem längst vergangenen Wahlkampf, aus einer ganz anderen Zeit aus der wohlverdienten Vergessenheit hervorzieht und von ihnen seine Entscheidung abhängig macht, wie es die Münchner Liberalen soeben getan haben. Auch ihnen müßte es doch einmal einleuchten, daß die religiösen und kulturellen Bedürfnisse der Minderheiten volle Befriedigung verdienen. Das muß gesagt werden, ganz unabhängig vom Problem der jüdischen Schule an sich. Wenn man sich überlegt, daß es heute eine wahrhafte Simultanschule nicht gibt, daß auch die bekenntnisfreie Schule in jedem Falle eine christliche Schule bleibt, wenn man sich überlegt, daß die jetzt in Bayern neu eingeführten Volksschullesebücher geradezu in jeder Einzelheit geprägt vom christlichen Bekenntnis sind, wenn man sich vergegenwärtigt, daß auch der bestgemeinte und bestgeleitete jüdische Religionsunterricht nicht imstande ist, unter solchen Bedingungen und bei der Zeit, die im allgemeinen für ihn übrig bleibt, die heranwachsende Jugend beim Judentum zu halten, für das Judentum zu begeistern, wenn, man sich all dies klar macht, so könnte es doch in dieser Frage irgendeinen Zweifel nicht mehr geben: die jüdische Volksschule zu schaffen, sie auszubauen, das ist die Zukunftsaufgabe der jüdischen Gemeinden. Aber unsere Liberalen haben anscheinend die Zeit verschlafen; sie haben nichts gemerkt von den tiefgreifenden Änderungen, die gerade seit 1919 in der Stellung des Juden zu seinen christlichen Mitbürgern, damit auch der jüdischen Kinder zu ihren Altersgenossen vor sich gegangen sind, und sie bringen in ihrem bekannten jüdischen Minimalismus noch immer den Mut auf, ihre Kinder in die christliche Schule zu schicken, wo sie Dinge erleben müssen, die unter Umständen das kindliche Gemüt dauernd verfinstern. Man muß nicht einmal befürchten, daß ein Herr Streicher sehr viele Konsorten im Lehrerstande hat, obwohl auch dies gewiß nicht unmöglich ist — aber man weiß ja und man muß es wissen, daß gerade unter den Kindern antisemitische Pöbeleien nicht selten sind. Es ist im Augenblick nicht die Gelegenheit, die Frage der jüdischen Schule grundsätzlich aufzurollen. Eines aber muß klar und mit aller Offenheit gesagt werden: Wenn nicht ein Weg gefunden wird, diesen letzten unhaltbaren Beschluß der Münchner Gemeindevertretung zu revidieren, dann werden sich ernsthafte Konflikte auf die Dauer nicht vermeiden lassen. Ein jüdisches Museum in München Von Hauptlehrer A. Strauß (Uffenheim) Eine in Nummer 4 der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung“ von mir gegebene Anregung zur Gründung eines Landesmuseums für jüdische Altertümer fand lebhaften Widerhall; sie trug mir eine große Anzahl Zuschriften ein, fast durchwegs im zustimmenden Sinne. Allerdings meldeten sich auch einige Kleinmütige, welche die Durchführbarkeit der Idee bezweifeln. Um zunächst diesen letzteren zu begegnen, sei folgendes ausgeführt: Niemand bestreifet, daß es zur Gründung eines Museums, wie das in Rede stehende, schon reichlich spät ist. Nicht nur, daß Jahrzehnte hindurch Unverstand und Egoismus viele wertvolle Reliquien zerstört und zerstreut haben, lockerten Nachkriegsnöte, In- und Deflation, insbesondere die wirtschaftliche Krise unserer Tage, hundert Jahre alten Besitz mancher Familienerbstücke religiös-kulturellen Charakters und ließen ihn in andere, meistens ausländische Hände übergehen. Es war ein schwerer, unverzeihlicher Fehler, daß man es um die Jahrhundertwende, als wirtschaftlicher Aufschwung und Wohlstand mit Kunst- und Sammelfreudigkeit Hand in Hand gingen, als Museen aller Art wie Pilze nach einem warmen Regen aus dem. Boden schossen, als man sich selbst für mohammedanische Kunst begeisterte, unterließ, auch den Denkmalen jüdischer Kunst, Kultur und Geschichte Interesse entgegen-