Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 24 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Das Jüdische Echo Nr. 24 Deutschland eine Förderung erfahren soll. — Der Haushaltplan gibt ein Bild des vielseitigen Wollens des Verbandes. Dem Ausbau der Organisation sind die von der Verbandstagung vorgesehenen Referate über die Bildung eines Finanzausschusses und über den Reichsverband gewidmet. Die ursprünglich für die Tagung beabsichtigte Vorlage einer Rabbinatsbezirksordnung wurde auf Grund eingehender Verhandlungen im Rat für eine spätere Tagung zurückgestellt. Hinsichtlich der Schaffung des Reichsverbandes dürfte hingegen eine Beschlußfassung auf der Tagung möglich sein, nachdem durch die Verhandlungen der Delegierten der Landesverbände in Köln nunmehr eine Verfassung des Reichsverbandes festgestellt wurde, die voraussichtlich von den sämtlichen Landesverbänden angenommen werden wird und die auf dem von dem Vorsitzenden des Bayerischen Verbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer ausgearbeiteten Entwurf und dessen Grundgedanken :— der Reichsverband als Verband der Landesverbände mit Rat und Reichstagung, diese gewählt von den aus Urwahlen hervorgehenden Landesversammlungen — beruht. Der zweite Verhandlungstag soll sich einerseits mit den Fragen der Beamtenbesoldung, der Alters- und Hinterbliebenenversorgung, der Gehaltsbezüge der Volksschullehrer befassen; anderseits mit den sozialen Problemen, die den Verband beschäftigen. Es sind Referate über die Siedlungsfrage (Referent Dr. Alfred Werner), über die Probleme der jüdischen Wohlfahrtspflege im allgemeinen (Referent Dr. Ollendorf, Berlin) und über die Wohlfahrtsarbeit des Verbands (Referentin Frl. Dr. Strauß und Frl. Katzenstein) vorgesehen. Es ist zu erwarten, daß gerade dieser letzte Teil der Tagung, bei dem hoffentlich auch nach den Referaten genügend Zeit zu einer Aussprache bleiben wird, in den Kreisen der Tagungsmitglieder lebhaftes Interesse wachrufen wird. Wir behalten uns vor, auf den Verlauf der Tagung nach deren Abschluß zurückzukommen, und wünschen der Versammlung einen gedeihlichen Verlauf im Interesse unserer bayerischen Judenheit. Kultusgemeinde und jüdische Volksschule Zur Sitzung des Vorstandes und der Gemeindevertretung vom 6. Juni 1928 erhalten wir folgende Zuschrift: Lang, lang war’s her, seit Vorstand und Gemeindevertretung zusammen getagt hatten, und es war deshalb nur ganz natürlich, daß die Tagesordnung vom 6. Juni eine ganze Anzahl wichtiger Beratungspunkte enthielt. Der für unser Gemeindeleben weitaus wichtigste war Punkt 7; Antrag der Israelitischen Religionsgesellschaft Ohel Jakob auf Gewährung eines Zuschusses für das Jahr 1928 in Höhe von RM. 3500.— sowie eines Darlehens zur Erweiterung der Volksschule im Betrage von RM. 25 000.—. Es war ja bei der Einstellung der hiesigen liberalen Fraktion nicht anzunehmen, daß dieses letztere Postulat ohne große Debatte einstimmige Annahme fände, aber noch viel weniger konnte man voraussetzen, daß es von den Liberalen einstimmig abgelehnt würde. Sie haben damit den Beweis geliefert, daß der Gedanke der Einheitsgemeinde selbst hier, wo sie der Form nach schon so lange besteht, sich bis heute noch nicht durchsetzen konnte. Diese Tatsache ist höchst betrüblich und sie eröffnet einen Ausblick auf die Entwicklung des Einheitsgedankens an sich, der zu den schwersten Bedenken Anlaß gibt. Was ist denn der Sinn der Einheitsgemeinde? Ein Zusammenschluß von religiös verschieden gerichteten Juden zu einer Gemeinde, der aber jeder einzelnen Richtung das Recht und die Möglichkeit gibt, nach ihrer eigenen Überzeugung zu leben und zu wirken. Es ist selbstredend ein Unding, wenn in einer solchen Gemeinde die Majorität sich in der Pose des großmütig Gewährenden gegenüber den Minderheitsforderungen gefällt, noch viel schlimmer ist es aber, wenn sie an sich berechtigte Forderungen dieser Minderheiten aus Gründen der Weltanschauung ablehnt. Wie wäre ein gedeihliches Zusammenarbeiten denkbar, wenn die Minderheitsparteien sich gegenüber den Forderungen zur Erfüllung liberaler Bedürfnisse auf den gleichen Standpunkt stellen wollten. Und dann noch die Frage: Steht denn die Bekenntnisschule in solch schroffem Gegensatz zur jüdisch-liberalen Lebensanschauung, daß eine Sabotage aus diesem Grund gerechtfertigt werden könnte? Existieren nicht auch in anderen Einheitsgemeinden derartige Schulen und sogar darunter solche mit ausgesprochen liberaler Richtung? Also ganz allgemein scheint man auch im liberalen Lager diese Auffassungen nicht zu teilen. Es muß also wohl ein Spezialprogramm des Münchner Liberalismus sein, und hiermit treffen wir des Pudels Kern. Ja, die liberalen Wähler der Münchner Kultusgemeinde haben einmal ihre Stimme gegen die Gründung einer Bekenntnisschule in die Wagschale geworfen, aber sie haben sich durch die beredte Sprache der Tatsachen überzeugen lassen, daß ihr Votum ein falsches gewesen. Nicht so ihre Abgeordneten. An ihnen sind all die Tatsachen, die das Bedürfnis nach einer Bekenntnisschule auch hier evident bewiesen haben, spurlos vorübergegangen und auch die Feststellung, daß 42 Prozent von den die israelitische Volksschule besuchenden Kindern aus liberalen Kreisen Stammes, wird daran kaum viel ändern. Im übrigen wäre der Besuch auch in diesen Kreisen noch viel größer, wenn nicht die weiten Entfernungen dies oft unmöglich machen würden. Genau ein Sechstel der Schulkinder gehört den Eltern nach zu Ohel Jakob und da bringt man es fertig, den wenigen Mitgliedern dieses Vereins die gesamten finanziellen Lasten zu überlassen für eine Schule, die allen Kreisen rückhaltlos zur Verfügung’gestellt wurde und von der alle Kreise der Gemeinde weitgehend Gebrauch machen. Als direkte Folge hiervon zeigt sich die Notwendigkeit der Bereitstellung neuer Schulräume, und die Gemeinde stellt sich kraft Majoritätsbe- Stude 9/40 PS6Cyl. mJt 5900.- 16,60 PS 6Cyl. 9LM 7850.- 19/100 PS 8Cyl. 9Ui\ 2600. - ab Hamburg Mototechnische Ges., München / Odeonsplatz 12 Telephon 26397 und 20654