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Das jüdische Echo · 1928-06-08 · 23 (8.6.1928) · p. Seite 64

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
23 (8.6.1928)
Date
1928-06-08
Page
Seite 64 (sequence 12)
Language
German
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364 Das Jüdische Echo iMr. 23 Vornehme Beleuchtun gskd;per Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.) Herzen, mit klarem Kopf, mit sicherer Hand führte er in unermüdlicher Arbeit das Vereinsschifflein auch durch hochgehende Wellen sturmbewegter Zeiten. Seine großen, bleibenden Verdienste werden nicht nur unauslöschlich eingetragen sein in den Annalen unserer Standesorganisation, sie werden auch segensreich fortwirken, tiefe Dankbarkeit lebendig erhalten in gar vielen Lehrerhäusern, aus denen Dingfelder die ständige Sorge um eine menschenswürdige Lebensmöglichkeit verscheuchen half durch seine Denkschrift von 1908 über die wirtschaftliche Lage der bayerischen jüdischen Lehrer. Sie war es, die durch den ziffernmäßigen Nachweis des vorhandenen großen Elends in Lehrerkreisen wohl mit den Anstoß gab zur Gründung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, in dessen Rat Dingfelder gar oft Gelegenheit fand, für die ideellen und materiellen Interessen seiner Berufskollegen mit Erfolg einzutreten durch seine Besonnenheit und Klugheit, durch die Kraft seines überzeugenden Wortes. Diese Vorzüge des Geistes und Temperaments führten von selbst dahin, daß seine wertvolle Mitarbeit an hervorragender Stelle auch von anderen Organisationen, genannt seien u. a. die München- Loge und der Centralverein, gesucht und dankbar anerkannt wurde. Seine ungeteilte Liebe aber gehörte vor allem, neben seiner Familie, der ihm zu religiös-sittlicher Erziehung anvertrauten Jugend. Dieses Gebiet war für ihn 'heiliger Boden. Mit heiliger Begeisterung, mit Gewissenhaftigkeit, mit außergewöhnlichem pädagogischem Geschick streute Dingfelder, eine echte Pestalozzifigur, reiche Saat aus in jugendliche Gemüter. Sein grundgütiges Herz, sein lauterer Sinn, sein tiefes jüdisches Empfinden, sie legten ihm Worte der Belehrung und Ermahnung in den Mund, die in empfängliche Kindesseelen drangen und dort jenen innigen, dauernden Kontakt zwischen Lehrer und Schüler schufen, der nicht selten weit über die Schulzeit hinaus beglückende Blüten dankbarer Erinnerung zeitigte. Wie strahlte sein Auge, wenn er von solchen Beweisen liebevoller Anhänglichkeit erzählen konnte in dem Bewußtsein, gute Juden und zugleich gute Menschen erzogen zu haben. Und wie den Schülern der väterliche, vorbildliche Erzieher, so war und blieb Dingfelder den Eltern der einsichtsvolle Berater, so war und blieb er uns Kollegen der treue, uneigennützige, stets hilfsbereite, unvergeßliche Freund. Zu ergreifendem Ausdruck gelangte die Liebe und Verehrung, als jung und alt aus allen Schichten der Gemeinde am 31. Mai herbeigeströmt war, um dem teuren Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Umrahmt von Gesängen des Jüdischen Gesangvereins zeichneten Rabbinat und Vorstand, Vertreter von Organisationen und Schulen in eindringlichen Worten das Wirken und das Wesen der bedeutenden Persönlickheit Simon Dingfelders, dessen Andenken allezeit in unserer Mitte ein gesegnetes bleiben wird. Secher zaddik liwrochoh. Emanuel Kirschner. Feuilleton Der Bekehrte Eine chassidische Geschichte Von Alexander K a j i z Schweigende Trauer irrte im Hause umher. In allen Stuben herrschte unheilschwangere Stille. Ein Seelenlämpchen brannte auf dem Tisch. Der Spiegel war noch mit einem schwarzen Tuch verhängt. Elischa ging langsam und behutsam durch das Zimmer auf und ab und schaute mit einem erloschenen hoffnungslosen Blick auf Fraidel Lubliner, seine Schwägerin, über deren Gesicht ein Schleier von Trauer und Unruhe gebreitet lag. Beide starrten einander eine Weile in sprachloser Furcht an. Elischas Gesicht war fahlbleich. Seine Stirnader war angeschwollen und gekrümmt wie ein Wurm. Er sah aus wie ein Sünder. Seine Augen schmerzten; seine Glieder zitterten. Er sank auf einen Stuhl, und zuckendes Weinen brach aus ihm hervor. Fraidel, um deren Herz sich noch tiefere Unruhe gelegt hatte, sprach leise, tastend, indes heiße Tränenströme ihre Wangen netzten. „Elischa, vielleicht.... gehst du zu dem Zaddik und bittest ihn um Vergebung.“ Mit einem Male wurden aus dem anderen Zimmer Stimmen und Bewegungen vernehmbar. Elischa und Fraidel schnellten empor und stürmten hurtig in das Zimmer, in dem sie die Kranken wieder wach fanden. Mirele, Elischas Frau, und Jojnele, deren einziger Sohn, lagen auf ihren Krankenlagern und begannen wiederum miteinander Zwiegespräche zu führen. Matt und nach Atem ringend lag Mirele da. Kälte und Hitze wechselten in ihr in schneller Folge, wie elektrische Entladungen in einem Ungewitter. Sie sah Juden totgeschlagen und Bethäuser stürzen. Ihre unruhigen Blicke irrten in dem in dumpfe Trostlosigkeit getauchten Raum umher. Jeden Augenblick schob sie beide Arme vor sich wie gegen einen Schlag. Und Jojnele, der Kadisch, das einzige Kind, lag im anderen Bett, seiner Mutter gegenüber. Sein Körperchen warf und bäumte sich zuckend. Sein Gesicht war umschleiert, seine Augen waren gläsern und seine Empfindungen verworren. Er erzählte unaufhörlich vom himmlischen Gerichtshof; allein Fieberschauer zerrissen seine Worte. Seine Stimme war matt und tonlos, seine Hände zuckten immerfort. Zuweilen fuhren sie unwillkürlich in die Höhe wie zum Schutz, wie um ein Gespenst abzuwehren. Elischa und seine Schwägerin standen hilflos da und duckten ihre Häupter wie vor einem Gewitter. Lagen sie doch schon seit einigen Tagen da, die Fieberkranken. Die Stadtärzte liefen ein

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