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Das jüdische Echo · 1928-06-08 · 23 (8.6.1928) · p. Seite 61

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
23 (8.6.1928)
Date
1928-06-08
Page
Seite 61 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 23 361 Das Jüdische Echo Zionistische Ortsgruppe München Dienstag, den 12. Juni, abends 815 Uhr im Sitzungssaal der Gemeinde, Herzog- Max-Straße 7 Der XXII. Delegiertentag Referenten: Dr, Berthold Weiß, Dr. Ignatz Emrich Sammlung angenommene Verfassung, die die Gleichheit aller Bürger Polens feststellt, das Bestehen einschränkender Gesetze gegen eine gewisse Schicht polnischer Bürger als unmöglich erscheinen lassen sollte. Aber noch heute, 10 Jahre nach Proklamierung der polnischen Unabhängigkeit und sieben Jahre nach Annahme der Verfassung der polnischen Republik, verweigern die Behörden den jüdischen Bürgern verschiedenerlei Rechte und Ansprüche, indem sie sich auf alte russische Verordnungen berufen. Es ist nun an der Zeit, diesen Schandfleck einer dunklen Vergangenheit wegzuwischen. — Der nationaldemokratische Deputierte Vierczok sprach sich gegen die Dringlichkeit des jüdischen Antrages aus. Schließlich wurde der Dringlichkeit mit einer großen Mehrheit gegen die Stimmen der Nationaldemokraten und der Nationalisten zugestimmt. Kongreß der polnischen Antisemiten Warschau, 10. Mai. (JTA.) Im Lokal der Warschauer antisemitischen Gesellschaft „Rozvoj“ wurde in den letzten Tagen der Kongreß der Antisemiten Polens abgehalten. Die Losung des Kongresses lautete: „Kampf gegen die jüdische Gefahr!“ Der Geistliche Wirembowsky und der „Rozvoj“-Direktor Zakszewsky wiesen auf die großen Erfolge hin, die „Rozvoj“ im Kampfe gegen das Judentum bereits aufzuweisen hat. Man hat ein spezielles Adreßbuch christlicher Geschäftsinhaber herausgegeben und verbreitet, sowie 200 000 Plakate mit antijüdischen Boykottlosungen kleben lassen. In 33 Städten wurden christliche Handwerker seßhaft gemacht, die dem jüdischen Handwerker Konkurrenz machen. Der Kongreß billigte die Tätigkeit der Leitung und nahm eine Reihe Beschlüsse betreffend die Fortsetzung der antijüdischen Boykott-Tätigkeit an. Der Kongreß wurde mit einer feierlichen antijüdischen Festveranstaltung beendet. Urteile gegen Antisemiten in Rußland Moskau, 31. Mai. (JTA.) Zwei christliche Studierende des Charkower geodesischen Instituts, Liaschenko und Mikula, wurden wegen Peinigung ihres jüdischen Kollegen Schubin und anderer antisemitischer Exzesse gegen jüdische Studiengenossen aus dem Institut ausgeschlossen; Liaschenko wurde außerdem noch zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Prozeß, der drei Tage währte, brachte zutage, daß außer den beiden Angeklagten auch noch andere Zöglinge des genannten Instituts sich zügellose antisemitische Äußerungen zuschulden kommen ließen und im Dunkeln ihre jüdischen Kollegen überfielen. Fast jeden Abend hörte man in den Wohn- und Schlafräumen des Instituts Rufe: „Löscht die Lichter aus und schlagt die Juden!“ Nach fünftägiger Verhandlung verurteilte das Gericht in Sinowjewsk (Jelisawetgrad) den Techniker der Fabrik „RotCr Stern“, Wladimir Jagode, wegen antisemitischer Propaganda und Schikanierung jüdischer Arbeiter zu 6 Jahren Gefängnis. Fünf Monate Zwangsarbeit wegen Einrichtung eines Cheder Moskau, 31. Mai. (JTA.) Der Romner Schochet Moses Gur-Arje wurde unter der Beschuldigung, in einem Bethause einen geheimen Cheder zur Unterweisung der jüdischen Jugend in den religiösen Lehren unterhalten zu haben, zu fünf Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Wegen Beihilfe wurde der greise Synagogendiener Gorni zu der gleichen Strafe, aber mit Bewährungsfrist, verurteilt. Beide Angeklagten verantworteten sich dahin, sie hätten es nicht für ein Verbrechen gehalten, jüdischen jungen Leuten die Kenntnis des Talmud zu vermitteln. Delegiertentag der italienischen Zionisten Rom, 30. Mai. (JTA.) Das Exekutivkomitee der zionistischen Konföderation Italiens hat den Delegiertentag der italienischen Zionisten für den 10. und 11. Juni nach Mailand einberufen. Es ist dies der erste italienische Zionistentag seit 1920. Die Zionisten erwarten, daß auf demselben die seither erstarkte zionistische Bewegung unter den italienischen Juden zum Ausdruck kommen wird. Antisemitische Affichen im Londoner Hyde Park London, 31. Mai. (JTA.) An zahlreiche Ruhebänke im Londoner Hyde Park wurden in den letzten Tagen bedruckte Zettel mit antisemitischem Inhali geklebt. Ein Zettel enthält die Aufforderung: „Meidet die jüdischen Verkaufsläden!“, ein anderer enthält den Text: „Wie viele unserer patriotischen und religösen Vereine werden von Juden kontrolliert?“. Das Wort Jude ist stets fett gedruckt. Es wurde festgestellt, daß gut gekleidete Damen und Herren sich als Zettelankleber betätigen, was auf das Bestehen einer geheimen antisemitischen Vereinigung schließen läßt. Die Presse fordert die Behörden zu Wachsamkeit und energischem Einschreiten gegen die auch gesetzlich zu ahndende antijüdische Boykottpropaganda auf. Wanderer MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: Joli. WinKIlioIcr & Söhne * München 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 738 44

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