Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 22 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 345 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103081-9156885--08510-9081228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 22 Das Jüdische Echo 345 General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße 128/ Telephon 61836 Chevrolet Oakland La Salle Dr. Chaim Weizmann und Felix M. Warburg nach London abgereist New York, 24. Mai. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, und der Präsident des American Joint Distribution Committee, Herr Felix M. Warburg, haben an Bord des Dampfers „Mauretania“ die Reise nach London angetfreten, wo bekanntlich in den nächsten Tagen die Mitglieder der Jewish- Agency-Kommission, der außer Herrn Warburg noch Sir Alfred Mond, Dr. Lee K. Frankel und Direktor Oskar Wassermann angehören, zur Erörterung der Fragen des zukünftigen Palästinaaufbaues zusammentreten. Unmittelbar vor seiner Abreise empfing Präsident Weizmann den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und sagte ihm, daß er noch immer auf eine friedliche Lösung des innerhalb der amerikanischen zionistischen Organisation ausgebrochenen Konfliktes hoffe; es gäbe Möglichkeiten der Verständigung, ohne daß eine der Parteien gezwungen sein würde, Überzeugungsopfer zu bringen. Über den voraussichtlichen Verlauf der Londoner Agencysitzung sagte Dr. Weizmann, er vertraue darauf, daß die Beratungen positive und dauernde Resultate für den Palästinaaufbau ergeben werden. Die Konferenz des United Palestine Appeal Überwältigende Mehrheit für Louis Lipsky — 1 948 812 Dollar gesammelt — Weizmanns Abschied New York, 21. Mai. (JTA.) Die Hauptversammlung der Leiter des United Palestine Appeal der Vereinigten Staaten hat heute hier stattgefunden. Die Konferenz sprach sich mit überwältigender Mehrheit für die bisherige von Louis Lipsky geleitete Administration und gegen die Opposition aus. Dem auf der Konferenz erstatteten Bericht ist zu entnehmen, daß im Verlauf der letztjährigen Kampagne eine Summe von 1 948 812 Dollar für die zionistischen Institutionen in Palästina in bar aufgebracht worden sind. Den Höhepunkt der Konferenz bildete die Rede des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, der sich vor seiner Rückkehr nach Europa von den amerikanischen Zionisten verabschiedete. Dr. Weizmann brandmarkte die Politik der Opposition, die in einer so schweren und für den Aufbau wichtigen Zeit nicht nur eine Spaltung herbeiführt, sondern auch tadelnswerte Kampfmethoden anwendet und mit versteckten Waffen kämpft. Weizmann knüpfte im weiteren Verlauf seiner Rede an die Erklärung des amerikanischen Mitgliedes der Palästinaexekutive, Miß Henrietta Szold, an, die die bekannte Kontroverse über den östlichen oder westlichen Einschlag in der Exekutive hervorrief. Weizmann sagte, daß, abgesehen von seiner Person und Nahum Sokolow, alle Mitglieder der Exekutive englisch-sprachigen Ländern angehören. Dabei dürfen die Amerikaner nicht vergessen, daß sich bisher amerikanische Wirtschaftsmänner in einem nur sehr geringen Maße an der privaten Initiative in Palästina beteiligt haben und daß aus Amerika kein Chaluz nach Palästina gegangen ist. Wenn der Kampf gegen die zionistische Leitung auf dieser Grundlage weitergeführt werden soll, so werde er, Weizmann, diesen Meinungen und Methoden auf dem Kongreß entgegenzutreten wissen. Zum Schluß sprach Dr. Weizmann über die Aufgaben des künftigen Kongresses und sagte, er werde es nicht wieder zulassen, daß der Kongreß das Unterrichtsbudget beschneidet und dadurch die ganze Bewegung entseelt. lii Kl ■ Feuilleton | l|ll||i| iiilii ■■llliH Reb Joel und seine Schäler Von Ch. Dow L ö w i Es ist ein Städtchen von zehntausend Einwohnern, zum großen Teil jüdischer Bevölkerung. Es hat viele winklige, krumme, schlechtgepflasterte und auch stille, baumreiche Gassen mit zweistöckigen Häusern; holprige und verwachsene Gäßchen mit kleinen Giebelhäusern und zermürbten Fassaden, mit kleinen, wackligen Häusern, die hin und her schwanken wie Betrunkene. Ein großer, viereckiger Markt bildet das Zentrum allen Lebens. In den Gassen und auf dem Markt haben Juden Krämerläden. Die Krämer sieht man oft vor den Türen stehen. Im Städtchen geht jeder seiner Beschäftigung nach. Männer und Frauen mit abgehärmten und vergrämten Gesichtern schlendern auf dem Marktplatz hin und her. Wasserträger schleppen mühsam volle Kannen Wasser, jüdische Lastträger tragen zentnerschwere Lasten auf ihren Rücken, Bettler segeln von Tür zu Tür und Leierkasten pilgern und torkeln von Hof zu Hof. Rauchwolken kräuseln und schlängeln sich aus den Schornsteinen wie weiße Schlangen. Hinter dem Markt, in einer engen Gasse, schaut ein zweistöckiges Haus hervor. Es steht schon seit vielen, vielen fahren und erzählt jedem, der vorbeikommt: Hier wird morgens und abends gebetet; hier wird Thora gelernt; hier verbringen Juden ihr Leben. In diesem Hause, im Hofe, befindet sich die Radomsker Klaus, ein Lehr- und Bethaus, aus dem den ganzen Tag hindurch ein betäubender Lärm dringt und knattert. In diesem Lehrhaus „lernt“ Reb Joel mit seinen Schülern. Das Lehrhaus besteht aus einem großen Raum, der alljährlich neu geweißt wird. An den Wänden stehen Regale und Schränke, in denen gelbe und verstaubte heilige Bücher und Folianten begraben sind. Einige lange Tische stehen herum. Inmitten des Lehrhauses steht ein viereckiger Tisch. Einige Hängeleuchter