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Das jüdische Echo · 1928-06-01 · 22 (1.6.1928) · p. Seite 344

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
22 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 344 (sequence 8)
Language
German
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344 Das Jüdische Echo Nr. 22 belief. Dabei ist zu bedenken, daß die Juden hauptsächlich ein städtisches Element darstellen und daß die Gesamtzahl der Ehescheidungen fast nur Städtebewohner betreffen; unter der ländlichen Bevölkerung ist der Anteil an den Ehescheidungen nicht viel größer als ein Neuntel der Durchschnittsziffer. Die Wiener Kultusgemeinde appelliert an die wohlhabenden Juden, die durch Inflation zerstörten Stiftungen wieder aufbauen zu helfen W i e n , 22. Mai. (JTA.) Die Stiftungen der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde sind infolge der Geldentwertung im Kriege und nach dem Kriege auf kaum 5 Prozent ihres ursprünglichen Wertes zusammengeschmolzen. Die Vorkriegserträge aller Stiftungen waren jährlich 550 000 Goldkronen, gegenwärtig ist der Jahresertrag auf etwa 10 000 Schilling gesunken. Da viele Stiftungen nicht einmal die Verwaltungskosten decken konnten, wurden sie zusammengelegt; aus 891 entwerteten Stiftungen wurden 17 neue Fonds geschaffen. In den letzten Jahren kamen wenig neue Stiftungen hinzu, im Gegensatz zur Vorkriegszeit, wo reiche Juden fast in jedem Jahre die Kultusgemeinde mit reichlich dotierten Stiftungen bedachten. Heute aber erbringen sämtliche seit Kriegsende bei der Wiener Kultusgemeinde errichteten neuen Stiftungen einen Jahresertrag von nur 30 000 Schilling. Die Wiener Kultusgemeinde hat nun einen Appell an die wohlhabende Wiener Judenschaft gerichtet, die Gemeinde mit neuen großzügigen Zuwendungen für das Stiftungswesen zu bedenken, um dessen Ertrag wieder auf die Vorkriegshöhe zu bringen. Der Oberrabbiner von Prag, Dr. Heinrich Brody, 60 Jahre alt Prag, 27. Mai. (JTA.) Am Sonnabend, dem 26. Mai, vollendete der Oberrabbiner von Prag, Dr. Heinrich Brody, sein 60. Lebensjahr. Die Prager Judenheit verehrt in ihm ihr religiöses Oberhaupt, den maßgebenden Theologen, den eindringlichen Redner und den großen Kenner des jüdischen Schrifttums. Dr. Brody ist in der gesamten jüdischen Welt als einer der besten Kenner der hebräischen Poesie bekannt. Er ist einer der hervorragendsten Führer der Weltorganisation Misrachi. Sechs Jahre vor dem ersten Zionistenkongreß begann Dr. Brody in Wort und Schrift für die Kolonisation Palästinas einzutreten. Im „Hamagid“ des Jahres 1891 schon führte er eine eindrucksvolle Polemik gegen Adolf Frankl, den führenden Kopf der orthodoxen Landeskanzlei Ungarns, der in der Erstarkung des nationalen Judentums und seiner Werte, insbesondere der hebräischen Sprache und Literatur, eine Gefahr gesehen hatte. Die Lebensarbeit Dr. Brodys, der 1868 in Uzhorod geboren wurde, ist die Erforschung der jüdischen Dichtkunst im Mittelalter, der er mehrere Werke gewidmet hat. Berühmt geworden ist seine hebräische Anthologie, die vor wenigen Jahren im Insel-Verlag zu Leipzig erschienen ist, ferner eine Edierung der Gedichte Jehuda Halewis. Gegenwärtig arbeitet er an der Jüdischen Enzyklopädie des Verlages Eschkol in Berlin hervorragend mit. Austritte aus den jüdischen Gemeinden ziehen in Polen die Ausstoßung aus dem Judentum nach sich Warschau, 20. Mai. (JTA.) Das Warschauer Rabbinat hielt soeben eine sogenannte „große Beratung“ ab, die der Frage der überhand nehmenden Austritte aus den jüdischen Gemeinden gewidmet war. Solche Austritte erfolgen überwiegend aus Gründen der Steuerscheu. Das Rabbinat kam zu dem folgenden Urteil: Kein Rabbiner darf die Trauung eines Paares vornehmen, wenn der Bräutigam nicht einer jüdischen Gemeinde angehört. Stirbt ein Mann, der aus der Gemeinde ausgetreten ist, so darf er auf einem jüdischen Friedhof nicht bestattet werden. Das Rabbinat forderte den Vorstand der jüdischen Gemeinde auf, an alle diejenigen, die aus der Gemeinde ausgetreten sind, eine Warnung ergehen zu lassen und sie aufzufordern, binnen 30 Tagen ihren Wiedereintritt in die Gemeinde zu vollziehen, ansonsten das obige Rabbinatsurteil auf sie endgültig Anwendung findet. Besserung der Lage in den jüdischen Kolonien Rußlands Moskau, 21. Mai. (JTA.) Die Lage in den jüdischen Kolonien in der Krim und in der Ukraine hat sich in der letzten Zeit bedeutend gebessert Die Gemüseernte ist gut, das Getreide auf den Feldern steht vorzüglich. Wenn keine unvorhergesehenen Zufälle eintreten, ist mit einer sehr guten Ernte zu rechnen. Die Stimmung unter den jüdischen Kolonisten hat sich bedeutend gebessert. Der infolge der Unwetterkatastrophen und der Fröste angerichtete Schaden ist bereits statistisch festgestellt. In den jüdischen Kolonien mußten 16 824 Hektar Getreidefeld umgepflügt und neu besät werden, davon 9886 Hektar im Rayon Cherson, 3000 Hektar in Krivojrog, 3938 Hektar in Mariupol. Aus den alten jüdischen Kolonien liegen genaue Angaben noch nicht vor. Die jüdischen Kolonisten haben eine achtmonatige Hungerzeit hinter sich, es fehlte an menschlicher Nahrung wie an Viehfutter und Feuerungsmaterial. Man war auf einen so langen Winter nicht gefaßt. Gegenwärtig aber ist der Boden in den Kolonien der JCA und des Agro-Joint bis zu hundert Prozent angebaut, jeder Kolonist hat mindestens sieben Desjatin Boden besät. Ungeachtet der Katastrophen haben die Kolonisten im allgemeinen auf ihrem Boden ausgeharrt. Aus den JCA-Kolonien sind im ganzen einhundertacht, aus den Agro-Joint-Kolonien fünfzehn Familien, die alle erst 1927 angesiedelt worden sind, in ihre früheren Heime in den Städtchen zurückgekehrt. Die Tote-Meer-Konzession Kolonialminister Amery erklärte am 21. Mai auf eine Anfrage im Unterhause, daß die Verhandlungen zwischen der Regierung von Palästina und Transjordanien über die Salzkonzession des Toten Meeres noch andauern. Sobald von Novomeysky genügende finanzielle Garantien gegeben werden, werde der Vertrag unterzeichnet werden. (Ziko) XCCX ^offeurfcfmer {Segr. 15Z4 ^Jt&ftolung ^el. 205t9 ^eft6emffraße 14/15 GSI o 1 I tx> a r c d für 8ie ^et^aufUeroaftnrng °ffc, Üfeppicfte u f tx>.

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