Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 22 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Das Jüdische Echo Nr. 22 Stätten auf allen Gebieten der Erzeugung geschaffen. Aber auch auf dem Gebiete von Erziehung und Unterricht ist Bedeutendes geleistet worden. Eine hebräische Universität ist im Werden begriffen. Eine mächtige Bibliothek ist zusammengetragen worden. Das hebräische Technikum in Haifa, schon vor dem Kriege erbaut, ist seit einigen Jahren in voller Tätigkeit. Das Lehrerbildungs-, Mittel- und Volksschulwesen ist durchgreifend organisiert. Das Budget wird in immer steigendem Maße von der Bevölkerung selbst gedeckt. Die jüdische Bevölkerung besitzt drei hebräische Tageszeitungen sowie zahllose Wochenschriften und Fachorgane. Auf dem Gebiete der Hygiene wurden bedeutende Assanierungsarbeiten geleistet usw. Noch bedeutender sind die moralischen und geistigen Werte, die die dynamische Auswirkung des jüdischen Aufbauwerkes für das Weltjudentum gebracht haben. Der Anteil an der Rettung von Tausenden jüdischer Brüder aus der Hölle der Verzweiflung und des Grauens und ihre Erziehung zu produktiven und glücklichen Menschen hält gleichen Schritt mit der Rettung des Judentums und Erneuerung und Reinigung des jüdischen Volkes. Sucht man die Energien der treibenden Kraft dieser in Palästina investierten 50 000 000 Dollar und die Sterilität des zehnfachen Betrages dieser Summe der amerikanischen Philanthropie zu ergründen, so kommt man zur Erkenntnis, daß zwischen Ideal und Philanthropie eine geheimnisvolle Macht liegt, die niederzuringen auch dem Dollarriesen nicht gelingen wird und nicht gelingen kann. Denn Philanthropie hat keine Vergangenheit und sucht keine Zukunft. Sie begnügt sich mit der Gegenwart, die vergänglich ist. Ideal lebt in der Vergangenheit und strebt in die Zukunft, ist daher unsterblich und unbesiegbar. * In wenigen Tagen werden die Vertreter der jüdischen Geldaristokratie in London Zusammenkommen, um über ihre Teilnahme am palästinischen Aufbauwerk zu beraten. Das amerikanische Judentum als mächtigster Teil des jüdischen Volkes hat ungeheure Aufgaben zu erfüllen. Die vornehmste und bedeutendste ist der Aufbau Palästinas, das in den nächsten zehn Jahren unser nationales Heim werden muß, falls — wie Ormsby-Gore, der Vertreter Englands, im Völkerbund erst vor wenigen Tagen mahnte — England seinen befristeten Wechsel nicht wieder einziehen soll. Die Amerikaner sind nüchterne und praktische Leute, die aus den gegebenen Tatsachen die erforderliche Lehre ziehen. Sie werden gewiß zur Erkenntnis gelangen, daß Philanthropie ohne Ideal keinen Bestand haben kann. Sie mögen sich aber auch bewußt werden, daß sie auf der Bühne der Weltgeschichte agieren und nicht nur uns Zeitgenossen, sondern auch die künftigen Generationen zu Zuschauern haben. Wir hoffen, daß sich unsere amerikanischen Brüder zur Höhe ihrer Aufgabe erheben werden. D.G. TEINACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldfpot: EDUARD KUHLES I MÜNCHEN RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200 Vom Verband der Jüdischen Jugendvereine Am 27. und 28. Mai 1928 fand in Dresden die aus allen Teilen des Reiches außerordentlich stark besuchte 7. Ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. In der Eröffnungsfeier, in der Rabbiner D. Wolf (Dresden) Worte der Weihe sprach, begrüßten u. a. Rechtsanwalt Salinger (Dresden) und Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin) in herzlichster Form die etwa 700 Delegierten und Gäste. Die Referate von Rabbiner Dr. Wiener (Berlin), Herbert Felsenthal (Berlin) und Dr. Julius Herzfeld (Essen) standen unter dem Motto: „Unser Weg in die Wirklichkeit.“ Den außerordentlich anregenden Referaten folgte eine vielstündige Generalaussprache, in der neben der Bundesarbeit und der Junggruppenarbeit die Stellung zu Judengesetz und Gemeindefragen im Vordergrund stand. Zu den letzteren Fragen nahm die Tagung eine dem Preußischen Landesverband zuzuleitende ausführliche Resolution an. In der geschlossenen Delegiertentagung gab sich der Verband eine neue Satzung und bewilligte den vorgelegten Etat. An Stelle des aus beruflichen Gründen zurücktretenden 1. Vorsitzenden Dr. Klein (Düsseldorf) wurde Dr. Hugo Hahn (Essen) durch Zuruf der Versammlung gewählt. Unter jubelndem Beifall der Versammlung überreichte der neue 1. Vorsitzende dem in der Verbandsleitung verbleibenden Dr. Klein als äußeres Zeichen des Dankes des Verbandes für seine außerordentliche Leistung eine künstlerisch ausgeführte Plakette. Den Schluß und Höhepunkt der Tagung bildete das Referat Dr. Hahns: „Jüdische Jugend im Weltjugendbund.“ Der Sprechchor des Düsseldorfer Jugendvereins, der auch bereits in der Eröffnungsfeier mitgewirkt hatte, brachte mit „Stimmen der Jugend“ von Karl Bröger einen weihevollen Abschluß. Ein ausführlicher Bericht über diese bedeutsame Jugendtagung folgt noch. Aus der jüdischen Welt Der Präsident der Berliner Jüdischen Gemeinde, Kommerzienrat Gerson Simon, 70 Jahre alt Berlin, 28. Mai. (JTA.) Herr Kommerzienrat Gerson Simon, der Vorsitzende des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, wird am 31. Mai 70 Jahre alt. Kommerzienrat Gerson Simon ist der Seniorchef der Firma Jacob und Richter. Er ist erster Vorsitzender der Vereinigung des Spitzen-Großhandels und erster Vorsitzender des Berliner Arbeitgeberverbandes für die Textilbranche, er sitzt im Vorstand vieler kaufmännischer und fachwirtschaftlicher Vereinigungen. Auch die Regierung hat ihn seit Jahren mit der Durchführung wichtiger kaufmännischer Aufträge betraut. Schon während des Krieges war er im Aufträge des Auswärtigen Amtes und des preußischen Kriegsministeriums im besetzten Gebiet und neutralen Ausland tätig. Die Regierungen der Nachkriegszeit bedienten sich seiner wertvollen Wirtschaftskenntnisse bei den Handelsvertragsverhandlungen. Er war bei den Verhandlungen in Paris, in Rom hervorragend beteiligt, er ist jetzt auch bei den Verhandlungen mit Polen kaufmännischer Berater. Gerson Simon entstammt einem gut jüdischen Hause in Köln am Rhein, seine Grundeinstellung