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Das jüdische Echo · 1928-06-01 · 22 (1.6.1928) · p. Seite 341

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
22 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 341 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 341 macht hatte, betonte er zum Schlüsse nochmals, daß er im großen und ganzen für die Zukunft optimistisch eingestellt sei. Die Debatte wurde noch am gleichen Abend eröffnet; es ergriffen das Wort für die Revisionisten Dr. Soskin und für die allgemeinen Zionisten Dr. Bileski. Am nächsten Morgen sprachen Alfred Berger, Dr. Rabin, Dr. Landauer, Dr. Goldmann, Richard Lichtheim, Schattner und Feuerring. Nach dem Schlußwort Rosenblüths begannen die Abstimmungen und Wahlen; für den Permanenzausschuß referierte dabei Dr. Siegfried Moses. Von den Beschlüssen ist zu erwähnen eine einstimmig angenommene Resolution, in der die Haltung des C.-V. gegenüber dem Zionismus in energischen und würdigen Worten zurückgewiesen wird, eine Resolution, die die Erhaltung und Erweiterung des Kulturdezernats vorsieht, eine weitere, die für die Forderung der Privatinitiative eintritt und schließlich eine, in der dem Hechaluz die Unterstützung seiner Arbeit zugesichert wird. Durch eine Satzungsänderung wurde die Institution des Zentralkomitees abgeschafft, da es nach Meinung des Permanenzausschusses seine Daseinsberechtigung nicht erwiesen hatte; an seine Stelle sollen allmonatliche Besprechungen treten, zu denen Vertreter der Ortsgruppen zuzuziehen sind. Für den Misrachi gab darauf Herr Adler eine Erklärung ab, in der aus dem unhistorischen Charakter der heutigen zionistischen Ideologie begründet wurde, daß sich der Misrachi bei den Wahlen des Vorsitzenden und des geschäftsführenden Ausschusses der Stimme enthalten werde, in der aber ausdrücklich die Verdienste Kurt Blumenfelds anerkannt wurden. Nachdem verschiedene Ausschüsse zusammengesetzt worden waren, wurde Herr Kurt Blumenfeld mit überwiegender Mehrheit zum Vorsitzenden der Z.V.f.D. gewählt; in den geschäftsführenden Ausschuß wurden gewählt die Herren; Berger, Bileski, Goldmann, Kanowitz, Kollenscher, Landauer, Lichtheim und Martin Rosenbliith; im Landesvorstand, der aus einunddreißig Mitgliedern besteht, ist auch der Misrachi durch einige Herren vertreten. Mit dem Gesang der Hatikwah wurde der XXII. Delegiertentag geschlossen. 500 000 000:50 000 000 Fünfhundert Millionen Dollar hat die amerikanische Judenheit während der letzten zehn Jahre für philanthropische Zwecke hergegeben. So verkündete es mit stolzer Genugtuung Davis A. Brown, Vorsitzender der Vereinigten Jüdischen Kampagne in Amerika auf einem jüngst abgehaltenen Wohltätigkeitsbankett in New York. Die Amerikaner, denen Dimensionen und Erfolg verwandte Begriffe sind, können auf diese gigantische Leistung wohl mit Recht stolz sein. Man halte ein wenig inne und vergegenwärtige sich die gewaltige Stoß- und Triebkraft dieser Summe von neunstelligen Ziffern. 500 000 000 Dollar sind 2.1 Milliarden Reichsmark. Die 500 000 000 Dollar, die das amerikanische Judentum während zehn Jahren auf dem Altäre der Wohltätigkeit geopfert hat, sind nicht nur bildlich, sondern wirklich und real auf dem Altar geopfert worden; der größte Teil dieser gewaltigen Summe hat, im Feuer verraucht, sich verflüchtigt und nur ein Bruchteil diente als Hebe für die Garde der Schutzbefohlenen. Gewiß — und das soll nicht bestritten werden — hat diese Dollarpyramide viel jüdisches Elend gelindert. Unsere, aller menschlichen Phantasie spottende Schreckensära, deren Zeitgenossen wir waren, erforderte Riesensummen zur Dämpfung des Riesenausmaßes menschlichen Leidens. Zweifellos hat das amerikanische Judentum mit dieser Großtat der Menschlichkeit einer unabsehbaren Armee von Unglücklichen vorübergehend geholfen und sich ein Ehrendenkmal gesetzt, wie es in seiner Monumentalität ohne Beispiel dasteht. Doch die Amerikaner haben mit ihrer großzügigen Philanthropie keine Ewigkeitswerte geschaffen, ja sie haben nicht einmal das Geschaffene behalten können. Zweiundsiebzig Millionen Dollar sind im Elendssumpf des europäischen Ostens versickert, ohne eine Spur zu hinterlassen, und vierhundertachtundzwanzig Millionen Dollar hat der Moloch menschlichen Leidens in Amerika verschlungen, ohne daß seine Gefräßigkeit gestillt worden wäre. * Während der gleichen Zeitspanne hat das weit größere und mächtigere Weltjudentum bloß den zehnten Teil dieser Riesensumme, also nur 50000000 Dollar, in das palästinische Aufbauwerk investiert, wovon die Amerikaner 60 Prozent, also nur 30 000 000 Dollar, beigesteuert haben. Wir wollen nicht das Mißverhältnis tadeln, sondern zum Vergleich herausfordern. Was hat die amerikanische Philanthropie mit der Riesensumme von einer halben Milliarde Dollar geschaffen, was haben wir hiervon bis heute erhalten. Da müssen wir uns eingestehen, das Kapital ist verflogen, die Zinsen sind versiegt. Die 50 000 000 Millionen Dollar hingegen, die das Weltjudentum im palästinischen Aufbauwerk festgelegt hat, sind lebendes Kapital und tragen reichlich Früchte/ Die 50 000 000 Dollar haben ein gewaltiges Werk vollbracht, wie wir es vor zehn Jahren kaum zu ahnen gewagt haben. Die jüdische Bevölkerung in Palästina, die bei Kriegsende 60 000 Seelen zählte, stieg auf 170 000, hat sich also nahezu verdreifacht. Die Zahl der jüdischen Kolonien und Ansiedlungspunkte hat sich nicht weniger als um 60 vermehrt. Der jüdische Bodenbesitz beträgt derzeit etwa 100 000 Hektar. Im Emek Jesreel, wo kaum eine menschliche Ansiedlung sich erhalten konnte, blüht heute eine Kette jüdischer Dörfer. Eine Zahl von neuen jüdischen Vorstädten, Gartenvierteln ist bei den größeren Städten entstanden und bei Jaffa ist eine jüdische Stadt, Tel-Awiw, mit 40 000 Einwohnern aus dem Boden gewachsen. In den zehn Jahren und mit Hilfe dieser Summe wurde in Palästina eine Industrie von einigen hundert Fabriken und Werk- IMCMEN SCHELLINGSTRASSE 39 / TELEPHON 23741 J 29073

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