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Das jüdische Echo · 1928-05-24 · 21 (24.5.1928) · p. Seite 326

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
Seite 326 (sequence 6)
Language
German
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326 Das Jüdische Echo Nr. 21 Nach einem zweiten Plane, -der erst in letzter Zeit aufgetaucht ist, würde die Synagoge und das dazu gehörige Verwaltungs- und Schulgebäude abgebrochen und auf der alten Stelle ein neuer großer Synagogenbau errichtet werden. Für die Schule und die Verwaltungsräume müßte naclr der Straßenfront unter Einbeziehung des bisherigen Pförtnerhauses und der Schächtremise ein neuer umfassender Bau erstellt werden. Welches von den beiden Projekten den Vorzug verdient, bedarf noch eingehender Prüfung. Eine zweite wichtige Arbeit, der sich die Verwaltung unterzogen hat, war die Aufstellung des Etats, der nunmehr vorliegt. Hiernach hat die Gemeinde einen Betrag von RM. 83000.— durch Steuern aufzubringen, während der Rest ihrer Ausgaben aus dem Überschuß der werbenden Gemeindeeinrichtungen bestritten wird. Berichtet werden soll nur über wesentliche Änderungen gegenüber dem Vorjahr. So hat sich der Ausgabenetat für die israelitische Volksschule erhöht, da, abgesehen von der allgemeinen Besoldungsverbesserung, eine neue Lehrkraft berufen werden mußte. Dies hängt damit zusammen, daß seit einigen Jahren die Frequenz der unteren Klassen bedeutend gestiegen ist. In ihnen befinden sich jetzt alle jüdischen Kinder -der Stadtgemeinde Würzburg, während früher dies höchstens zu zwei Dritteln zutraf; die übrigen besuchten die allgemeinen Volksschulen. Eine solche Tatsache, deren Ursachen wohl naheliegen, verdient über die lokalen Grenzen hinaus bekannt zu werden. Wie hoch die Stadt die Leistungen der Schule einschätzt, ergibt sich aus der Tatsache, daß sie den Betrag von 4000 RM. als besonderen Zuschuß für die Gebäudeaufwendungen der Gemeinde für ihre Schule bewilligte.— Wenn man die einzelnen Posten des Voranschlages miteinander vergleicht, fällt es auf, daß die Ausgaben für allgemeine Jugendzwecke und insbesondere für körperliche Ausbildung sehr niedrig sind und in gar keinem Verhältnis zu den übrigen Aufwendungen stehen. Der Vorwurf trifft aber in diesem Falle nicht die Gemeinde, sondern die jüdische Jugend selbst, die anscheinend noch gar nicht das Bedürfnis zur Schaffung eigener Institutionen empfunden hat. Die einzige Einrichung, ING. G. AIGNER’S PRIVATE KRAFTFAHRKURSE gegründet 1913 Oabelsbergerslr. 62 I Telephon 51314 Straßenbahnhaltestelle: Kreuzung Augusten-Gabelsbergerstraße der Linien 2, 7, 17; — garantieren als alteingeführtes Unternehmen mit besten Referenzen für vollkommene Qualitäts-Ausbildung die es in dieser Beziehung gibt, die Sportabteilung des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten, erhält auch von der Gemeinde eine Unterstützung, die freilich noch recht niedrig bemessen ist. Der Wahlkampf spielte sich hier durchaus in ruhigen Formen ab. Die Versammlungen der verschiedenen Parteien verliefen im allgemeinen ohne stürmische Auftritte und selbst die hetzerischen Anschläge der Nationalsozialisten fanden bei der Bevölkerung wenig Widerhall. Es gibt auch noch andere Symptome dafür, daß das Bürgertum allmählich doch wieder zur Besinnung kommt. Daraufhin deutet auch die widerspruchslose Hinnahme der Rede, die der Rektor der Universität, Prof. Dr. Hehn, im neuen Semester vor -den Studenten gehalten hat. Er hat sich in einer Verpflichungsansprache an die neu immatrikulierten Studenten nicht nur gegen die Auswüchse des Corpslebens gewandt, sondern auch die Studentenschaft zur Achtung und Wertschätzung des Gegners ermahnt, insbesondere nicht dem anders Eingestellten die Vaterlandsliebe abzustreiten. In einer Rede anläßlich des Stiftungsfestes der Universität, in der Hehn sich mit den Religionen der untergegangenen Assyrer und Babylonier beschäftigte, gab er zum Schluß einen Ausblick auf das jüdische Volk, -das nicht untergegangen sei und suchte die Gründe dafür aufzuzeigen. Auch diese Ausführungen zeugten von einer tiefen Einsicht des bekannten Orientalisten in alte und moderne Zusammenhänge des Judentums, und es ist eben bezeichnend für den allgemeinen Umschwung, daß derartige Darlegung n nicht mehr mit der vor Jahren noch üblichen Radaumethode abgelehnt werden. —m— Unser neuer Roman! In der nächsten Nummer beginnen wir mit dem Abdruck unseres neuen Romans „RICHTER UND NARR“ von Altalena (Wladimir Jabotinsky) der als Buch im Verlag Meyer & Jessen, München, vor einiger Zeit bereits erschienen ist. Es freut uns, unseren Lesern gerade diesen aufsehenerregenden Roman des bekannten jüdischen Politikers und Publizisten bieten zu können, in dem die Simsongeschichte eine neue, in jeder Beziehung fesselnde Darstellung findet und für die Rätsel der geschichtlichen Überlieferung eine überraschende, aber psychologisch und historisch gut fundierte Deutung gegeben wird. Zwischen Juden und Philistern, Stammesgenossen und Fremden, in seltsamer Doppelgestalt, als Richter und als Narr, so erscheint uns Simson, so vollendet sich sein Geschick. Jabotinsky erweist sich dabei als ein Schriftsteller von Rang, seiner plastischen Erzählungsgabe und eindringlichen Psychologie gelingt es auch, verwickelte Vorgänge zu klären und so wirklich ein Bild jener dunklen Epoche zu gestalten. Wir sind überzeugt, daß dieser Roman bei allen unseren Lesern großen Beifall finden wird.

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