Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 21 (24.5.1928)
- Date
- 1928-05-24
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Das Jüdische Echo Nr. 21 danken der jüdischen Einheit gerade auf dem kulturellen Gebiete neue Schlagkraft, neue Wirklichkeit zu geben. * So wird dieser Delegiertentag auch eine neue Phase im Kampfe des Zionismus um die deutschen Juden einzuleiten haben, in einem Kampf, der sich, so wie die Dinge heute liegen, zwar gegen die durch die C.-V.-Mehrheit vertretenen Anschauungen, gegen die famose Resolution Mecklenburg zu richten hat, sich darin aber keineswegs erschöpfen darf. Viel wichtiger als die Auseinandersetzung mit dieser nun einmal unbelehrbaren Schicht, die nur gebührend in ihre Schranken zurückgewiesen zu werden verdient, ist die unmittelbare Bearbeitung jener Gruppen, die in ihrer allgemeinen Haltung bereits heute zu erkennen geben, daß sie für den zionistischen Gedanken empfänglich sind. Es gibt solche Gruppen; die Erfahrungen des letzten Jahres, die Aufnahme Weizmanns in Deutschland, der Widerhall, den u. a. die letzten großen Keren-Hajessod-Veranstaltungen in München und Nürnberg gefunden haben, die Gründung von Ortskomitees des neutralen Keren Hajessod! beweisen es uns. Der Schritt von einer solch sympathisierenden anerkennenden Einstellung zum Zionismus selbst mag schwer sein; die Entscheidung aber kann gerade jenen nicht erspart bleiben, die einmal die innere Verpflichtung empfunden haben, an der jüdischen Erneuerungsarbeit mitzuwirken. Durch die Rücksicht auf die Gemeindearbeit sollten die zionistischen Ortsgruppen sich in ihren notwendigen Propagandaaktionen nicht stören zu lassen, und man darf es wohl sagen, daß heute für den deutschen Zionismus nichts so notwendig ist als eben zionistische Propaganda. * Die Vorgänge im We'ltzionismus und in Palästina werden den Delegiertentag nicht unbeeinflußt lassen können; je nach der Parteizugehörigkeit wird man eine verschiedene Haltung zu ihnen einnehmen, was aber nicht daran hindern darf, daß zwei Grunderkenntnisse sich allen Gruppen des deutschen Zionismus aufdrängen müssen. Einmal die Erkenntnis, daß eine Verstärkung und Verbreiterung der zionistischen Organisation allerorten notwendig ist, soll sie wirklich ihren Funktionen nachkommen und dann die klare und konsequente Einsicht, daß die Beziehungen des deutschen Zionismus zu Palästina in sachlicher und persönlicher Art enger geknüpft werden müssen, gerade heute, wo die neu beginnende wirtschaftliche Prosperität auch anderen als chaluzischen Elementen die Eingliederung ins Land gestattet. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, diese Verbindung so zu gestalten, daß jeder einzelne Zionist einen Hauch des palästinischen Geistes verspürt; dann kann es nicht ausbleiben, daß dieser schaffende, schöpferische und jüdische Geist auch die Arbeit des deutschen Zionismus durchdringt und befruchtet. I. E. PACKARD „Pressa“ und „Jsop“ Köln a. Rh., 15. Mai. (JTA.) Der am Sonnabend stattgefundenen Eröffnung der Internationalen Presse-Ausstellung „Pressa“ in Köln folgte am Dienstag, dem 15. Mai, die feierliche Eröffnung der Jüdischen Sonderschau der „Pressa“, „Jsop“. Zu dem feierlichen Akt hatten sich neben einer Anzahl jüdischer Persönlichkeiten Kölns der Oberbürgermeister von Köln, Geheimrat Adenauer, der Rektor der Universität Köln, Prof. Walb, der Polizeipräsident von Köln, Vertreter der Stadt Köln, des Kardinals, des deutschen Auswärtigen Amtes u. v. a. eingefunden. Die Eröffnungsansprache hielt Justizrat Dr. Bodenheimer, der die Erschienenen warm begrüßte, die Entstehungsgeschichte der Jüdischen Sonderschau schilderte und die Anregung gab, einen Verband der Vertreter der jüdischen Presse zu schaffen mit dem Ziele, die jüdische Presse zu stärken und die „JSOP“ zu einem ständigen jüdischen Presse-Museum auszugestalten. Die Festlichkeit wurde mit einem religiösen Vorspruch des konservativen Rabbiners der Kölner jüdischen Gemeinde, Dr. Rosenthal, eingeleitet. Es folgte eine Ansprache des Vorsitzenden der Gemeinde, Herrn Blumenau. Der Bürgermeister von Köln, Adenauer, stellte in seiner Ansprache fest, daß die Jüdische Sonderschau eine wertvolle Bereicherung der Internationalen Presse-Ausstellung bedeute und fand Worte der Verehrung für das jüdische Schrifttum. Der Rektor der Universität Köln, Prof. Walb, der bekantlich in seiner kürzlich gehaltenen Rektoratsrede die deutsche Studentenschaft zu brüderlicher Zusammenarbeit mit ihren jüdischen Kommilitonen aufforderte, hielt auch diesmal eine Rede, die von der Idee der Toleranz getragen wurde, und kündigte eine Ära des Geistes der Verständigung zwischen allen Bevölkerungsteilen Deutschlands und den Völkern der Welt an. Wie die allgemeine Presse-Ausstellung war auch die Jüdische Sonderschau zu der Eröffnung nicht ganz fertig. Die Schau wird noch wesentliche Ergänzungen erfahren müssen. Trotz der immensen Arbeit, die der „JSOP“ gewidmet worden ist, wird das Gesamtbild der wirklichen Bedeutung der jüdischen Presse nicht gerecht; es überwuchern noch Kult- und Kunstausstellungen. * * * Das Gebäude der „JSOP“ hat seinen Platz in der „Straße der Nationen“, unmittelbar neben der in der Form einer Kirche erbauten Sonderschau der Protestantischen Kirche, gefunden. Es repräsentiert sich in der Reihe der „Pressa“-Häuser als ein Bau von besonderer Eigenart, der seinem Schöpfer, dem Kölner Architekten Robert Stern, alle Ehre macht. Über einem rechtwinkeligen etwa 4 Meter hohen Unterbau erhebt sich in der Mitte eine sechseckige Halle, die an der Stirn von einem schönen Turm überragt wird, von dem als Symbol der jüdischen Gemeinschaft ein „Mögen Dowid“ weithin leuchtet. Über den beiden hohen verkörpert vornehmen Reichtum Generalvertreter: GEBR. BEISSBARTH / KOHLSTR. 2 beim Deutschen Museum