Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 20 (18.5.1928)
- Date
- 1928-05-18
- Page
- Seite 309 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 309 Arbeiter, die nicht dauernd mit der Wirtschaft des Landes verknüpft sind, einen so großen Prozentsatz in der Gesamtzahl der Arbeiter darstellt, wie dies jetzt der Fall ist. Denn man muß bedenken, daß zu den fluktuierenden Elementen nicht nur die jetzt bei verschiedenen konstruktiven Arbeiten beschäftigten Arbeiter gehören, sondern auch ein Teil derjenigen Arbeiter, die als Lohnarbeiter in den alten Kolonien beschäftigt sind. Auch sie haben, zum Teile wenigstens, keine dauernde Beschäftigung, sondern sind nur Saisonarbeiter und die Frage ihrer Beschäftigung stellt die Exekutive, bzw. die Arbeiterorganisation, ebenfalls immer wieder vor neue Aufgaben. Daß die Wirtschaft durch die vorübergehende Behebung der Arbeitslosigkeit noch nicht konsolidiert ist, beweist wohl am besten der Umstand, daß man vorläufig noch gar nicht an eine stärkere Neueinwanderung denken kann, trotzdem diese der Hauptfaktor in der Weiterentwicklung Palästinas ist. Gewiß, Resolutionen sind leicht gefaßt, in denen eine fünfte Alijah gefordert wird, und das Forum der Volksversammlung wird den Antragsteller, der eine freie Alijah fordert, immer mit großem Jubel empfangen, weil derartige doktrinäre Forderungen immer populär sind. Aber es ist klar, daß jede größere Einwanderung vor allem den Prozentsatz der fluktuierenden Elemente erheblich steigern muß, also einen immer labileren Zustand schafft und wir wissen nicht, ob es wirklich wünschenswert ist, die Zionistische Organisation neuerlich den Zustand durchmachen zu lassen, der in den letzten zwei Jahren die Arbeit in so erheblicher Weise geschwächt hat. Diese Schlußfolgerung darf aber nicht dazu verleiten, den Gedanken an eine Neueinwanderung auch nur vorübergehend aufzugeben. Muß erst ausdrücklich betont werden, daß ohne Neueinwanderung ein Fortschritt in der Entwicklung Palästinas undenkbar ist, und daß die Zionistische Organisation alle Mittel ergreifen muß, um diesen Fortschritt so rasch wie möglich zu realisieren? Ist es nicht selbstverständlich, daß nicht die Erhaltung des Bestehenden das Ziel der Zionistischen Organisation ist, sondern dessen ständige Vergrößerung im Sinne der großen zionistischen Ziele? Und muß nicht alles getan werden, um durch Neuansiedlung die Zahl der fluktuierenden Elemente derart zu verkleinern, daß eine Neueinwanderung wirklich ohne nachfolgende schwere ökonomische Krise möglich wird? Das ist der Weg, den die letzten zwei schweren Jahre in Palästina gelehrt haben, und den die Zionistische Organisation notwendigerweise gehen muß. Das ist aber auch der Weg, der zu einer gewissen Umstellung der bisherigen Denkungsart zwingen muß. Ist wirklich die Neuansiedlung das Um und Auf der weiteren zionistischen Entwicklung, dann muß alles getan werden, um eine solche Ansiedlung schon in nächster Zeit durchzuführen. Dann genügen auch nicht die Entschuldigungen, daß die Gelder des Keren Hajessod nicht ausreichen, um eine solche Neukolonisation auch wirklich durchzuführen. Dann müßte auch allen klar werden, daß jeder Monat, der ohne Neukolonisation und ohne Neueinwanderung vorgeht, den gegenwärtigen Zustand des Stillstandes fixiert, und daß es dann immer schwerer sein wird, aus dieser Stagnation herauszukommen. J. S. Der österreichische Staat und die Wiener Kultusgemeinde Wien, 14. Mai. (JTA.) Der Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat in seiner letzten Sitzung den einstimmigen Beschluß gefaßt, die österreichische Bundesregierung offiziell aufzufordern, den ihr vom österreichischen Staatsgesetz auf Grund des Friedensvertrages auferlegten Verpflichtungen zu einer regelmäßigen Beitragsleistung für die sozialen und kulturellen Bedürfnisse des Wiener Judentums endlich nachzukommen. Die Wiener Judenheit, heißt es in der Aufforderung, ist nicht imstande, das wachsende Defizit im Gemeindebudget zu decken, da die Kultusgemeindesteuern sowie die Abgaben und Gebühren bei Geburten, Begräbnissen usw. bis zur Höchstgrenze gesteigert sind. Die Kultusgemeinde sei entschlossen, ihre Forderung nach einer Beitragsleistung des Staates konsequent zu vertreten und — falls sich die Bundesregierung nicht von selbst entschließen sollte, ihrer Pflicht gegenüber den jüdischen Mitbürgern nachzukommen — eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes herbeizuführen. In dem Beschluß des Kultusgemeindevorstandes wird u. a. auf die Tatsachen hingewiesep, daß der in das Staatsbudget eingestellte Posten für die Bedürfnisse der katholischen Kirche jährlich 17 Millionen Schilling betrug, und daß ein verhältnismäßig kleiner Posten auch für die evangelische Kirche eingestellt ist, während für die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinden außer der lächerlich geringen Subvention von 500 Schilling jährlich für das Rabbinerseminar kein anderer Posten im Budget vorhanden ist. Der Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat an die Kultusgemeinden der öster- Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19