Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 19 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- Seite 293 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo neu Überlegungen von einem blöden Haß gegen den Zionismus leiten läßt. Die Begriffsverwirrung, die sich in diesem Wahlaufruf dokumentiert, ist sicherlich kaum mehr zu überbieten; in dieser Hinsicht wird Herr Naumann nur von Hitler und seinen Mannen erreicht, Centralverein und jüdische Jugend Breslau, 30. April. (JTA.) Der Ortsausschuß der jüdischen Jugendverbände in Breslau veranstaltete am 28. April d. J. unter dem Motto „Central-Verein und jüdische Jugend“ eine öffentliche Versammlung, in der die bisher nur innerhalb von geschlossenen C.-V.-Veranstaltungen geführte Diskussion zwischen dessen Mehrheit und Minderheit in aller Öffentlichkeit fortgesetzt werden sollte. Referenten des Abends waren der Führer der Minderheit, Rechtsanwalt Foerder (Breslau), und der Verfasser der angenommenen Kampfparole gegen den Zionismus, Herr Mecklenburg (Chemnitz). Foerder ging von dem Tendenzparagraphen in der Satzung des C.-V. aus, der dem Verein als Hauptaufgabe den Kampf um die Gleichberechtigung stellt. Schon bei dieser Tätigkeit nach außen, so führte er aus, ergeben sich Unterschiede zwischen und Jugend und der Mehrheit, nämlich bei der Auswahl der Methode des Kampfes. Die deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft verlangt einmal die Bejahung der Verschiedenheit des jüdischen Deutschen vom christlichen Deutschen und ferner eine positiv-jüdische Einstellung. Weit größer sind die Differenzen bei der Arbeit nach innen, die ihre Grundlage in der „unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung“ hat. Die Jugend wendet sich gegen jegliche chauvinistische Auslegung dieser Worte. Für sie ist die deutsche Gesinnung Voraussetzung und Grundlage der Arbeit. Sie verwirft das „s e assimilare“ und fordert ein „s i b i assimilare“, d. h. sie erkennt den Primat des Judentums auf geistig-kulturellem Gebiete an. Sie erkennt weiter (unter Ablehnung der Anwendung des Begriffes Nation im modernen staatsrechtlichen Sinne auf das Judentum) eine nationale Komponente an. Dessenungeachtet kommt der DJG zu einer Ablehnung des Zionismus, in dem sie aber nichts Wesensfremdes sieht. Sie begründet die Ablehnung mit der sogenannten Entwurzelungstheorie des Zionismus. Sie lehnt auch die Teilnahme an einem „nationalen“ Palästina-Aufbau ab, bejaht aber merkwürdigerweise die jüdische Krimsiedlung. Die Kameraden hingegen erkennen den Zionismus wie jede andere Richtung im deutschen Judentum an und legen der Aufnahme von Zionisten in ihren Kreis nichts in den Weg. Nur sehen sie ihr Lebenszentrum in der Arbeit für die Erhaltung des Judentums in Deutschland und nicht in der Arbeit für Palästina. Die Mithilfe an der Palästina-Arbeit wird bejaht und die vom C.-V. betriebene Agitation gegen den Keren Hajessod verworfen. Welche Richtung innerhalb des Judentums es auch sein mag: ein Abgrund gegenüber dem Zionismus wird jedenfalls geleugnet. Der zweite Redner, Herr Mecklenburg, führte ungefähr aus: Wir dürfen uns nicht abschließen. Wir müssen beweisen, daß wir ebensogut deutsch sind wie die deutschen Christen; wir müssen es durch die Tat beweisen, daß wir dieselbe Liebe zum deutschen Vaterland hegen wie die deutschen Christen. Die deutsche Gesinnung ist die Grundlage unseres Abwehrkampfes. Ein gemeinsamer Kampf mit den Zionisten ist also nicht möglich. Für uns ist das alles keine innerjüdische, sondern eine deutsche Angelegenheit. Der Redner nahm Stellung gegen das Pro-Palästina-Komitee und sagte, der „Siegeszug von Professor Weizmann durch Deutschland mußte auf das deutsche Volk so wirken, daß die Juden zum jüdischen Volke gehören und Weizmann ihr König ist“. Er schloß: „Die Kluft zwischen uns und dem Zionismus ist unüberbrückbar.“ In der Diskussion wandten sich Dr. Martin Guttmann und Dr. Lux scharf gegen Mecklenburg, dem sie Ludwig Holländers Referat in der C.-V.-Hauptversammlung entgegenhielten, der erklärt hatte, man dürfe dem Gegner nicht Mangel an deutscher Gesinnung vorwerfen. Dr. Lux sagte, es sei absurd zu behaupten, daß die Zionisten sich in Deutschland als Fremde fühlen. Die Kluft zwischen dem Zionismus und der gegenwärtigen C.-V.- Minorität ist nicht unüberbrückbar. Den radikalzionistischen Standpunkt vertraten Neustadt und Ernst Cohn. Mecklenburg stellte zum Schluß manche seiner früheren Ausführungen richtig und erklärte, daß zwischen ihm und Holländer es keine Gegensätze gebe. Das Schlußwort hatte R.-A. Foerder, der ausführte: Wir Juden sind nicht verpflichtet, mehr zu tun als die anderen. Die Emanzipation ist für uns kein Geschenk. Sie ist Pflicht und Schuldigkeit eines Kulturvolkes. 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