Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 19 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- Seite 292 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 19 Ziehung hervorzurufen, denn die Kreise des Joint haben die jüdische Kolonisation in Rußland in auffälliger und prononzierter Weise bevorzugt, die sehr stutzig machen muß. Wie anders könnte es gedeutet werden, daß Felix Warburg, der Präsident des Joint und Mitglied der Agency-Kommission für das Palästinawerk 50 000 Dollar, für die Krimkolonisation aber, und zwar für den von Julius Rosenwald inaugurierten 10-Millionenfonds, der noch neben den 25 Millionen der Jointkampagne aufgebracht werden soll, einige Tage später eine Million Dollar, also genau das Zwanzigfache, spendet. Daß in einem solchen Augenblick keine einheitliche und starke zionistische Front in Amerika besteht, ist sicherlich bedauerlich; dieser Zustand kann aber auch sein Gutes für die zionistische Bewegung haben, nämlich dann, wenn es gelingt, die zionistische Atmosphäre in Amerika wirklich zu reinigen und die zionistische Organistion auf neue Grundlagen zu stellen. I. E. Zur deutschen Reichstagswaht Eine Wahlkundgebung des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten Berlin, 4. Mai. (JTA.) Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten E. V., Ortsgruppe Berlin, veranstaltete am Donnerstag, dem 3. Mai, im Logenhaus, Kleiststraße 10, eine Wahlkundgebung. In der überfüllten Versammlung sprach zunächst nach einleitenden Worten des Vorsitzenden Dr. London, Herr Landtagsabgeordneter Kuttner. Er kennzeichnete kurz den Standpunkt der Sozialdemokratischen Partei, die das Weltgeschehen von wirtschaftlichen Entwicklungen beurteile. Die Sozialdemokratische Partei kennt keinen Unterschied der Rassen, ganz abgesehen davon, daß alle Rassentheorien lebhaft umstritten seien. Der Redner bezeichnete die bekannten Verleumdungen der Völkischen als zu geistlos, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen. An einigen Beispielen legte er dar, wie unsinnig es sei, für Einzelfälle eine Gemeinschaft verantwortlich zu machen. Die nächste Rednerin, Frau Gräfin Frede-Maria Dohna, die sich als Generalstochter und Pazifistin bezeichnete, forderte die Erziehung der Jugend im Sinne der Völkerversöhnung. Herr Stadtverordneter Hausberg brandmarkte die brutalen Methoden jener Kreise, die sich als Erneuerer Deutschlands gebärden. Zum Schluß legte Herr R.-A. Dr. Elekeles vom Bundesvorstand des RJF. dar, daß leider auch heute noch die jüdischen Frontsoldaten in einer Lage seien, Vorwürfe der Drückebergerei zurückweisen zu müssen und daß die Juden nicht nur aus Selbstachtung, sondern zum Wohl des deutschen Volkes bei der bevorstehenden Wahl sich betätigen müßten. Die Mahnung aller Redner und des Versammlungsleiters, nur diejenigen Parteien zu wählen, die auf dem Boden der Republik stehen, fand starken Beifall der Versammlung. Herrn Dr. Naumanns Sorgen Berlin, 1. Mai. (JTA.) Das Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden veröffentlicht einen Wahlaufruf, dessen Hauptabschnitte wie folgt lauten: „Man wird Euch sagen, Ihr sollt keine Partei wählen, die *,antisemitisch verseucht* ist. Wolltet Ihr diesem Rate folgen, so müßtet Ihr der Wahl ganz fernbleiben. Mag die Parteifahne rot, schwarz, schwarz-weiß-rot oder schwarz-rotgoid sein, in jeder Partei, ohne Ausnahme, findet Ihr Antisemiten* “. ... Wer ist ein Antisemit? Doch wohl ein Mensch, der in ,dem Juden* etwas anderes sieht als den vollberechtigten und voll zu achtenden deutschen Volksgenossen. Darnach ist ,Antisemit* jeder, der meint, der Jude gehöre zu einem anderen als dem deutschen Volke. Ein Antisemit ist also nicht nur der sogenannte Deutschvölkische, sondern auch der Jüdischnationale, der aufrichtige Zionist oder der interessante Zweivaterlands- Bürger mit dem umschaltbaren Nationalgefühl. Und die Hilfstruppen dieser nichtjüdischen und jüdischen Antisemiten sind die unklaren Köpfe, auch hier Juden und Nichtjuden, die mit ,Einerseits-Anderseits* und mit vielen feinsinnigen Fremdwörtern verlangen, daß Palästina ein geistiges Zentrum der Juden , werde, daß die Jüdische Kultur* gepflegt werde, daß jüdische Kinder nur in jüdische Schulen gehen, kurz, daß die Kluft zwischen Deutschen nichtjüdischen und jüdischen Stammes recht breit und tief auszuschachten sei, damit kein deutscher Jude die Ghettomauern entehre. ... Der nationaldeutsche Jude wählt nicht nach jüdischen, sondern nach deutschen Gesichtspunkten. Er wählt die Partei, die nach seiner freien, durch Empfindlickeit nicht getrübten und nicht zu trübenden Überzeugung die beste Gewähr für eine dem deutschen Vaterlande nützliche Politik bietet. Nationaldeutsche Juden, wählt deutsch!“ Herr Naumann nennt es wohl nach „deutschen Gesichtspunkten“ wählen, wenn man seine Stimme einer antisemitischen Partei gibt und sich in sei- Der neue AUSTRO-DAIMLER 6 Cylinder, 12/70 PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. . Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19