Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 16 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
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250 Das Jüdische Echo Nr. 16 des Völkerbundes, der den Verhandlungen des internationalen Missionsrates in Jerusalem im Aufträge des Arbeitsamtes als Beobachter beigewohnt hatte, nahm auch an einer Sitzung des Waad Leumi (pälästinisch-jüdischer Nationalrat) teil und erklärte in einer bei dieser Gelegenheit gehaltenen Ansprache, daß Herr Albert Thomas, der Leiter des Internationalen Arbeitsamtes des Völkerbundes, sowie er, Grimshaw, selbst, jederzeit und überall das jüdische Aufbauwerk in Palästina unterstützen wollen. Prinzeß Marys Aufenthalt in Palästina Jerusalem, 15. April. (JTA.) Prinzeß Mary, die einzige Tochter des englischen Königspaares, und ihr Gatte Viscount Lascelles weilten vom 11. bis 15. April in Palästina und waren hier Gegenstand von Huldigungen der Bevölkerung. Sie wurden am Bahnhof von dem von seiner letzten Indisposition wieder hergestellten Lord Plumer, dem Oberkommissar von Palästina, und sämtlichen auswärtigen Konsuln begrüßt. Sie besuchten die hebräische Universität in Jerusalem, die Kwutza Dilb und verschiedene öffentliche Institutionen und traten heute die Reise nach Ägypten an. Die Einnahmen der Palästinaregierung Eine soeben erfolgte offizielle Veröffentlichung gibt die Einnahmen der Palästinaregierung während der ersten 8 Monate des laufenden Budgetjahres vom 1. April bis 30. November 1927 mit <£ 1 478 651 an, und die regulären Ausgaben mit £ 1 241 087. Die hauptsächlichsten Einnahmen stammen aus Zöllen £ 502 499, Lizenzen, Steuern usw. £ 473 807, Eisenbahnen £ 226 727. Die Hauptausgaben waren für Polizei- und Gefängniswesen £ 209 590, Eisenbahnen £ 160 015, transjordanische Grenzschutztruppe £ 113 879. (Ziko) Bestätigung des Budgets von Tel-Awiw Nach längeren Verhandlungen wurde nunmehr das Budget der Stadtgemeinde Tel-Awiw nach Vornahme nur ganz geringfügiger Änderungen durch die Palästinaregierung bestätigt. Die Regierung gewährt Tel-Awiw eine Subvention (grant-in-aid) von £ 12 000, davon £ 10 000 für das allgemeine Stadtbudget und £ 2000 für die Erhaltung dies Hadassah-Krankenhauses. Am Budget für das Jahr 1927 beteiligte sich die Regierung mit nicht ganz £ 10 000, die für den Polizeidienst bestimmt waren. (Ziko) Feuilleton Ausgrabungen in Palästina Von Paul Iv raus Nachstehender, von einem Kenner des Problems der Ausgrabungen in Palästina stammender Aufsatz informiert vom jüdischen .Standpunkte über die Entwicklung dieser äußerst interessanten Forschungsarbeiten. (Redaktion.) Nach dem Kriege setzten in Palästina an vielen Stellen Ausgrabungen ein, die alljährlich reiche Ergebnisse zeitigten. Ich denke hier weniger an die Grabungen, welche die jüdische Gesellschaft zur Erforschung Erez Israels in Galiläa an verschiedenen Synagogenruinen und in Jerusalem an der sogenannten dritten Mauer anstellte, weil sie einer späten, jüdisch-griechischen Zeit angehören und trotz vieler neuer Erfahrungen, z. B. um die Topographie Jerusalems, unser Gesichtsbild dieser Epoche doch im großen unverändert ließen. Die bedeutenderen Ausgrabungen, die eine Umwälzung in der historischen Erkenntnis von Palästinas Vergangenheit brachten und erst noch bringen werden, gehören der altisraelitischen und vorisraelitisch-kanaanäischen Zeit bis zum 4. Jahrtausend an. Man war früher in archäologischen Kreisen sehr skeptisch, in Palästina irgend etwas zu finden. Was für Ägypten und Babylonien galt, wollte man hier nicht gelten lassen. Palästina, sagte man, war immer nur das Durchgangsland verschiedener Völker, war in seiner Kultur Provinz seiner beiden großen Nachbarn. Als dann vor einigen Jahrzehnten die in Keilschrift abgefaßten Tafeln von Tel Amara zum Vorschein kamen, die die Korrespondenz der syrischpalästinischen Kleinfürsten des 14. Jahrhunderts mit dem Großkönig in Ägypten enthielten, während vor den Toren des Landes unruhige Nomadenhorden Eingang begehrten, als dann in der Folge auch die Denkmäler in Ägypten und Babel klar die Annahme einer bodenständigen hochentwickelten Kultur für Syrien forderten, die von hier aus besonders um die Wende des 3. Jahrtausends die Geschichte Babyloniens und des ganzen Ostens stark beeinflußte, da türmten sich die Fragen, die nur durch gründliche Untersuchungen an Ort und Stelle gelöst werden konnten. Dann kam der Krieg, der alle diese Bestrebungen mit einem Male abbrach. Was vorher schon geschehen war, war gering und dazu noch sehr unmethodisch gewesen. Und es war zum Teil von nur theologisch-interessierten Kreisen ausgegangen, denen das gefundene Material nur willkommene Illustration zur Bibel war. Keine innere Notwendigkeit trieb die historische Wissenschaft zu diesen Ausgrabungen. Etwa mit dem Jahre 1926 begann dann auf diesem Gebiete eine neue Ära für Palästina, die heute noch nicht beendet ist. Verschiedene kapitalkräftige Gesellschaften, besonders Engländer und Amerikaner, gaben den finanziellen Rückhalt. Und man ging jene Schutthügel (Tel) an, die von vornherein durch ihre Bezeugung in den historischen Quellen wichtige Resultate versprachen. Näheres über die Art der Ausgrabungen, das Aussehen der Siedlungen, die oft in vielen Schichten übereinander gelagert sind, kann ich in diesem Rahmen nicht ausführen. Ich beschränke mich nur auf Aufzählung einiger besonders wichtiger Orte. An der Stelle, wo die Ebene Jesreel sich zur Jordanspalte senkt, liegt die alte Stadt Bet-schean (Beisan). Ein wenig abseits vom heutigen arabischen Ort. Die Überreste aus griechisch-römischer, der letzten bedeutenden Ansiedlung hier, lagen immer unter freiem Himmel: Amphitheater, Hippodrom, Säulenstraßen und hoch oben auf der Höhe des Stadthügels der griechische Tempel. Die Ausgrabungen unter diesem ergaben, daß Bet-schean zur Zeit der Einwanderung der Israeliten und lange vorher eine ägyptische Grenzfestung war. Drei ägyptische Tempel aus verschiedenen Epochen ließen sich übereinander nachweisen. Und u. a. fand man eine Siegesinschrift des Pharaoh Bethos, in der er unter den besiegten Völkerschaften auch einen Namen von Hebräern nennt. Dabei ist hier erst der Anfang