Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 16 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Das Jüdische Echo Nr. 16 sein, d. h. sparsam geführt, unter Vermeidung unnötiger Ausgaben, unter Ausnutzung aller wirtschaftlichen Gegebenheiten. Aber produktive Wohlfahrtsunternehmungen können nie rentabel sein, wenn Rentabilität Selbsterhaltung des Betriebes oder gar Überschuß bedeutet. Als Wohlfahrtseinrichtungen sind sie den Zwecken der Fürsorge gewidmet und damit dem Kriterium der Rentabilität entrückt. . Zu einer der wichtigsten produktiven Einrichtungen, die der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit von Strafentlassenen und Erwerbsbeschränkten dienen, gehört die jüdische Arbeiterkolonie. Sie ist die einzige Einrichtung, die es ermöglichen könnte, eine größere Anzahl jüdischer Erwerbsbeschränkter zu geregelter Arbeit zurückzuführen, sie in ihrer Arbeitswilligkeit zu kräftigen und ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Die Probleme der jüdischen Arbeitslosigkeit bedürfen zweifellos nach mancher Richtung hin auch einer theoretischen Klärung. Diese kann aber nur dann von Nutzen sein, wenn durch sie die praktischen Arbeitsmöglichkeiten gefördert, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Verdrängung der Juden vom Arbeitsmarkt verstärkt werden. Abschluß der Münchener Keren- Hajessod-Aktion Am 26. April findet die zweite große Veranstaltung des Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) in diesem Winter statt. Herr Dr. Martin Buber wird über „Ein Land und ein Werk“ sprechen. Diese zweite Veranstaltung des Keren Hajessod soll, da die finanzielle Aktion dieses Jahres schon abgeschlossen ist, ausschließlich der Information der Münchener Freunde des Palästinawerks und der breiten Öffentlichkeit dienen. Zu diesem Abend hat das Präsidium des deutschen Keren Hajessod und ein Münchener vorbereitendes Komitee eingeladen. Diesem Komitee gehören die Herren Carl Adler, Rabbiner Dr. Leo B a e r w a 1 d , Julius Basch, Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, Justizrat Dr. Elias Straus und Generaldirektor S. Weiß an. Wie wir von informierter Stelle erfahren, besteht die Wahrscheinlichkeit, daß an dieser Veranstaltung auch der Präsident des deutschen Keren Hajessod, Herr Direktor Oskar Wassermann, teilnehmen wird. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht angebracht, einiges über die Entwicklung der Keren- Hajessod-Arbeit zu berichten. Der deutsche Keren Hajessod hat soeben eine Aufstellung über die Arbeit der ersten fünf Monate des jüdischen Jahres veröffentlicht. Aus diesem Bericht ersieht man, daß Deutschland unter allen europäischen Ländern in bezug auf die Einnahmen des Keren Hajessod an erster Stelle steht. Auch ist cs dank der außerordentlich intensiven Arbeit und der Anwesenheit des Herrn Prof. Dr. Weizmann gelungen, gegenüber dem Voranschlag des Budgets die Eingänge um 30,6 Prozent zu erhöhen. Diese erfreuliche Entwicklung des Keren Hajessod soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Keren Hajessod in Deutschland noch weit davon entfernt ist, diejenige Stellung einzunehmen, die seinem Ziele und der Größe der an ihn gestellten Anforderungen entspricht. Es gibt noch viele Kreise, die vom großen Gedanken des Palästinaaulbaus noch nicht genügend durchdrungen sind, und es ist Aufgabe aller Freunde des Aufbauwerkes, durch intensive Arbeit weitere Kreise der deutschen Judenheit für den Keren Hajessod zu interessieren. Fürther Gemeindewahlen Da man seitens der Kultusgemeinde den Fürther Ostjuden das aktive und passive Wahlrecht vorenthalten hatte, kam es in diesem Jahre zum ersten Male seit Menschengedenken in Fürth zu einer Wahl. Der orthodox-liberalen Einheitspartei (welch unnatürliches Bündnis!) trat die „Jüdische Volkspartei“ gegenüber. Sie hatte eine schwierige Position, da der von ihr an erster Stelle aufgestellte Kandidat in der einberufenen Wahlversammlung, zu der Freunde und Gegner eingeladen waren, gegen viele Punkte des in einem Flugblatt veröffentlichten Programms Stellung nahm. Trotzdem gelang es ihr, ein Mandat zu erkämpfen. In der Wahlversammlung wurden einmal die Fürther Gemeindeverhältnisse in aller Öffentlichkeit gründlich klargelegt. Als erster Referent sprach Herr Dr. N u ß b a u m (Nürnberg) über den Anspruch der Ostjuden auf das Wahlrecht. Hierauf stellte sich Herr Rechtsanwalt Dr. Herzstein (Fürth) als Nichtzionist, liberaler Jude und Mitglied des Centralvereins vor, der trotzdem für die Jüdische Volkspartei eintrete, da es für ihn als Demokraten selbstverständlich sei, daß alle Juden und alle Richtungen des Judentums in der Kultusgemeinde vertreten seien. Als erster Diskussionsredner beteuerte ausgerechnet Herr Meier Königshöfer seine Sympathie für das Wahlrecht der Ostjuden. (Diese scheinen sich in den letzten Jahren sehr zu ihrem Vorteil verändert zu haben.) Seine Ausführungen über die Zubilligung eines Mandats für die Ostjuden durch den Verein „Schaumre Hadaß“ wurden durch Herrn Blücher widerlegt. Hierauf hielt Herr Dr. Bamberger (Nürnberg) scharfe Abrechnung. Fürth sei schon von jeher eine Zuwanderungsgemeinde gewesen. Die Zugewanderten seien aber — man sehe es ja — gute Fürther geworden. Ihren Ruf verdanke die Fürther Gemeinde hauptsächlich ostjüdischen Gelehrten, die früher hier gewirkt haben. Die Orthodoxen hätten keinen Beweis dafür erbracht, daß ihnen das Wahlrecht der Ostjuden sehr am Herzen liege. Auf einen diesbezüglich an sie gerichteten Brief hätten sie überhaupt nicht geantwortet. In der Mißachtung und Gleichgültigkeit gegenüber den Ostjuden seien sich Orthodoxe und Liberale gleich. Erstere seien auf alle Forderungen der Liberalen eingegangen. Sogar ihren Vorschlag auf Verstaatlichung der Schule hätten sie auf Druck von liberaler Seite zurück- Die idealen DER NEUE FORD 8/28 od.13/40 PS bei gleichen Preisen Große Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bergsteigfähigkeit, wunderbare Präzisionsarbeit und Linienführung Fahrzeuge STEPPACHER & CO. von Weltruf LINCOLN 23/100 LOCOMOBILE 16/70 Die berühmten 8 Cylinder der Welt Einzige autoris. „Ford“-Vertretung Barer Str.30 (beim Obelisk),Tel. 57 460