Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 16 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 245 den, wie sie sich gerade in den letzten Monaten in immer größerem Umfange bemerkbar macht. Eine der entscheidenden Ursachen, die die Gründung selbständiger jüdischer Arbeitsnachweise bewirkt haben, einer der wichtigsten Rechtfertigungsgründe ihrer Existenz überhaupt, ist die Beschaffung sabbatfreier Arbeitsstellen für alle jüdischen Menschen, die darauf Wert legen, ihrer religiösen Überzeugung nach den Sabbat durch Arbeitsruhe zu heiligen. In diesem Sinne ist die gesamte jüdische Arbeitsnachweisbewegung ein Instrument zur Heiligung des Sabbats im besten Sinne des Wortes. Es bedeutet daher eine außerordentliche Schwächung der jüdischen Gesamtarbeitsnachweisbewegung, wenn nunmehr von verschiedenen Seiten mit besonderem Hinweis auf die Heiligung des Sabbats Arbeitsnachweise begründet werden, die nun ihrerseits ebenfalls an den jüdischen Arbeitgeber herantreten und bei ihm um sabbatfreie Stellen werben. Angesichts der bereits oben erwähnten Schwierigkeiten, denen der jüdische Arbeitsnachweis gegenübersteht, stehen wir schon jetzt in einigen Fällen vor der geradezu grotesken Erscheinung, daß in kleinen Gemeinden zwei jüdische Arbeitsnachweise nebeneinander wirken und beide um sabbatfreie Stellen werben. Sowohl für den jüdischen Arbeitnehmer als auch für den jüdischen Arbeitgeber entstehen aus dieser Situation, Schwierigkeiten, auf die schon Jetzt hingewiesen werden muß. Die Organisation der allgemeinen jüdischen Arbeitsnachweisbewegung ist eine derartig elastische, daß sie jedem Kreise und jeder Anschauung die Möglichkeit der Mitarbeit bietet. Sie ist, was nicht oft und nachdrücklich genug versichert werden kann, in erster Linie darauf bedacht, jenen jüdischen Arbeitnehmern zu Stellen zu verhelfen, die auf Heiligung des Sabbats besonderen Wert legen. Die Schaffung eigener sabbattreuer Arbeitsnachweise bedeutet eine Zersplitterung der Arbeit, eine Schädigung der gegebenen und begrenzten Möglichkeiten, eine Vergeudung von Geldmitteln und Kräften, Kräften, die sich in gemeinsamer Arbeit sowohl für die Sabbatheiligung als auch in der Bekämpfung der jüdischen Arbeitslosigkeit überhaupt viel besser auswirken können. Neben diesen besonderen Schwierigkeiten unserer jüdischen Situation hat der jüdische Arbeitsnachweis mit Erschwernissen zu ringen, die keine typisch jüdischen sind, sondern die auch jeden anderen Arbeitsnachweis vor entscheidende Aufgaben stellen. Die eigenartige Wirtschaftsstruktur der Juden aber, insbesondere die Überbesetzung der Kaufmannsschichten, bedeuten eine Steigerung der allgemeinen, auch sonst feststellbaren Notstände. Die Tragödie der älteren Angestellten insbesondere — und dies sind schon sehr oft Personen, die kaum das fünfunddreißigste Lebensjahr überschritten haben — ist für den jüdischen Arbeitsnachweis eine besondere und schwierige Eigenaufgabe, denn bei der großen Zahl jüdischer Handelsangestellter bedeuten die älteren Angestellten eine besondere Belastung des jüdischen Arbeitsnachweises. Jeder Arbeitsnachweis ist mit Für Wind und Wetter auf der Straße und im Äuto der hochmoderne Trenchcoat für Damen und Herren 36.- 56.- 68.- im führenden Fachgeschäft für wasserdichte BEKLEIDUNG Sporthaus Schuster München, Rosenstraße 6 i derartigen älteren Angestellten, die in der freien Wirtschaft kaum noch unterzubringen sind, belastet. Versuche einer Berufsumschichtung oder Versuche zur Verselbständigung sind zwar in Einzelfällen von Erfolg begleitet, es fehlen aber die Kräfte und Geldmittel, um derartige Versuche zu groß angelegten Aktionen auszugestalten. Ähnlich ist die Lage der jüdischen Strafentlassenen, der Erwerbsbeschränkten, der Wanderer. Sie alle stellen die Zahl jener Elemente dar, die die Warteräume der Arbeitsnachweise bevölkern, ohne daß diese in der Lage sind, ihnen in irgendeiner Weise dauernd und durchgreifend zu helfen. Wenn hier der Versuch einer sinnvollen Hilfeleistung gemacht werden soll — und daß dieser Versuch gemacht werden muß, steht außer Zweifel —, so kann dies nur durch Notstandsarbeiten und produktive Einrichtungen der Gemeinden geschehen. Es bedeutet für diese aus der Wirtschaft gestoßenen Menschen schon eine wesentliche Erleichterung ihrer Lage, wenn sie auch nur in vorübergehenden Perioden von zwei bis drei Monaten arbeiten können, wodurch ihre Arbeitskraft erhalten und ihr Selbstbewußtsein in einem gewissen Umfange gestärkt wird. Aus dem Empfang der" Fürsorgeunterstützung ist eine Arbeitsleistung geworden. Es darf allerdings nicht dazu kommen, daß die produktiven Einrichtungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die insbesondere den oben erwähnten, in ihrer Vermittlungsfähigkeit beschränkten Kategorien zugute kommen sollen, sich zu wirtschaftlichen Unternehmungen entwikkeln, die nach dem Gesichtspunkt der Rentabilität ihre Arbeitskräfte einstellen oder entlassen. Es darf auch nicht dazu kommen, daß derartige Einrichtungen im Laufe der Zeit sich wohl einen festen Stamm von Arbeitern erziehen, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in größerem Umfange aber nicht mehr beitragen. Aus den Erfahrungen, die bisher mit jüdischen Notstandsunternehmungen, namentlich in Berlin, gemacht wurden, muß auf diese Tatsache besonders hingewiesen werden. Dieser Tatbestand ist das Ergebnis der Verwechslung der Begriffe „Wirtschaftlichkeit“ und „Rentabilität“. Wohl sollen produktive Notstandsunternehmungen wirtschaftlich geleitet Adelholzener Primusquelle Hervorrag. Heilwasser bei Nieren-, Leberu. 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