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Das jüdische Echo · 1928-04-20 · 16 (20.4.1928) · p. Seite 244

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
16 (20.4.1928)
Date
1928-04-20
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 Das Jüdische Echo Nr. 16 Es ist gut, sich über diese Sachlage klar zu sein und keine Vogel-Strauß-Politik zu treiben. Man kann als ein im Leben stehender Jude nicht als der Weisheit Gipfel die Tatsache betrachten, daß das Vorhandensein eines jüdischen Problemes gerade von den Parteien negiert wird, die den größten Teil der jüdischen Stimmen gewinnen werden. Unter den gegebenen Verhältnissen muß man sich damit bescheiden, wenn einzelne Parteien auf Grund ihrer Prinzipien den Willen kundgeben, den Juden gleiches Recht angedeihen zu lassen, ln Wirklichkeit müßte eine tatsächlich ehrlich fortschrittliche und für das Wohl aller Schichten und aller Gemeinschaften besorgte Partei den Mut haben, vorhandene Bedürfnisse jeder Gruppe, auch der jüdischen, zu berücksichtigen, sofern die Erfüllung dieser Bedürfnisse mit den allgemeinen Staatsinteressen nicht kollidiert. Doch davon sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt. Als Juden müssen wir uns zufrieden geben, wenn uns von Staats wegen kein Unrecht geschieht. Auf die Erfüllung aller berechtigten Ansprüche müssen wir notgedrungen verzichten. W. Probleme jüdischer Arbeitslosigkeit* Die Fragen der jüdischen Arbeitslosigkeit rükken erfreulicherweise immer mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Die verschiedensten Institutionen bringen den Problemen der Verdrängung jüdischer Arbeitskraft aus der allgemeinen Wirtschaft immer größeres Interesse entgegen. Es finden Konferenzen statt, Kommissionen werden gewählt, und Erhebungen sollen angestellt werden. So wichtig die rhethorische und schriftliche Auseinandersetzung mit den in Frage stehenden Problemen auch sein mag, so notwendig auch Erhebungen zur gegenwärtigen Wirtschaftssituation der Juden und zur Feststellung der Erscheinungen sind, die die Verdrängung vom Arbeitsmarkt zu einer Massenerscheinung werden lassen, sie alle können die momentane Not der jüdischen Arbeitslosigkeit nicht lindern. Die einzige Institution aber, die zur Linderung auch der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Arbeitnehmern berufen ist, und die unentwegt diese Aufgabe erfüllt, führt einen schwe- Aus der von der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge in Gemeinschaft mit dem Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands und der Vereinigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise herausgegebenen Zeitschrift: Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge, Jahrg. 1, Heft 10. ren Kampf um ihre Existenz. Der jüdische Arbeitsnachweis, zweifellos heute die wichtigste Waffe im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit unter den Juden, hat immer noch nicht jene Bedeutung im Leben der Gemeinden und der jüdischen Gemeinschaft erlangt, die ihm im gegenwärtigen Moment und in der Zukunft zukommt. Die wenigen leistungsfähigen Arbeitsnachweise, die bereits bestehen, kämpfen um ihre Existenz. Finanziell nicht gesichert, von den jüdischen Organisationen und Gemeinden wenig beachtet, sind sie zumeist in ihrer Existenz von der Arbeitsleistung einer kleinen Gruppe von Menschen abhängig, die die Bedeutung der Arbeitsnachweise für die jüdische Gemeinschaft erkannt haben und mit all ihren Kräften für die Erhaltung und den Ausbau dieser Einrichtungen wirken. Während ein Teil der Arbeitsnachweise, die anerkannt gute und nützliche Arbeit leisten, schwer um ihre Existenz ringen müssen, sind die Schwierigkeiten, die der Gründung von neuen Arbeitsnachweisen, selbst in den Großgemeinden, entgegenstehen, fast unüberwindlich. Die Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise, die als Zusammenschluß sämtlicher jüdischer Arbeitsnachweise des Reiches die Aufgabe hat, Stellenausgleich und -austausch der Arbeitsnachweise zu gründen, hat ebenfalls mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die jüdische Arbeitslosigkeit ist keine lokale Erscheinung; sie erstreckt sich über das ganze Reich, alle Gemeinden sind von ihr betroffen und empfinden sie als eine empfindliche Belastung der örtlichen Wohlfahrtspflege. Linderung der Arbeitslosigkeit durch unmittelbare Beschaffung von Arbeitsgelegenheit ist in den kleinen Gemeinden kaum möglich. Eine breitere Basis der Hilfsmöglichkeit ist den Kleingemeinden sicher dadurch gegeben, daß mehrere Gemeinden eines Kreises oder einer Provinz sich zusammenschließen und gemeinsam einen Arbeitsnachweis begründen. Nur dann, wenn im ganzen Reich ein Netz von gut ausgebauten Arbeitsnachweisen vorhanden ist, ist der Zentralstelle durchgreifende Arbeitsleistung ermöglicht, können durch überörtliche Vermittlung und Austausch der Stellen eine größere Anzahl von Arbeitslosen außerhalb ihrer Heimatsgemeinde wieder in Arbeit gebracht werden. Wenn also der Versuch einer Vereinheitlichung des gesamten jüdischen Arbeitsnachweiswesens Erfolg haben soll, so ist zunächst die Gründung jüdischer Arbeitsnachweise bei den Großgemeinden eine der dringendsten Aufgaben. Dabei kann aber nicht nachdrücklich genug vor einer Zersplitterung des Arbeitsnachweiswesens gewarnt wer- AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,M2/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold f K o m m. - G e s. ^Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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