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Das jüdische Echo · 1928-04-13 · 15 (13.4.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
15 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 Das Jüdische Echo?29 Bestechung. Gewiß widersprechen die Zuwendungen an den Oberfinanzrat Hellwig oder die Kredite an den Zentrumsminister Höfle der guten Sitte, die gerade auch von jüdischen Kaufleuten mit Recht so hoch gehalten wird. Aber man muß doch sagen, daß, gemessen an der 648 Druckseiten betragenden Anklage, sehr wenig übriggeblieben ist. Die Verurteilung wegen Bestechung einiger Beamten der Staatsbank, die nicht einmal daraufhin unlautere Handlungen vorgenommen haben, und die eines Ministers, der sich nicht mehr verteidigen kann, weil er tot ist, das steht doch in einem starken Mißverhältnis zu der ganzen Aufmachung, mit der man den Prozeß ursprünglich begonnen hat. Wäre das Urteil so ausgefallen, daß nach unserer Meinung den Angeklagten aus politischen Gründen unrecht geschehen wäre, so hätten wir dagegen protestiert. Darüber, daß man sie wegen nachgewiesener strafbarer Handlung verurteilt, ist natürlich kein Wort zu verlieren. Wir haben selbstverständlich nicht die Absicht, Juden deshalb zu schützen, nur weil sie Juden sind. Hätte sich anderseits ergeben, daß die Barmats wirklich jene grandiosen Betrüger und Schädlinge waren, als die man sie ursprünglich hingestellt hat, so hätten wir das schmerzlich bedauert, aber uns nicht geschämt. Denn wir lehnen grundsätzlich jene häufig auch von jüdischer Seite aufgestellte Forderung ab, daß der Jude mehr als seine Pflicht tun müsse. Ebenso, wie die wahre Gleichberechtigung der Juden erft dann errungen sein wird, wenn nicht nur der Überdurchschnittliches leistende Jude eine Stellung etwa in Staatsdiensten erhält, sondern auch der, der nur dem nichtjüdischen Mitbewerber gleichwertig ist, ebensowenig kann von den Juden verlangt werden, daß der Prozentsatz von Unsittlichen oder von Verbrechern bei ihnen geringer ist als bei anderen Gruppen. Als Juden können wir uns an solchen Tatsachen freuen, als innerjüdische Forderung können wir sie vertreten, dem Nichtjuden gegenüber aber verlangen wir mit dem gleichen Maße gemessen zu werden wie jeder andere. Gemessen an der Anklage sind die Verfehlungen der Barmats gering. Sie werden noch geringer, wenn man berücksichtigt, daß sie aus der Inflationszeit stammen, unter deren anormalen Verhältnissen die Formen des Geschäftslebens gelockert und verwildert waren. Daß es sich nicht um spezifische Verfehlungen von Juden handelt, ist klar. Das kann gerade in einer Zeit nicht behauptet werden, in der jeder Tag neue Meldungen über das Gebaren der Einkaufsabteilung der Reichsbahn oder über die Lohmannaffäre im Reichswehrministerium bringt, beides Institutionen, die sicher von jüdischem Einfluß so frei wie irgend möglich sind. Und es handelt sich auch nicht *um ein Überhandnehmen des „jüdischen Einflusses“ in der Republik; gerade in diesen Tagen wird bekannt, daß der „Berliner Lokalanzeiger“ seinerzeit aus dem Scherlverlag mit Staatsgeldern gekauft wurde, die auf Verfügung eines konservativen königlich preußischen Ministers von der preußischen Seehandlung zur Verfügung gestellt waren. Auch der Barmat-Prozeß hat also keine Anhaltspunkte für die Legende von der jüdischen Finanzherrschaft geliefert, und doch trug er den Stempel einer jüdischen Angelegenheit. Zwei Momente machen ihn dazu. Das sind die politischen Hintergründe. Wollte man republikanische Minister bloßstellen, so war es unter dem Gesichtspunkte reaktionärer Wahlpropaganda besonders zweckmäßig zu behaupten, daß sie sich nicht nur bestechen ließen, sondern auch, daß es sich dabei um einen Juden, Ausländer und Ostjuden handle. Deswegen wurde gerade der Prozeß Barmat so groß aufgezogen. In der vorigen Woche fand auf Antrag der preußischen Staatsbank in Berlin die Zwangsversteigerung von Grundstücken einer „Terrain-A.-G. Müllerstraße“ statt. Dabei ergab sich, wie Berliner Blätter melden, daß fast zu gleicher Zeit mit Barmat ein gewisser Haberfeld am 25. August 1924 1 600 000 Mark Kredite von der gleichen preußischen Staatsbank erhalten hat, nachdem er am 15. August hatte den Offenbarungseid leisten müssen. Leichtfertiger sind wohl nie Kredite von einem staatlichen Institut gegeben worden. Aber davon erfährt man nur durch Zufall und gelegentlich. Julius Barmat hat dieses spezifisch antisemitische Moment dieses Prozesses deutlich gefühlt, wenn er in seinem Schlußwort unter anderem ausführte: Es hat sich nicht um einen gewöhnlichen Prozeß, sondern um eine Wahlpropaganda gehandelt. Für ihn selbst sei das Verfahren ein Rätsel gewesen, über das er sich erst nach der Besprechung mit Assessor Kußmann klar geworden sei, der von ihm die Korrespondenz mit Ebert und Scheidemann verlangt habe. „Weil ich kein Provokateur bin, ist der Prozeß Barmat entstanden. Deshalb habe ich 39 Monate unter dem Druck eines Haftbefehls gestanden, fünf Monate in Haft gesessen, zwei Jahre Grenzsperre und ein Jahr täglich polizeiliche Meldung erdulden müssen, hauptsächlich, weil ich Jude bin.“ Noch ein Zweites hängt mit dem Judentum zusammen. In der Inflationszeit konnte jeder ein gewaltiges Vermögen zusammenraffen, der von einer Staatsbank Papiermarkkredite bekam. Er brauchte sie nur in Sachwerten anzulegen und genügend1 lange zu warten, einmal mußte auch das größte Vermögen sich auf den Kaufpreis einer Zigarette reduziert haben. So erfolgte die Ausräubung des deutschen Mittelstandes zugunsten einer bestimmten Schicht, so baute Stinnes seinen Konzern auf, so machte sich Hilgenberg zum Herren eines Teiles der deutschen Presse. Aber solche Männer wurden nicht als Schieber gebrandmarkt, sondern als nationale Heroen vergöttert. Sie hatten es auch nicht nötig, Beamte zu bestechen, denn sie gehörten der gleichen Gesellschaftsschicht an, wie die, die über staatliche Gelder zu verfügen hatten. Sie hatten überall Beziehungen und ihnen fiel dieses Inflationsspiel leicht. Der ostjüdische Außenseiter, der dieses Spiel mitspielen wollte, mußte sich diese Beziehungen erst verschaffen und na-- Adelholzener Primusquelle Hervorrag. Heilwasser bei Nieren-, Leberu. Blasenleiden Stärkste Rubidiumquelle Europas sehr geeignet zu Hauskuren. B e- ^1.4..^ Da r,Virrm\7'1" aPProbierter Apotheker kömmliches Tafelwasser. 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