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Das jüdische Echo · 1928-04-13 · 15 (13.4.1928) · p. Seite 228

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
15 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
Seite 228 (sequence 2)
Language
German
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228 Das Jüdische Echo Nr. 15 scheiden. Es ist unmöglich, sich mit einem Manne auseinanderzusetzen, der in jüdischen Dingen so völlig ahnungslos ist, daß er die Misrachisten (man denke: die Misrachisten!) für Kommunisten hält, der anstatt von seinen Erlebnissen in Palästina, von seiner Berührung mit dortigen Juden zu berichten, worauf man gespannt ist und was man ihm in jedem Falle danken würde, ganze Spalten aus einer Tendenzschrift zitiert. Schlund hält es schließlich für nötig, den bekannten pessimistischen Artikel des „Daily Express“ und das Urteil Wieners anzuführen: objektiv wäre es gewesen, wenn er auch auf andere Stimmen hingewiesen hätte, z. B. darauf, daß inzwischen Sir Alfred Mond der bedeutende englische Wirtschaftsführer und Politiker, nach längerem Aufenthalt im Lande zu ganz anderen Anschauungen über die Aussichten Palästinas gekommen ist. Und gerade jetzt kann die zionistische Exekutive mitteilen, daß die Arbeitslosenunterstützung am 23. April vollständig eingestellt werden kann, ein Beweis dafür, daß die Krise, von der Schlund sich in seinem Urteil bestimmen läßt, tatsächlich eine vorübergehende Erscheinung war. Ein Wort noch über die unglaubliche Begriffsverwirrung, die Schlund sich zuschulden kommen läßt, wenn er seinen Artikel „Der Judenstaat in Palästina“ überschreibt, um dann selbst darzulegen, daß ein jüdischer Nationalstaat in Palästina nicht vorhanden, von den Engländern nicht versprochen, ja nicht einmal von den Zionisten heute verlangt wird; worauf er wieder lustig vom „Judenstaat“ spricht, pabei ist in allen Dokumenten nur die Rede von einem „Jüdischen Nationalheim“. Es scheint Schlund nicht bekannt zu sein, daß das Baseler Programm der zionistischen Weltorganisation auch nur „Die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina“ erstrebt; wenn er dies gewußt hätte, so könnte er doch wohl nicht anders, als zugeben, daß ein solches Nationalheim, sowohl rechtlich als tatsächlich, durchaus möglich ist und mehr als das, schon existiert. Ob daraus ein gemischtnationaler Staat nach Art der Schweiz, ob ein im wesentlich jüdischnationaler Staat hervorgehen wird, das sind Fragen, die freilich außerordentlich wichtig sind, heute aber endgültig noch nicht beantwortet werden können; die bisherigen Leistungen der Juden in Palästina lassen jedenfalls durchaus noch alle Möglichkeiten offen. Daß dabei mit Jahrzehnten gerechnet werden muß, ist allen Beteiligten, besonders auch den Zionisten, bekannt. Es ist zweifellos sehr erfreulich, daß die „Münchner Neuesten Nachrichten“ ihre Leserschaft über die gegenwärtige Stellung und die zukünftigen Aussichten der Juden in Palästina zu informieren beabsichtigten: weniger erfreulich, daß sie diese Aufgabe einem Manne anvertrauten, der offensichtlich selbst noch über elementare Tatsachen aufgeklärt werden müßte, und sehr bedauerlich, daß auf diese Weise ein ganz falsches Bild der jüdischen Situation in Palästina verbreitet wurde. I. E. Zum Hbschluß des Barmat« Prozesses Gerade vor der Auflösung des Reichstages wurde das Urteil im Prozeß Barmat verkündet, in jenem Verfahren, mit dessen Hilfe die reaktionären Parteien in Deutschland bereits ihre Propaganda bei den Reichspräsidentenwahien des Jahres 1925 bestritten hatten. Jedes deutsche Blatt hat in diesen Tagen einiges Statistische aus diesem Prozeß mitgeteilt. 198 Verhandlungstage haben Schöffen, Richter, Staatsanwälte, Verteidiger, Zeugen und 50 Sachverständige versammelt gesehen. Die Verteidiger traten 17 in der Zahl an. 60 Gutachten wurden erstattet, 400 Zeugen wurden vernommen, 1070 Aktenbände wurden vollgeschrieben, und 3000 Protokolle sind angefertigt worden. Auf 648 Druckseiten, die in zwei Bänden vereinigt werden mußten, haben eifrige Staatsanwälte die Anklagepunkte wohldurchdacht auseinandergesetzt. Dieser Prozeß, dessen Verhandlungen allein vom 11. Januar 1927 bis zum 30. März 1928 dauerten, ist ein Monstreprozeß, wie man ihn kaum je gesehen hat. Die politischen Hintergründe sind bekannt, die gemeinsame Arbeit deutschnationaler Propagandastellen mit deutschnationalen Staatsanwälten wurde schon vor Jahren aufgedeckt und kein Mensch zweifelt mehr daran, daß man diesen Prozeß absichtlich in so sensationeller Form aufgemacht hat — erinnert sei nur an die Verhaftung in Schwanenwerder mit Autos, Flugzeugen und allem Komfort der Neuzeit — um politischen Zwecken bestimmter Gruppen zu dienen. Lange haben wir geglaubt, daß die Situation für den Angeklagten dadurch besonders gefährlich werden würde. Für jeden deutschnationalen Justizbeamten war die Gefahr, durch den politischen Zweck des Prozesses beeinflußt zu werden, ungeheuer groß. Es ist außerordentlich erfreulich, daß diese Gefahr überwunden wurde. Das jetzt verkündete Urteil ist ohne Voreingenommenheit gefällt. Das Gericht hat festgestellt, daß die Barmat und ihre Angestellten von der Anklage wegen Betruges freizusprechen sind. Verurteilt sind sie wegen Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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