Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 13/14 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- Seite 216 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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216 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 13 Juda und Israel. Die Sagen der Juden. Gesammelt von Micha Josef ben Gorion. Übersetzt und herausgegeben von Rahel und Emanuel bin Gorion, Rütten & Loening, Frankfurt a. M. Es ist eine wissenschaftliche Arbeit ersten Ranges, die mit der Herausgabe dieses fünften und letzten Bandes der Sammlung: „Die Sagen der Juden“ vom Verlag und Herausgeber zum Abschluß gebracht wurde — Micha Josef bin Gorion hat diese Vollendung seines Werkes nicht mehr erleben dürfen —, die in dem umfangreichen jüdischen Schrifttum zerstreuten Sagen zum Stoffkreis der Bibel liegen nunmehr nahezu vollständig systematisch-stofflich gegliedert in deutscher Sprache vor. Was aber diese Bände zu geben haben, das geht weit über den Wert einer wissenschaftlichen, d. h. zunächst für Wissenschaftler und wissenschaftliche Arbeit bestimmten Publikation hinaus: sie eröffnen jedem den Zugang zu einer den meisten bisher verschlossenen zauberhaften jüdischen Welt. Der fünfte Band „Juda und Israel“, paraphrasiert die jüdische Geschichte von der Eroberung des Landes Kanaan bis zum Fall des Salomonischen Tempels und der babylonischen Verbannung. Was die quellende jüdische Mythe zur Vergegenständlichung und Verdeutlichung der historischen Gestalten hervorgebracht, mit welcher Liebe sie die Bedeutung einzelner Personen festgehalten hat, mit welcher Schönheit und Tiefe zahlreiche Bibelstellen ausgelegt sind, davon gewinnt man nur bei wiederholter Lektüre dieses Werkes eine zureichende Vorstellung. In der Erzählung vom Untergang Jerusalems und den ihm vorausgehenden und folgenden tragischen Episoden erreicht diese volkstümliche, kräftige Darstellung einen erschütternden Höhepunkt. Man braucht, um diesen in deutscher Sprache neugewonnenen nationalen Sagenschatz der Juden zu charakterisieren, keinen Vergleich zu scheuen: an Reichtum und Fülle der Gestalten, an wundersamem Detail der Charakterisierung steht er weder dem des klassischen Altertums noch etwa dem des deutschen Nibelungenkreises nach. Wann wird man ihn für die jüdische Erziehung auswerten können? H. Z. Anthologie jüngster Prosa. J. M. Spaeth, Verlag, Berlin. Die Herausgeber dieser Sammlung jüngster Prosa, selbst drei noch nicht völlig durchgedrungene und anerkannte Schriftsteller, ErichEberinayer, Klaus Mann, Hans Rosenkranz, wollten mit dieser Auswahl von dreizehn aus über tausend eingereichten Stücken, wie sie im Vorwort schreiben, einen Überblick geben über die dichterischen Kräfte der jungen Generation auf dem Gebiete der Prosa; sie wollten in dem Wissen, daß es für junge Dichter heute unendlich schwierig ist, Resonanz zu finden, aufstrebenden Gestaltern ernstes Gehör und. ein Podium verschaffen, von dem aus ihnen eine Weiterarbeit möglich sein solle. Es wäre reizvoll, die einzelnen Novellen stofflich, nach Stil und Gestaltungskraft zu analysieren, die literarische Herkunft der verschiedenen Verfasser aufzuspüren und dies alles zu einer Prognose, nicht so sehr des einzelnen, als eben der deutschen Prosa zu verdichten — wenn einmal vorausgesetzt werden darf, daß es den Herausgebern gelungen sei, die stärksten Talente der deutschen Jugend in ihrem Buche zu sammeln; dazu ist hier nicht der Ort; wenn an dieser Stelle darauf hingewiesen wird, so geschieht es, weil einmal in der Tat hier neue Kräfte am Werke sind und dann, weil in der Schar der Dreizehn auch ein den Lesern dieses Blattes schon Bekannter sich findet: Manfred Sturmann ist mit einer Novelle: Abschied von Europa vertreten, die in eindringlicher und starker dichterischer Vision von dem letzten europäischen Erlebnis eines nach Palästina übersiedelnden Chaluz berichtet. Was dieser Europamüde da in Breslau erfährt, ist ja nun recht kompliziert und muß für sein weiteres Geschick in Palästina manche Befürchtung erwecken; in der stilistisch ausgezeichneten Darstellung dieser Komplikationen des jüdischen Daseins aber dokumentiert sich der starke Wille zur Lebensgestaltung, der der jüdischen Renaissance eignet und so ist hier, wenn man manches vielleicht nur konstruierte außer acht läßt, wirklich jüdisches Schicksal und jüdisches Sein dichterisch erfaßt; es ist unsere Angelegenheit, die hier geschieht. I. E. Der Aufstieg des Hauses Rothschild. 1770—1830. Von Egon Cäsar Conte Corti. Im Inselverlag zu Leipzig. Wenngleich im Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung das anonyme Bankkapital den Privatbankier so stark zurückgedrängt hat, daß heute nur mehr dem gutorientierten Wirtschaftskenner sein noch immer starker Einfluß sichtbar wird, so hat doch auch heute noch der Name „Rothschild“ einen geradezu suggestiven Klang; er kennzeichnet auch für den Laien einen Typus in seiner reinsten Ausprägung. Und trotzdem wird erst bei der Lektüre dieser Geschichte des Aufstieges des Hauses Rothschild klar, welch ungeheure Rolle es besonders in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gespielt hat, welch geradezu unfaßbare Bedeutung es lange Zeit auf dem europäischen Kapitalmarkt als Geldgeber fast aller Staaten gehabt hat. Diese dramatische Geschichte des Wachstums einer großen Kapitalmacht aus kleinen und gedrücktesten Anfängen, unter Ausnützung der verschiedenartigsten Momente und Faktoren, den Anteil der einzelnen Männer aus dem Rothschild’schen Hause, vor allem des Begründers Meier Amschel und seiner Söhne, der fünf Frankfurter, die Verflechtung dieses einzigartigen Aufstieges mit allen wichtigen Ereignissen der Zeitgeschichte, der Einfluß von Fürsten, Diplomaten, Militärs und Abenteurern, die Vorwegnahme moderner Ideen, all dies wird in Cortis unparteiischem, wie es scheint, auf gründlichstem Aktenstudium beruhender, leicht leslicher Darstellung auch zu einem außerordent- MAGIRUSINASH IPHÄNOMEN LASTWAGEN UND OMNIBUSSE | FÜHRENDE WELTMARKE I_LIEFERWAGEN V4 t_ Auto-METZGER MÜNCHEN Seidlstr. 30, F. ...i»