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Das jüdische Echo · 1928-03-30 · 13/14 (30.3.1928) · p. Seite 214

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
13/14 (30.3.1928)
Date
1928-03-30
Page
Seite 214 (sequence 22)
Language
German
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214 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 13 ING. G. AIGNER’S PRIVATE KRAFTFAHRKURSE gegründet 1913 QabeUbergerslr. 62 I Telephon 51314 Straßenbahnhaltestelle:Kreuzung Augusten-Gabelsbergerstraße der Linien 2, 7, 17; — garantieren als alteingeführtes Unternehmen mit besten Referenzen für vollkommene Qualitäts-Ausbildung als daß er sich der Fallen bewußt wäre, die ihm gestellt werden. Seine Naivität ist es schließlich, die ihn über alle Hemmnisse hinwegträgt. Er bleibt oben. — Dieses Buch ist das lichteste, das Kafka je geschrieben hat Während in den früher erschienenen Romanen „Der Prozeß“ und „Das Schloß“ ein pessimistisches Dunkel herrscht, dringt hier der Optimismus der Jugend siegreich durch. Seltsam übrigens, daß Kafkas Bücher so spannend sind, obgleich sie doch an die letzten Fragen des Lebens herangehen! Seine Sprache ist eine apollinische Musik, seine Sehnsucht, in der Gemeinsamkeit Mensch zu sein, in der Läuterung Mensch zu bleiben. — — Vielleicht ist man nach unmittelbarer Lektüre von Max Brods neuem Roman, „Die Frau, nach der man sich sehnt“ (Paul Zsolnay Verlag, Wien 1928), versucht, das Gelesene der sogenannten „leichten Kost“ zuzurechnen. Vielleicht deshalb, weil in diesem Roman viel von Jazz, Tanz und Frauen die Rede ist. Man wird das Urteil revidieren müssen, wenn nach der flüchtig hineilenden Lektüre die Gedanken ihren Anteil haben sollen. Dieser Roman ist ein Zeitroman, hat sich also mit der Zeit und den Dingen, die für sie typisch sind, zu beschäftigen, ehe er zu der Kernfrage, zu dem Problem der Zeit vorstößt. Die ganze Handlung ist eine Flucht (wie unsere Gegenwart eine Flucht ist), also von Bewegung durchtost. In diesem besonderen Fall ist es die Flucht vor dem Alltag, vor den Maßstäben. Erwin Mayredes kämpft um die absolute Liebe, um die Besinnungslosigkeit in Kontinuität. Nicht bei Dorothy, nicht bei Agnes findet er dieses „dritte Gefühl“, wie Brod es nennt, sondern bei Stascha — „der Frau, nach der man sich sehnt“. Der Zufall hat sie ihm in die Hände gespielt, er verläßt die treue Agnes, wirft Pflicht und Sorge um die Familie über den Haufen, um Stascha zu folgen, um sie zu besitzen und zu halten. Stascha ist der Mensch jenes „dritten Gefühls“, jener Leidenschaft, die nur um ihrer selbst willen da ist, die nihilistisch das Leben zerstört, Rausch, der in den Tod mündet. Mayredes scheint anfangs dieser absoluten Hingabe fähig zu sein, seine Liebe ist anscheinend stark genug, ihm das Leben zu ersetzen. Die Sache endet schlecht. Mayredes, ehemaliger Offizier', irgendwie gehalten von einer im Unbewußten noch vorhandenen Tradition, macht schließlich doch Konzessionen (die Schwester siecht hoffnungslos dahin, die Familie verarmt!) und teilt seine Gefühle, erwacht wieder. Damit verliert er diese Frau; der Rest ist nur ein vergebliches Nacheilen und der fürchterlichste Zusammenbruch.— Brods Roman ist ein Zeitspiegel von seltener Klarheit und eine erschütternde Milieuschilderung des alten Österreichs, das seine Atmosphäre von Erotik und Musik nur sehr schwer der Sachlichkeit unserer Gegenwart verbinden kann. Franz Werfels Novellenband: „Geheimn i s eines Menschen“ (Zsolnay Wien), enttäuscht ein wenig, weil die Erwartung nach seinen letzten Dramen eine besonders hohe war. Auch in diesem Werk finden wir den brausenden Durchbruch der Gegenwart in die Dichtung. Diese Novellen schrieb der Sänger Werfel sozusagen burschikos; sie sind Prosa auch dem inneren Gesicht nach. Mich dünkt, „Das Trauerhaus“ am stärksten. Dagegen verflüchten sich die psychologischen und traumhaften Phantasien einer Narkotierten in „Die Entfremdung“ ins Unwägbare. Diese Novelle ist zu labil, ist wie ein betäubender Dunst. „Geheimnis eines Menschen“ ist nur Studie ohne Pointe, „Die Hoteltreppe“ eine Miniature besonderer Feinheit, obgleich mir das Selbstmordmotiv darin nicht einleuchtet. Werfel ist in seinen letzten Dramen — ich möchte hier ausdrücklich auf „Juarez und Maximilian“ hinweisen, eines der bedeutendsten, die überhaupt in letzter Zeit geschrieben wurden (ebenfalls bei Zsolnay in Wien erschienen) — größer, in seinen Gedichten unerreicht. Diese neuen Novellen bedeuten kein Empor, wenn sie auch als Zeitstudien interessant sind. -nn. Mittelalterliche Synagogen Die durch ihre bisherigen Veröffentlichungen bereits rühmlichst bekannte „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler“ in Frankfurt a. M. hat seit ihrer Gründung durch den Düsseldorfer Museumsdirektor Heinrich Frauberger das Augenmerk der jüdischen Öffentlichkeit mit Erfolg auf die Kunst im Leben der Juden zu lenken unternommen. Ihr letztes größeres Unternehmen waren Alfred Grottes: „Deutsche, böhmische und polnische Synagogentypen vom IX. bis zum Anfang des XIX. Jahrhunderts“, die noch während des Krieges erschienen und gerade damals, als Tausende deutscher Juden die östlich von Deutschland gelegenen Ländern betraten, viele Anregungen vermittelten. Heute stellen sie für den Forscher wie den Kunstfreund außerordentlich wertvolles Material dar. Wenn nun eine neue Publikation die mit der materiellen und ideellen Hilfe der „Gesellschaft“ erscheinen konnte, nicht minder freudig begrüßt werden darf, so ist dies ohne Zweifel das Verdienst des Verfassers, Herrn Dr. Richard Krautheimer". Durch seine kunstgeschichtliche Ausbildung bei dem Hallenser Professor Dr. Paul Frankl besonders in architekturgeschichtlichen Fragen bewandert, hat er bereits mit einer Arbeit über die Bettelordens-Kirchen seine Vertrautheit mit Sonderfällen des religiösen Versammlungsbaues erwiesen. Dies zu betonen scheint von Wichtigkeit für die Beurteilung des neuen Werkes: die Synagoge, PDJDn rP3 ist nicht mehr Kultbau, wie es noch der Tempel war mit seinem Opferdienst, sondern dient der Gemeinde in einem gleichzeitig geistigeren und tatsächlicheren Sinne zur Zusammenkunft. So ist zu erklären, daß keine Systematik der Vielgestaltigkeit der Erscheinungen im Synagogenbau gerecht werden kann. Krautheimer hat dies richtig erkannt. Schon bevor die Galuth die Juden, von außen her zwang, vorhandene Bauformen zu ihren * Richard Krautheimer: Mittelalterliche Synagogen. Frankfurter Verlagsanstalt, Berlin W 15 (o. J.) (1927). (IX—X. Mitteilung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler.) In Leinen geb. RM. 19.—.

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