Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 13/14 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- Seite 211 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Das Jüdische Echo 211 kleiner Mensch, ein Zwerg, eine Fliege im Vergleich zum Rabbi! Soll ich sie ihm zurückgeben oder soll ich ihn von seinen hohen Gedanken nicht stören? Mit einem Male schrie der Rabbi. Wer hat den Aphikomon? Der Ganew ins Gehinom! Zitternd sagte ich: Mein heiliger Rabbi, ich bin nicht ein Ganew. Mit freundlichem Tone antwortete er: Ach du, Moschele! Gib mir den Aphikomon zurück und was dein Herz begehrt, sollst du haben/* — Welches Glück! ruft einer der Tischgenossen. — „Was sollte ich verlangen“, fährt Rebb Mosche fort, „in dem Augenblicke, in dem sich mir der Himmel geöffnet!“ — „Hundert Millionen.“ meint einer der Tischgenossen. — ,,lm Gan Eden neben dem Rabbi zu sitzen,“ meint der Zweite. — Einen großen Schiduch durchzuführen,“ sagt der Dritte. — „In Erez Israel zu sterben,“ behauptet der Vierte. — „Die Macht über Geister und Gespenster,“ meint der Fünfte. — Ein Sechster sagt: „Ein großer Rabbi zu werden.“ — Die Frauen aber rufen: „Den Propheten Eliahu zu sehen.“ „Auch ich,“ setzt Rebb Mosche fort, „habe Eliahu hanowi verlangt, der Rabbi aber sagte: Willst du Eliahu hanowi sehen, merke dir die Thora, die ich heute verkündet.“ Alle Anwesenden lauschen auf die Erzählung des Rebb Mosche, auch diejenigen, die sie schon oft gehört. Rebb Mosche spricht weiter: ..Auf dem Heimwege beschloß ich, niemand vom Versprechen des heiligen Rabbi zu berichten, auch meiner Frau nicht; meine gute Etel wäre böse gewesen, da ich nicht auch für sie beim Rabbi erwirkt, Eliahu zu sehen.“ Sima unterbricht: Es war auch ein Unrecht! Etel ruft dazwischen: Ich habe ihn doch gesehen! Schweigt! schweigt! sagt Rebb Mosche. Viele Jahre sind verflossen, bevor das Versprechen des Rabbi in Erfüllung gegangen. In einer Nacht ist er gekommen. Wer? Wer? fragen die Gäste. Rebb Mosche, der sich ehrfürchtig von seinem Platz erhebt, antwortet: Eliahu hanowi! Er kam, wie der Rabbi versprochen, als Soldat gekleidet. Er war ein Soldat des Königs der Könige, bemerkt einer der Gäste. Rebb Mosche erzählt weiter in Aufregung: Von einer Geschäftsreise heimgekehrt, sprach ich mit meiner guten Etel. Da öffnete sich plötzlich die Türe; auf der Schwelle stand ein jüdischer Soldat, der schreiend fragte: Wohnt hier ein Jude? (^pemausbUdung AlineSanden I Kammersängerin ■ an der Münchener Staatsoper | Ausbildung bis zur Bühnenreife Für verbildete Stimmen besonderen Privatunte nicht Anmeldung, Prospekt, Clemensstr. 92 Villa „Carmen", München, Tel. 360218 Pianino Blüthnermodernes, kreuzsaitiges, Piano mit schönem Klang, geklangschönes, tadelfreies braucht, nur 850 RM„ auch f. 1200 RM. zu verkaufen, gegen kleine Monatsraten auch gegen kleine Monatsraten Pianohaus Alfred Schmid Pianohaus Alfred Schmid Nachfolger Nachfolger München / Residenzstr. 7 München / Residenzstr. 7 gegenüber der Hauptpost gegenüber der Hauptpost Du siehst doch die Mesusa an der Türe, antwortete ich. Ach was! meinte er; in vielen Häusern mit großen Mesusoth wohnen sehr kleine Juden, und in der Kaserne, in der keine Mesusa steht, dient man auch Gott. Was willst du? fragte ich ihn. „Essen und Nachtlager, weil ich aus weiter Ferne komme.“ Aus weiter Ferne! Überall, wo Juden sind, ist auch er, meint einer der Anwesenden. Meine Etel sagte ihm, daß sie für ihn bloß Brot und Butter habe, da sie nur ein wenig Suppe und Fleisch für mich zurückgelassen. Er aber erwiderte: „Ich arbeite mehr als ihr Mann und mir kommt das bessere Essen.“ Meine gute Etel wollte ihn anschreien, hatte jedoch mit ihm Mitleid. Welches Glück! rufen die Gäste. Wasch dir die Hände, damit du essen kannst, sagte ihm Etel, er aber anwortete: Ich werde sie mir waschen, aber ich bin nicht Rebb, nicht Row, nicht Gabbe und nicht Stadtversorger; meine Hände haben fremdes Geld nicht berührt! Wer und woher bist du? fragte ich ihn. Er antwgrtete barsch: Zuerst gib Essen und dann stell Fragen! Nachdem ihm Etel das Essen gereicht, ging ich mit ihr in ein anderes Zimmer, um unser durch die Ankunft des heiligen, wunderbaren Soldaten unterbrochenes Gespräch über meine Geschäftsreise fortzusetzen Als wir wiederkamen, war der merkwürdige Soldat eingeschlafen. Wir wollten ihn nicht stören und kehrten in das andere Zimmer zurück. Als wir nach einer Stunde wiederkamen, war der göttliche Soldat verschwunden!“ „Er bestieg wieder den Himmel!“ — „Hatte er das Essen verzehrt?“ — Sicherlich haben Sie die Türe geschlossen, und er konnte dennoch das Zimmer verlassen“ — rufen bunt durcheinander die Gäste. Rebb Mösche spricht: In diesem heiligen Zimmer, auf diesem heiligen Tisch hat Eliahu hanowi die heiligen Speisen meiner guten Etel gegessen. Mein Siddur, aus welchem ich bete und das immer auf dem Tische liegt, hat der himmlische Gast in der Hand gehabt. Zwei Blättchen hat er „verbogen“. Welche? Welche? fragen neugierig die Gäste. Rebb Mosche hebt das Siddur in die Höhe und sagt: Schaut, Kinder! Alle Anwesenden schauen ehrfurchtsvoll, küssen leidenschaftlich das Gebetbuch und rufen: Noch jetzt sieht man es, das erste verbogene Blatt ent-