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Das jüdische Echo · 1928-03-30 · 13/14 (30.3.1928) · p. Seite 210

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
13/14 (30.3.1928)
Date
1928-03-30
Page
Seite 210 (sequence 14)
Language
German
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210 Das Jüdische Echo Nr. 13 Feuilleton Rebb Mosche Aphikomon und der Prophet Eliahu Von Dr. J. Niemirower-Jassy. Im Städtchen Z. ist niemand mehr beliebt als Rebb Mosche Aphikomon. Er gilt als sehr reich, als Millionär; — er hat vielleicht zehntausend Gulden. Dieser Rothschild ist sehr wohltätig, hat bis jetzt elf arme Mädchen zur Heirat ausgestattet. Er ist bei jeder Gelegenheit freigebig — beim Kauf der Schmure-Mazoth und des Esrog; es loben ihn der Synagogenschammes, der Friedhofwächter und der Badediener. Er ist in seiner Gemeinde einflußreich; denn er hat sein eigenes Bethaus und verteilt Synagogenwürden nach Belieben. In seinem Hause werden alle vornehmen Durchreisenden beherbergt; besonders wenn sie „Enkel“ gefeierter Rabbis sind. In der Umgebung besitzt Rebb Mosche einen großen Ruf, und wer mit ihm verwandt ist, kann auch eine häßliche Tochter leicht und gut verehelichen. Sein Ruhm ist so groß, daß sogar versichert wird, er hätte den Propheten Eliahu gesehen, und niemand wagt es zu bezweifeln. Rebb Mosche behauptet: Eliahu gesehen zu haben — und bekanntlich täuscht sich nicht ein Mann, der Eliahu gesehen hat. Bei jedem Briss will er Sandikk1 sein, in der Erwartung, den Propheten wieder zu sehen, den er schon kennt. An den Pessachnächten ist der für Eliahu vorbereitete Becher in seinem Hause besonders groß. Es verlautet, daß man oft an Rebb Mosche herangegangen sei mit der Bitte, er möge sich beim Propheten Eliahu verwenden, daß der ausgebliebene Regen in Strömen komme. Wer trotz all dieser Beweise noch zweifelt, möge aufmerksam auf die Erzählung des Rebb Mosche am Seder-Abend hören. An den Pessachabenden ist es im Hause des Rebb Mosche sehr feierlich; er und seine Frau thronen wie König und Königin; das Haus ist schön geschmückt und hell beleuchtet. Die Gäste sind lustig, singen chassidäische Lieder und erzählen interessante Geschichten. Laut und feierlich wird die Hagada verlesen und die Speisen werden in Wein ertränkt. Die Feier erhält ihren Höhepunkt in dem Momente, in dem Rebb Mosche in eigener Person, in Begeisterung die Türe öffnet und „seinen“ Propheten Eliahu mit bewegter Stimme bittet, ihn „wieder“ zu besuchen. Alle Anwesenden erheben sich und lesen in froher Stimmung die Hagada zu Ende. Diesem feierlichen Akte war eine dramatische Szene vorangegangen. Als Rebb Mosche den versteckten Aphikomon unter dem Kissen vergebens gesucht, fragt er: Wer ist der Ganew? Sein reizendes Töchterlein gesteht den Diebstahl ein. Lustig fragt Rebb Mosche: Was willst du, Simale, für den Aphikomon? Was sie will? meint die Mutter, eine Brillantbrosche! Sima aber schaut zu dem in ihrer Nähe sitzenden jungen Chassid — als wenn sie diesen als Preis für den Aphikomon bei ihrem Vater erbitten möchte. Sie sucht nach Worten, scheint sie aber nicht zu finden, schaut wieder zum jungen Chassid und wird feuerrot! Sie reicht dem Vater den Aphikomon und sagt: Damit du wissen kannst, was ich will, mußt du auch ein Prophet Eliahu sein. „Sage mir, mein süßes Kind, was du doch willst!“ 1 Beisitzer. Ich kann nicht, anwortet sie, den Blick nach unten gesenkt. Erzähle du zuerst deine Geschichte vom Propheten Eliahu, und dann werde ich sprechen. Rebb Mosche legt den Aphikomon aus der Hand, schaut auf ihn ernst und spricht wie folgt: „Juden! Brüder! Gott hat mir Reichtum geschenkt. Es waren Reichere als ich — zum Beispiel Korach, es sind Reichere vorhanden — zum Beispiel Rothschild, Montefiore; ich habe aber auch genug. Gott hat mir Gesundheit geschenkt. Schimschon hagibor2 war stärker; ich bin aber auch zufrieden. Eine Frau hat man mir vom Himmel geschenkt, die Esthers Chen3 hat. Kinder hat mir der „Oberster“ geschenkt, die Diamanten, Brillanten, Perlen sind. Engel bringen mir alles, was mein Herz begehrt: Ein schönes Haus auf dieser Welt und die Hoffnung auf die andere Welt. Ich fahre nicht nach Lemberg oder Wien, um große Paläste zu sehen, sondern nach Beiz und Siditeov, um große Menschen zu bewundern. So lange der alte Rebbe gelebt „das Andenken des Gerechten wird zum Segen“, rufen einige Tischgenossen — „war ich an jedem Pessach bei ihm.“ Welches Glück! ruft ein alter Chassid. „An einem Sederabend sprach der heilige Rabbi vom Propheten Eliahu; er sagte: „Es ist nicht genug, wenn man einen Becher füllt und von Eliahu spricht; jeder Jude muß immer den Propheten vor Augen haben, gleich ihm Gutes tun und den Armen helfen. Eliahu zeigt sich in verschiedenen Gestalten. Der eine sieht ihn als Rabbi, der jüdische Seelen rettet, der andere als friedenstiftenden Rabbiner. In jedem Juden findet sich ein Funken von Eliahu hanowi im Gabbe wie im Schammes, auch im Soldaten, der trefe ißt,“ endete der heilige Rabbi seine Lehre. Diese vom heiligen Rabbi begeistert gesprochenne Worte versetzten mich in die himmlische Welt; die Sehnsucht, Eliahu hanowi zu sprechen, bemächtigte sich meiner. In diesem Augenblicke fiel die Aphikomon-Mazzo des Rabbi aus dem Kissen, und da ich die Ehre hatte, in des Rabbi Nähe zu sitzen, hob ich sie auf. Ich soll die Mazzo des Rabbi in der Hand halten! — ich, ein 2 Held Simon. 3 Lieblichkeit. Wäscherei d. Münchener Hausfrau HÖCKER & BÄUERLE Landwehrstr. 57/59 T. 596858 Hygienisch modernster Betrieb am Platze. Bekannt für erste Qualität. Getrennte Behandlung. Jede Hausfrau kann sich persönlich von der schonendsten Behandlung der Wäsche überzeugen. Waschmittel: Reine Kernseifenflocken 90°/0ig. Haushaltwäsche —Vorhangspannerei — Stärkwäsche—Feinbügelei. Größte Lohnwäscherei Münchens Diese Neuerung bietet große Verbilligung. Verlangen Sie Prospekte. Unverbindliche Besichtigung‘Abholung und Zustellung mittels Autos.

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