Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 13/14 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- Seite 205 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Das Jüdische Echo 205 Brief aus Palästina Jerusalem, 15. März 1928. Das Purimfest hat in Palästina die Entwicklung zu einem großen öffentlichen Karneval genommen. Während bei anderen Festen, vor allem zu Pessach, Jerusalem der historische Treffpunkt der vielen Tausende jüdischer Festgäste ist, die aus allen Teilen des Landes zusammenströmen, ist es ein bezeichnendes Symbol, daß das moderne Tel-Awiw der Mittelpunkt des palästinischen Karnevals geworden ist. Die Zahl der Gäste aus ganz Palästina, darunter auch viele Araber aus dem benachbarten Jaffa und sogar aus weiter entfernten Orten, kann auf mehrere Zehntausende geschätzt werden. Das Wetter begünstigte den Tel- Awiwer-Karneval, der Sich in mustergültiger Ordnung abwickelte. Die Heiterkeit in den dichtbevölkerten Straßen der Stadt und auf den großen Maskenbällen, die an drei aufeinanderfolgenden Abenden in den Hallen und in den Gärten der Tel-Awiwer Messe-Anlagen sattfanden, zeugten von der Zuversicht und von der frohen Gewißheit des palästinischen Jischuw, daß die Krise, die in den letzten zwei Jahren die Entwicklung Palästinas nicht in dem Tempo vor sich gehen ließ, wie man es vorher erwartet hatte, im Abklingen begriffen ist. Sir Alfred Monds große zuversichtliche Rede bei der Einweihung des neuen Balfour-Waldes des Jüdischen Natinoalfonds in Ginegar hat nicht verfehlt, ihren Eindruck auf den Jischuw auszuüben, wie sie wahrscheinlich auch in allen Ländern der Diaspora den Eindruck hervorgerufen haben wird, daß die Krise im Lande eine Frage ist, die in absehbarer Zeit ihre volle Lösung finden wird. Der Monat Januar war auch der erste Monat seit längerer Zeit, in dem die Auswanderung aus dem Lande geringer war als die Einwanderung. Die Auswanderung als eine im palästinischen Leben merkbare Bewegung ist vollständig zum Stillstand gekommen. Unter den Einwanderern überwiegt die Zahl der Personen, die als sogenannte Kapitalisten ins Land kommen. Die Besserung auf dem Arbeitsmarkte, die bereits in den vorhergegangenen Wochen verzeichnet werden konnte, hat weiter angehalten. Die Zahl der Arbeitslosen in Tel-Awiw, die Ende Dezember 1927 3652 betrug, betrug Ende Januar nur 2503 und ist seither ständig weiter gesunken. Diese Verminderung der Zahl der Arbeitslosen ist der allgemeinen Besserung der wirtschaftlichen Lage im Lande zu verdanken. Die Saisonarbeiten in den Kolonien haben eine Anzahl von Arbeitern absorbiert, und die öffentlichen Arbeiten, die von der Regierung auf Drängen der Zionistischen Exekutive und der Allgemeinen Jüdischen Arbeiter-Organisation in Angriff genommen wurden, haben beträchtlich dazu beigetragen, die Arbeitslosenlage zu erleichtern. Die Zionistische Exekutive erwägt jetzt die Möglichkeiten der Aufbringung der notwendigen Mittel über das reguläre Keren-Hajessod-Budget hinaus, um wiederum, so wie im vorigen Jahre, eine Anzahl öffentlicher Arbeiten durchführen zu können. Gelingt ihr dieser Plan, so wird es möglich sein, die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung nicht nur wie im vorigen Jahre in Jerusalem, Haifa und Afuie, sondern auch in Tel-Awiw einzustellen. Unter den Arbeiten, die die Regierung unternommen hat, sind insbesondere die Aufforstungsarbeiten bei Tiberias, Tulkerem und an der Straße Jerusalem—Tel-Awiw, am Austritt dieser Straße aus dem Gebirge zu erwähnen. Bei diesen Arbeiten waren 261 jüdische Arbeiter beschäftigt, die einen Arbeitslohn von 3V2 Schilling pro Tag erhielten. Der Keren Hajessod war ihnen bei der Durchführung dieser Arbeiten behilflich, indem er für die bei diesen Arbeiten beschäftigten Arbeitslosen Baracken und Zelte aufstellte, die Kosten der Überführung der Arbeitslosen von Tel-Awiw und ihre Erhaltung bis zum Beginn der Arbeiten bezahlte. Ebenso hat der Keren Hajessod für die Arbeitslosen, die bei anderen Regierungsarbeiten beschäftigt sind, Zelte, Baracken und Geräte zur Verfügung gestellt. Während die Zionistische Exekutive aus Keren-Hajessod-Mitteln in den Monaten Juli und August 1927 durchschnittlich über £ 10.000 monatlich für Arbeitslosenunterstützung gezahlt hat, hat sie im Februar 1928 bereits weniger als £ 3000.— zu zahlen gehabt. An dieser Abnahme kann am besten die Besserung der Lage auf dem Arbeitsmarkte festgestellt werden. Der Wald Leumi ist mit der Vorbereitung zur Einberufung der dritten Assifath Haniwcharim beschäftigt. Die Assifath Haniwcharim wird zum erstenmal als das obertse repräsentative Organ der palästnischen Judenheit unter Anerkennung der Regierung zusammentreten. Das aktive Wahlrecht steht jedem Juden über 18 Jahre zu, der sich drei Monate im Lande aufhält. Das passive Wahlrecht ist nach den Beschlüssen des Waad Leumi an die Erreichung des 25. Lebensjahres geknüpft, an einen Jahresaufenthalt im Lande und daran, daß der Wahlbewerber alle in seiner Macht stehenden Schritte zur Einbürgerung als palästinischer Bürger getan hat. Die Vorbereitungen zur Einberufung der Assifath Haniwcharim dürfte in wenigen Wochen beendet sein und zu Ende des Frühjahrs dürfte die Assifath Haniwcharim zusammentreten. Der Jischuw wird dann imstande sein, die soziale Fürsorgetätigkeit und die Erziehung in eigener Autonomie und in eigener Verantwortung führen zu kön- 'ertrauenssacfie (^j/ertrmmmac/ie ift die Wähl eines erftklafflgen und einwandfreien Hautpflegemittels^ dem täglichen Wafchwaffer zugefetzt erfrifcht, Mim dem täglichen Wafchwaffer zugefetzt erfrifcht, reinigt, klärt und befähigt die Haut aus eigener Kraß gefund und fchön zu fein. Heinrich Mack Nachf., Ulm a.D.