Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-03-30 · 13/14 (30.3.1928) · p. Seite 202

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
13/14 (30.3.1928)
Date
1928-03-30
Page
Seite 202 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9072829-9103081-9156875--08359-9081094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

202 Das Jüdische Echo Nr. 13 Bei der Gestaltung des Judengesetzes darf das Geburtsland im Hinblick auf die Zusammensetzung der verantwortlichen Körperschaften keine Rolle spielen. Das Zwangsverbandsprinzip muß durchgeführt werden. Der Austritt dürfe nur aus wirklich religiösen Gewissensbedenken erlaubt sein; Steuerscheu ist rücksichtslos zu bekämpfen. Was den Reichsverband betrifft, so ist die gefundene Lösung unbefriedigend; sie verrät schlimmste partikularistische „Preußenfeindlichkeit“. Der Reichsverbandstag muß aus Urwahlen hervorgehen, seine Kompetenzen müssen erweitert werden. Eine Beschränkung auf „rein religiöse Interessen“ ist unmöglich. Wir müssen uns zu einer „Art inneren Mission“ entschließen. Nicht Abwehr brauchen wir, sondern geistige Offensive. Immer erneute Bekenntnisse zu „unbeirrbarer deutscher Gesinnung“ sind nicht notwendig. Auch der Kampf des Central-Vereins gegen jüdische Brüder muß ein Ende nehmen. Das Komitee Pro-Palästina leistet nützliche, das Judentum ehrende Arbeit. Das Problem des Wirtschaftsantisemitismus ist ein drängendes und muß hier angefaßt werden. Die seelisch-wirtschaftliche Not der am Sabbat festhaltenden Juden muß gelindert werden. Indem wir an die Bewältigung dieser Probleme herangehen, stärken wir Sinn und Willen zum Opfer für das Judentum. In der Aussprache ergreifen ferner das Wort Dr. H o r o w i t z , Frankfurt a. M. (konservativ), Prof. Dr. M. Sobernheim (Mittelpartei) und Alfred Berger (Poale Zion). Im Namen des Rates erwiderte Kammergerichtsrat Wolf den Diskussionsrednern, worauf Herr Redakteur Bruno W o y d a (liberal), Epstein, Duisburg (Volkspartei), Dr. Bruno Weil (liberal), Justizrat Hirschberg (konservativ), Kurt B 1 u m e n f e 1 d (Volkspartei) und Dr. Ismar Freund (Rat) sich nochmals zu den allgemeinen Fragen äußerten. Nach Wahl von drei Kommissionen (für Verfassungsrevision, Etat und Geschäftsordnung) erfolgt um 9.20 Uhr Schluß der Sitzung. In der Montagssitzung berichtet Prof. Türk über die Satzung des Wohlfahrtsausschusses. An der Aussprache beteiligen sich Rabbiner Dr. Freund, Hannover (konservativ), Alfred Berger und Falkenberg (liberal). Namens des Haushaltungsausschusses erstattet den Bericht Ehrlich, Tilsit. Er begründet den Vorschlag der „Ostpreußenhilfe“ (20 000 RM.), der Subvention für die Siedlungspläne des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (10 000 RM.) und spricht sich gegen den Erwerb eines eigenen Grundstückes für den Verband aus. Nach den Vorschlägen des Ausschusses erhöhen sich die Ausgaben um 66 000 RM. Justizrat Francken, Aachen (liberal), wünscht eine Vereinfachung des Verwaltungsapparates. Wiener, Beuthen (Volkspartei), fordert die Ausgestaltung des Ostpreußenfonds, denn auch andere Provinzen, wie z. B. Oberschlesien, seien notleidend. Rabbiner Rosenthal, Köln (konservativ), wünscht die Beibehaltung des Postens zur Förderung der Sabbatheiligung. Alfred Berger (Poale Zion) wendet sich gegen die Praxis mancher Behörden, den Sabbat beobachtende Arbeiter als nicht arbeitswillig zu behandeln. Sodann sprechen K a r e s k i (Rath) und M. A. L o e b (Rat) (konservativ). In der Spezialdebatte spricht zum Kapitel Subventionen als erster Dr. Oskar Cohn, der für den „Ostpreußenfonds“, aber gegen die Begründung ist, wie sie in der Denkschrift von Peritz zu lesen ist. Wir sollen uns hüten, die Notwendigkeit dieses Fonds mit Argumenten zu begründen, die nach Polenhetze riechen. Wir haben Geiseln in aller Welt; in Polen gehen Juden und Deutsche zusammen. Am Schlüsse stellt sich Redner vollständig auf den Standpunkt Bergers. (Zwischenrufe: Auch hinsichtlich des „Geheimfonds“?) Ja! Man täte besser, das zuzügeben als es zu verheimlichen. Schluß der Tagung Spät abends schloß am Montag, dem 26. März, die Verbandstagung in voller Harmonie. Die Fraktionen hatten sich nämlich nach längeren Verhandlungen auf eine neue Fassung des Judengesetzentwurfes geeinigt, die den schweren Bedenken, die hauptsächlich von der Volkspartei geäußert wurden, in den wichtigsten Punkten Rechnung trägt. Verurteilte .Antisemiten München, 28. März. Am 26. und 27. d. M. fanden vor dem Schwurgericht München unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Henner zwei jüdische Angelegenheiten berührende Prozesse statt. Der erste richtete sich gegen den Schriftsteller des „Illustrierten Beobachters“, Bouhler, lautend auf Gotteslästerung. Es wurde nämlich in der Nummer dieser Zeitschrift von Weihnachten 1926 eine Novelle „Der ewige Traum“ von Hans Hesse veröffentlicht, die den inkriminierten Satz enthielt: „Von neuem hatte ihm (dem Kuppler, Mädchenhändler und Wüstling Siegfried Manasse) J’hwe ein Opfer zugeführt. Die Erörterung der Verteidigung und der Sachverständigen (Alfred Rosenberg, Geheimrat Goetzberger) betraf besonders einen angeblichen Unterschied zwischen dem biblischen und dem talmudischen Gottesbegriff, sowie die Verhaltensgesetze gegen Nichtjüdinnen, die, wie Geheimrat Goetzberger nachwies, von den Antisemiten willkürlich und falsch umgedeutet wurden. Das Urteil gegen Bouhler lautete an Stelle einer eigentlich verwirkten Gefängnisstrafe von 20 Tagen auf 200 RM. und Vernichtung der Druckstöcke. Die idealen DER NEUE FORD 8/28 od.13/40 PS bei gleichen Preisen Große Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bergsteigfähigkeit, wunderbare Präzisionsarbeit und Linienführung Fahrzeuge STEPPACHER & CO. von Weltruf LINCOLN 23/100 LOCOMOBILE 16/70 Die berühmten 8 Cylinder der Welt Einzige autoris. „Ford^-Vertretung BarerStr.30 (beim Obelisk),Tel. 57460

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.