Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 12 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- Seite 188 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103081-9156874--08344-9081079- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
188 Das Jüdische Echo Nr. 12 Electrola Apparate u. Platten, SCHALL¬ PLATTEN Preislisten umsonst. Vox, Electrola, Trl-Ergon Autorisierte Verkaufs¬ Homokord,Grammophon stelle der Electrola- Parlophon RM. 3.50 und Gesellschaft höher. Schalldichte Hörkabinen, Preislisten * umsonst. Pianohaus Alfred Schmid Pianohaus Alfred Schmid Nachfolger Nachfolger München / Residenzstr. 7 München / Residenzstr. 7 gegenüber der Hauptpost gegenüber der Hauptpost Fräulein küß schön die Hand und sei nicht schüchtern.“ „Soll ich gleich gehn?“ Erst durch diese Frage erwachte die Korälek aus ihrem tiefen Traum. „Dummer Junge, wie denn gleich, ist doch der Gänserich noch im Verschlag!“ Die Zeit verlief, ein Tag nach dem anderen ging dahin, eine Woche folgte der anderen, der Gänserich hielt sich tapfer und wurde immer dicker. Wenn die Korälek ihn auf den kleinen Hof hinausließ, damit er ein wenig frische Luft bekomme, liefen alle Nachbarinnen herbei, um ihn in ihre Arme zu nehmen und zu fühlen, wie schwer er ist. Er war sehenswert. Den Bauch schleppte er fast auf dem Boden, die Füße waren kaum mehr zu sehen; auch ging er nicht, sondern wiegte und schaukelte sich bloß. Vier Wochen waren seit jener Zeit verflossen, da der Gänserich seine goldene Freiheit eingebüßt hatte und es nahte der Tag, welcher der letzte seines Lebens sein sollte. Als an diesem denkwürdigen Tage — es war ein Donnerstag — Korälek abends sehnsüchtig nach Hause zurückkehrte, freute der Gänserich sich noch der besten Gesundheit. Die Korälek hatte sich’s im letzten Moment überlegt. Der Gänserich war Gott sei Dank gesund und rege und verdaute bisher so ausgezeichnet, daß er trotz seiner enormen Dicke ein paar Tage noch aushalten konnte. Und gerade in diesen letzten Tagen kann er am meisten zunehmen. Es war Donnerstag, bis zum nächsten Dienstag hält er aus, dann wird er geschlachtet, am Mittwoch geschmort und Freitagabend so Gott will kommt das Gänseklein auf den Tisch. Dies erklärte die Korälek ihrem Gatten. Korälek war aber vernünftigen Argumenten nicht zugänglich. Er war verdrießlich. In Gutem und Bösem redete er seiner Frau zu, welch ein gefährliches Spiel sie treibe, wenn sie den Gänserich über den Samstag anstehen lasse, somit über einen Tag, an welchem nicht geschlachtet werden darf. Wenn dem Gänserich an diesem Tage etwas passiert, was dann? Und nun erzählte Korälek, wie viele Fälle ihm selbst bekannt sind, daß Gänse, die man aus sündhaftem Geiz über den Samstag anstehen leiß, gerade an diesem Tage draufgingen... Die Korälek war aber wie ein Fels. Der Mann redete in den Wind. Sie warf ihm nur vor, er habe nur deswegen Eile, weil er die guten Speisen nicht erwarten könne. Korälek wurde, wie auch sonst immer, stumm. Es hatte wirklich den Anschein, daß die Korälek recht behielt. Donerstag verging, Freitag neigte sich seinem Ende zu und der Gänserich blickte immer lustig in die Welt. Freitag abend brach an. Korälek schlief bereits in den Stube den Schlaf der Gerechten und aus der Nebenkammer kamen die ruhigen Atemzüge der schlafenden Kinder. Das über dem Tisch von der Decke herabhängende Samstagslicht brannte zu Ende und blakte. Die Korälek, welche bisher als einzige wach war, um heute den Gänserich zum letztenmal zu stopfen, sagte bei dem vergehenden Schein der Kerze ihr Gebet auf. Schließlich ging sie hinaus, um dem Gänserich die gewohnte Anzahl von Gänsenudeln in den Rachen zu stopfen. Kurz nachher erscholl von draußen ein gedämpfter Schrei — ein Schrei, in dem Angst und Grauen wohnten. Schon stand die Korälek in der Stube, tödlich bleich und mit klappernden Zähnen, über dem Bett des Mannes. Sie riß an seinem Arm. „Korälek!“ Korälek brummte etwas Unverständliches und drehte sich nach der anderen Seite um. „Hör doch, Korälek, steh auf!“ Er öffnete halb die Augen und da er die Frau ganz außer sich beim Bett erblickte, erwachte er vollends. Er erschrak. „Um Gottes willen, was ist geschehn?“ „Der Gänserich hat nicht verdaut!“ Mehr konnte die entsetzte Korälek nicht aus sich herausbringen, als diese paar Worte; aber welche jüdische Hausfrau wird nicht die volle Tragik dieser fünf am Freitag abend hervorgestoßenen Worte begreifen, da man nicht schlachten darf? Auch Korälek begriff augenblicklich die drohende Situation. Jedermann könnte glauben, daß Korälek jetzt seine Frau mit Vorwürfen überhäufte, warum sie den Gänserich über den Samstag anstehen und ihn nicht seinem weisen Rate gemäß vor Anbruch des Abends schlachten ließ. Von hundert Männern hätten sich sicherlich neunundneunzig so verhalten. Korälek aber hatte ein gutes Herz und tröstete noch seine Frau auf alle Weise. „Hat er nicht verdaut, so hat er nicht verdaut,“ sagte er mit salomonischer Überlegenheit; „was ist da zu tun? Geh schlafen, vielleicht wird er bis morgen verdaut haben“. Und als die Korälek wieder Kraft zum sprechen fand und zu lamentieren begann, fügte er einigermaßen schroff hinzu; Die idealen Fahrzeuge von Weltruf DER NEUE FORD 8/28 od. 13/40 PS bei gleichen Preisen Große Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bergsteigfähigkeit, wunderbare Präzisionsarbeit und Linienführung 4JkrFcl STEPPACHER & CO. LINCOLN 23/100 LOCOMOBILE 16/70 Die berühmten 8 Cylinder der Welt Einzige autoris. „Ford“-Vertretimg BarerStr.30 (beim Obelisk),Tel. 57 4 60