Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 12 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- Seite 187 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 187 Der „Ostrowzer Rebbe“ gestorben Warschau, 13. März. (JTA.) In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag verstarb in Ostrowiec im Alter von 74 Jahren der berühmte Raw und Chassidim-Rabbi Jechiel Meier Haistock, der als der „Ostrowzer Rebbe“ weit über Polen hinaus bekannt und von der traditionstreuen Judenheit verehrt worden war. In Warschau, wo der Rabbi viele Tausende Anhänger hatte, hat die Nachricht von seinem Ableben große Bestürzung hervorgerufen. Aus Warschau und aus zahlreichen Städten Polens begaben sich zahlreiche Rabbiner und jüdische Abordnungen zur Bestattung nach Ostrowiec. Der Verstorbene war eine hohe Autorität im religiösen jüdischen Schrifttum. Die Numerus-CIausus-Vorlage vom Plenum des ungarischen Oberhauses angenommen Budapest, 15. März. (JTA.) Das ungarische Oberhaus hat die von der Regierung eingebrachte Revision des Gesetzentwurfes über den Numerus clausus mit Stimmenmehrheit angenommen. Anerkennung der Status-Quo-Gemeinden in Ungarn — Drei jüdische Gemeindetypen Budapest, 15. März. (JTA.) Bekanntlich sind in Ungarn juristisch zwei verschiedenartige Formen der jüdischen Gemeinde anerkannt: die orthodoxe und neologe Gemeinde. Die Trennung ist nicht allein juristisch, sondern auch praktisch eine vollkommene. Nach dem Wortlaut des ungarischen Gesetzes sind zwei verschiedene jüdische Religionen anerkannt. Nun existieren aber auch noch Gemeinden, die bei der Trennung sich weder der Orthodoxie, noch der neologen Bewegung angeschlossen haben. Sie nennen sich „Statusquo-Gemeinden“ und sind wie die ersteren zu einem Bunde zusammengeschlossen. Sie haben jetzt bei der Regierung um die Anerkennung als Körperschaften öffentlichen Rechtes angesucht. Sowohl die neologe wie die orthodoxe Landeskanzlei haben sich gegen ihre Anerkennung ausgesprochen. Eine Abordnung der Status-quo-Gemeinden begab sich zum Ministerpräsidenten Graf Bethlen, der derselben erklärte, die Regierung sei entschlossen, dem Bund der Status-quo-Gemeinden die juristische Anerkennung als eine besondere Vertretung der Juden gewähren. Gründung eines jugoslawischen Pro-Palästina- Komitees — Sokolow beim Ministerpräsidenten Vukitschevic Belgrad, 12. März. (JTA.) Nahum Sokolow stattete am 11. März dem jugoslawischen Ministerpräsidenten V. Vukitschevic einen Besuch ab und begrüßte in dessen Person den Chef jenes Landes, welches im Dezember 1917, einige Wochen nach Verkündung der Balfour-Deklaration durch die Regierung Großbritanniens, eine Sympathie-Erklärung für das jüdische Volk und für das jüdische Nationalheim in Palästina erlassen hat. In Begleitung Sokolows befand sich der ehemalige Reservekapitän Dr. David Albala, an den dieses historische Dokument der damaligen serbischen Regierung gerichtet war. Sokolow gab der Hoffnung Ausdruck, daß der jugoslawische Vertreter beim Völkerbund die Sache des Zionismus unterstützen werde. Der Ministerpräsident Vukitschevic erwiderte, Jugoslawien werde gerne beim Völkerbund die zionistische Sache fördern und wiederholte die prozionistischen Erklärungen, die Minister Dr. Schumenkovic an Stelle des erkrankten Außenministers Marinkovic gegenüber Sokolow abgegeben hat. Ministerpräsident Vukitschevic erklärte zum Schluß, er wolle bei der Gründung eines jugoslawischen Pro-Palästina-Komitees gerne mitwirken. Feuilleton Der Gänserich (Übersetzt aus dem Tschechischen von R. Fuchs.) (Schluß) Und nun träumte die Korälek den schönen Traum, daß sie mit ihrem Gänserich jene wunderbare Gans der Adler übertreffen werde. Und warum sollte es denn nicht möglich sein, wenn die Korälek solch einen Gänserich selbst noch nie im Verschlag gesehen hat. Warum sollte er nicht — wenn sie ihn mit Gottes Hilfe glücklich ausfüttert — neun oder auch zehn Seidel Fett haben? Und die Korälek, die sonst vor lauter Arbeit nicht wußte, wo ihr der Kopf stand, saß nun häufig untätig da, die Hände im Schoß, und träumte mit offenen Augen vor sich hin. Sie sah den Gänserich geschlachtet vor sich liegen und im Geiste rupfte sie ihn schon. Und vorsichtig mußte sie ihn rupfen. Feder um Feder, um nicht zugleich mit dem überreifen Gefieder die fette Haut auszureißen. Da liegt der Gänserich vor ihr, der Federn entkleidet! Weiß, wie frisch gefallener Schnee und von allen Seiten voll und rund wie ein großer Fettballen. Jetzt wird sie ihn beim Kopf in der Kammer aufhängen, damit er tüchtig durchfriere und steif werde, und morgen gibt es Arbeit an der Platte. Morgen... Oh, wie wird es duften im ganzen Hause, welche Bewegung, welche Freude! In der Glut der Flammen zerfließen schnell die weißen Würfel aus des Gänserichs Haut und der Topf füllt sich allmählich mit dem durchsichtigen klaren Fett. In der Stube herrscht eine ganz besondere, von angenehmem Duft durchtränkte Wärme, wie sie nur in den Wohnungen reicher Leute zu sein pflegt. Und die Korälek spürt schon jenen betörenden Duft und atmet ihn begeistert ein... Und schon rechnet die Korälek, für wie viele Mittagmähler der Gänserich ausreichen wird. Im Geist nimmt sie sich fest vor, daß von dem Gänseklein der Magen und das Bürzel ihr gehören muß, da mag der Korälek sich ärgern so viel er will, dem Korälek gibt sie einen Flügel, der andere wird unter die beiden Kleinsten geteilt,, die beiden Füße bekommt Fanda und den Hals werden Edi und Loisl untereinander teilen — sollen die Jungens nur ihre Zähne gebrauchen. Den Edi wird sie mit der Leber auf die Pfarre schicken, wenn er sich dort nur anständig betragen würde. Ein Sechserl könnte er zumindest vom Weg bekommen. Edi lief gerade in die Stube herein. Die Korälek, noch ganz in ihren Gedanken, sagte: „Hör mal, Edi, die Leber bringst du in die Pfarre, sagst, daß ich dem hochwürdigen Herrn die Hand küssen lasse und daß ich ihm die Leber schicke. Und dem hochwürdigen Herrn und dem