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Das jüdische Echo · 1928-03-16 · 11 (16.3.1928) · p. Seite 175

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
11 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
Seite 175 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1 1 Das Jüdische Echo 17* An dem erwähnten Tage ging also die Korälek gleich morgens zu Adlers um Mehl. Im Laden waren viele Menschen, darunter auch das Fräulein aus der Pfarre. Die Korälek erzählte den Anwesenden des Langen und Breiten die traurige Begebenheit mit den sechzehn tauben Eiern und von dem infolgedessen zum Tode verurteilten Gänserich. „Und wenn uns Gott den Gänserich erhält/' schloß die Korälek, zum Pfarrfräulein gewendet, „und wenn wir leben und gesund sind, so hab ich gesagt, Fräulein, daß wir die Leber dem Herrn Pfarrer schicken.“ „Sie werden sich doch keinen solchen Schaden machen,“ sagte das Fräulein abwehrend. ..Von Schaden kann keine Rede sein, Fräulein! Der hochwürdige Herr hat es um uns verdient. Wissen Sie, Fräulein, wenn man in die Stopfnudeln nur ein bißchen Weizenhintennehl geben könnte, damit die Leber ordentlich zunimmt, aber wo soll ein armer Mensch Weizenhintennehl hernehmen!“ Das Fräulein sagte nichts, sondern lächelte nur ein wenig. Die Korälek jedoch, welche wußte, daß sich auf dem Pfarrdachboden einige Sack Weizenhintermehl befinden, wurde in ihren geheimen Hoffnungen nicht betrogen. Kaum war sie nämlich von Adlers mit dem Mehl nach Hause gekommen, stellte sich der Dienstbote von der Pfarre ein und brachte ein gestrichenes Maß gelblich leuchtenden Weizenhintermehls. Die Korälek ließ dem Fräulein tausendmal Vergeltsgott sagen, und das Fräulein möchte doch nicht glauben, daß sie im Laden absichtlich vor ihr das Mehl erwähnt habe — Gott soll behüten, daß würde sie, die Korälek, sehr ärgern. In einer Weile füllte schon der Duft der Stopfnudeln auf dem Herd das ganze Haus, drang durch zahlreiche Spalten ins Freie und verkündete dem ganzen Dorfe, daß bei Koräleks der Gänserich zum Stopfen angestellt sei. — Im Vorhaus unter der Ofenmauer hatte der Gänserich seinen bequemen Verschlag. Jeden zweiten Tag schob ihm die Korälek frisches Gerstenstroh unter und jede vierte Stunde stopfte sie ihn mit Nudeln voll. Anfangs fünf, und dann immer mehr, und nach einer Woche konnte er dreizehn in sich aufnehmen. Und wie er verdaute! Nicht ein einzigesmal kam es vor, daß die Korälek den Gänserich stopfen gekommen wäre, ohne daß er bis auf das letzte Stückchen verdaut hätte. Es ist wahr, Sorgen und Arbeit gab der Gänserich genug, aber Sorgen und Arbeit wurden glänzend belohnt. Der Gänserich nahm zu und wurde zusehends dick, so daß die Nachbarinnen ihn wie ein Wunder bestaunen kamen und untereinander dann von jüdischen Tricks munkelten. Zu jener Zeit lebte die Korälek in ununterbrochener geistiger Spannung. Sie vergaß an den Mann und an die Kinder, und beim Niederlegen und Aufstehen waren alle ihre Gedanken beim Gänserich. Es war aber wirklich ein ungewöhnlicher Gänserich! Wenn es ihr so gelänge, mit diesem Gänserich die berühmte Gans der Adler zu übertreffen! Jene Gans ist nämlich legendär geworden. Die Adler hat einmal — es sind jetzt einige Jahre her —■ eine Gans gestopft, die acht Seidel, sage und schreibe acht Seidel Fett hatte. Von dieser Gans konnte die Adler stundenlang erzählen. (Fortsetzung folgt.) Gemeind en-u. Vereins-Echo München. Die Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München beendeten ihre diesjährigen Winterveranstaltungen mit zwei Vorträgen des Wiener Universitätsprofessors Dr. Max Eisler, die einer Einführung in die Kunstbetrachtung und der Kunst Max Lieberm^nns gewidmet waren. An der Hand dreier Bilder des Pieter Breughel d. Ä. (jetzt im Wiener Kunsthistorischen Museum) suchte Eisler das Wesen der darstellenden Kunst seinen Hörern nahezubringen. Dann führte er von Raffael an eine Reihe von Kunstwerken vor, die Szenen des Alten Testaments behandeln, und ging schließlich mit Bildern Josef Israels zur neuzeitlichen Kunst über. Der zweite, das Wirken Max Liebermanns ausschließlich behandelnde Abend brachte eine große Reihe von Schöpfungen des Meisters, die seine künstlerische Entwicklung von den ersten Jugendarbeiten bis zu seinen Spätwerken illustrierten. Durch Heranziehung von Aussprüchen und Briefstellen verstand es der Wiener Kunsthistoriker die Leistung und die Person Liebermanns aufs glücklichste zu interpretieren. Er zeigte sehr eindringlich, wie der Künstler seinem Grundsatz: „Zum IKG. G. AIGNER’S PRIVATE KRAFTFAHRKURSE gegründet 1913 Gabelsbergerstr. 62 f Telephon 51314 Straßenbahnhaltestelle: Kreuzung Augusten-Gabelsbergerstraße der Linien 2, 7, 17; — garantieren als alteingeführtes Unternehmen mit besten Referenzen für vollkommene Qualitäts-Ausbildung Sehen geboren, gehen alle meine Vorstellungen von der Anschauung aus“, getreu der Wirklichkeit nachspürte und Wegbereiter des modernen Naturalismus der großen Franzosen in Deutschland wurde. Leider mußte der auswärtige Redner infolge des ungenügenden Besuches einen wenig schmeichelhaften Eindruck vom Interesse des breiten jüdischen Publikums in München davontragen. Wir bedauern dies um so mehr, als die Leitung der „Lehrkurse“ wirklich rührig ist und beweist, daß sie es den weitesten Kreisen der Gemeinde erleichtern will, sich vielseitig zu bilden. O. Zionistische Ortsgruppe München. Dienstag, den 20. März 1928, abends 8.15 Uhr, findet im Hotel Rheinischer Hof, Bayerstraße 21—23, ein Vortrag von Frau Dr. Gerda Arlosoroff (Jerusalem) über „Die Entwicklung der jüdischen Palästina-Kolonisation in den letzten drei Jahren“ statt. (Näheres siehe Anzeige in dieser Nummer.) Hebräische Sprachschule München. Samstag, den 24. März, abends punkt 8 Uhr, im Lessinghaus, Herzog-Rudolf-Straße 1, Vortrag des Herrn Rachmiel Katz über das Thema: nnny DHirvn mn Der Jüdische Jugendverein München veranstaltete am 7. März im Saal der „Blüte“ eine wohlgelungene Purimfeier. Herr Studienrat Schaalmann hielt zu Beginn eine kurze Ansprache über den Sinn des Purimfestes und seine Bedeutung für die jüdische Jugend: danach erfreuten eine Anzahl von reizenden Kindertänzen und ein Klaviervortrag von Frl. Alma Weiß das leider nicht sehr zahlreiche, dafür um so beifalls-

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