Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 11 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- Seite 169 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 169 sind die Juden, nach Schätzung genauer Kenner der Verhältnisse, um zwei Mandate gebracht worden. Das Auftreten der jüdischen Sonderparteien Agudah, Bund und Folkisten, die selbst keinen Erfolg zu verzeichnen haten, verursachte eine weitere Einbuße von zwei Mandaten, so daß die errungene Zahl von dreizehn Sitzen im polnischen Sejm das Endergebnis der herrschenden Verhältnisse darstellt. So peinlich der Verlust von einigen Mandaten durch eigene jüdische Schuld ist, so bietet die Zusammensetzung des jüdischen Klubs im nächsten polnischen Sejm sehr viel Erfreuliches. Es sind nur ausgesprochen jüdisch-nationale und zionistische Kandidaten gewählt worden. Dieses Ergebnis wurde erzielt trotz des größten Terrors, trotz der schändlichen Methoden der Agudah und trotz der fanatischen Agitation des „Bundes“. Diese antizionistische Werbearbeit von Agudah und Bund fiel, was man nicht übersehen darf, in eine Zeit, wo die Krise im Palästinaaufbau nicht ganz liquidiert ist. Dabei hat diese Krise besonders schwer gerade die polnische Judenheit getroffen, die den Hauptstock der Rückwanderer aus Palästina gestellt hat. In jeder polnischen Stadt und in jedem Städtchen gibt es derartige Rückwanderer, die am eigenen Leibe und am eigenen Vermögen die Krise in Palästina zu spüren bekamen. Die Zionistische Organisation in Polen hob immer wieder die Schwierigkeiten hervor, unter denen sie angesichts dieser lebendigen Gegenagitation gegen den Zionismus durch die Rückwanderer aus Palästina arbeiten müsse. Tatsächlich war in weiten Kreisen außerhalb Polens, namentlich auf Grund der kleinen Zahlen der in Polen zum Verkaufe gelangten Sehekalim, die Überzeugung verbreitet, daß man in Polen in zionistischer Hinsicht einen nicht so bald wieder gut zu machenden Rückschlag erlitten hätte. Allgemein wurde erzählt, daß die zionistischen Führer im polnischen Judentum ihre führende Stellung eingebüßt hätten und daß andere Richtungen die Oberhand gewonnen haben. In der antizionistischen Presse Polens und auch in Berichten von assimilatorischer Seite. an ausländische jüdische Zeitungen war immer die höhnische Behauptung zu lesen, daß die Zionisten im polnischen Judentum ihre Rolle ausgespielt hätten. Nun haben wir das Ergebnis der letzten Sejmwahlen, bei denen von den jüdischen Parteien nur die Zionisten vermocht haben, Erfolge zu buchen, während die von der Regierung unterstützte Agudah trotz großer, ihr zur Verfügung gestellter Geldmittel, trotz des Ausspielens religiöser, dem polnischen Judentum so teurer Momente, nicht imstande war, auch nur einen einzigen Kandidaten durchzubringen. Noch gründlicher und entscheidender ist die Niederlage des Bundes und der Folkisten, die sich vor den Wahlen in der Hoffnung gewiegt haben, daß sie das Erbe der Zionisten antreten werden. Die jüdischen Massen haben sich aber weder durch die Drohung der Regierung, noch durch die Haßpropaganda des Bundes, noch durch die von der Assimilation unterstützte Agudah verlocken lassen. Drei Jahrzehnte zionistischer Erziehung sind nicht vergeblich gewesen. Die neue Judengeneration in Polen hat bereits klare Vorstellungen vom Wesen des Judenproblems und kann nicht mehr als willenloses Werkzeug der Reaktion oder der Demagogie mißbraucht werden. Die ungeheure Erziehungsarbeit, die im Laufe eines Menschenalters geleistet wurde, hat ihre Früchte getragen. Dieses Ergebnis der Sejmwahlen ist ein Trost in schwerer Zeit und ein Lohn für ehrliche, treue Volksarbeit in langen, leidensreichen Jahren. Noch eine Bemerkung sei an die polnischen Sejmwahlen geknüpft. In Deutschland freut man sich außerordentlich über den Erfolg der deutschen Minderheit in Polen. Tatsächlich vermochten die Deutschen in Polen ihre Mandatszahl wesentlich zu erhöhen. Leider wird in Deutschland zu wenig betont, daß die Deutschen diesen Erfolg hauptsächlich der treuen Bundesgenossenschaft der Juden bei den Wahlen zu verdanken haben. Kenner der Verhältnisse heben hervor, daß sich in Polen an den Abmachungen des Wahlblockes der Minoritäten eigentlich nur die Juden und die Deutschen treu gehalten haben. Dieses Bündnis zwischen deutscher und jüdischer Minderheit, das dem deutschen Element in Polen so viel Nutzen gebracht hat, sollten deutsch-assimilatorische und sogenannte judenliberale Zeitungen, wie die „Frankfurter Zeitung“, genau beachten. Man konnte in Deutschland aus Polen stammende antizionistische Artikel lesen, weil durch den Zionismus und das in Deutschland gegründete Pro-Palästina-Komitee deutschsprechende Juden in Polen dem Deutschtum entrissen werden. Mögen sich diese Artikelschreiber fragen, was für das Deutschtum wichtiger ist, die Bundesgenossenschaft mit den jüdischen Massen in Polen oder die Rücksichtnahme auf irgendeinen verbohrten deutschjüdischen Assimilanten in Bielitz oder Kattowitz. M. W. Juden im polnischen Senat 14 zionistische Sejjmdeputierte Warschau, 12. März. (JTA.) Bis heute mittag war das Resultat der am gestrigen Sonntag in ganz Polen durchgeführten Wahlen zum Senat der polnischen Republik nur zum Teil bekannt. Die Linksparteien haben auch bei diesen Wahlen einen durch- Meisterleistungen sind immer die Summe vieler Erfahrungen, jahrelanger Arbeit und genauer Kenntnis aller technischen Regeln. Meisterleistungen der Klavierbaukunst, die in Kennerkreisen besten Ruf genießen, sind Steinberg Flügel / Pianos Durch die sorgfältige Verwertung aller neuzeitlichen Errungenschaften und die ausschließliche Verwendung nur des besten Materials wird jedes Steinberg-Instrument den höchsten Ansprüchen in Ton und Form gerecht. 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