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Das jüdische Echo · 1928-03-09 · 10 (9.3.1928) · p. Seite 159

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
Seite 159 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Das Jildlsche Echo 159 General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße128/ Telephon 61836 Chevrolet Oakland La Salle gende Frauennamen nicht ausgeschlossen, um so mehr, als jüdische Frauennamen zur Entstehung der Familiennamen einen viel größeren Teil beigetragen haben, als man gemeinhin annimmt. Aber es ist auch möglich, daß der Name Suleika in dieser Form erst nachträglich hineingekommen ist. Das althochdeutsche Salida, das Glück bedeutet, ist genau wie dieses (Glückei, Glückchen, davon Familiennamen Glück, Glücksohn, Glikin usw.) zum jüdischen Mädchennamen geworden. Es zeigt, wie man sich mit der Geburt einer Tochter freute. Aus Salida wurde im Mittelhochdeutschen Seide, das noch heute bei den polnischen Juden ein gebräuchlicher weiblicher Vorname ist, und in slavischer Koseform Selka oder Sylka. Der Familienname Sulke hat also dieselbe Herkunft wie der Name der Familie Seldis. So gibt es auch eine Anekdote, wonach der Familienname Golde beim Überschreiten der polnisch-deutschen Grenze auf Grund eines Begegnisses verliehen worden sei. Aber es ist kaum eine Frage, daß zu seiner Entstehung ebenso wie für Goldin, Goldensohn und andere der jüdische Frauenname Golde maßgebender gewesen ist, als sogar die direkte Abteilung vom Edelmetall. So soll auch der Name Dauß eine ähnliche Entstehung haben. Aber er gehört mit Tauß und Taussig zum böhmischen Ortsnamen Tausk. Dosmar und' D’Osmar soll von dem Ausrufe auf dem Amte stammen „Dos mer“ im Sinne von „Der vorher war“, oder „Das sind wir“ (mir mer, im Sinne von „wir“). Als im Jahre 1808 in den Lippeschen Landen, die damals zum Königreiche Westfalen gehörten, die Namen gegeben wurden, sind auch zwei Namen entstanden, die heute u. a. noch in Bielefeld, Detmold und Oschersleben bestehen. Es sind die Namen Hamlet und Erda. Hierüber wird erzählt: Als in Lage in Lippe zwei jüdische Männer zum Zwecke der Namenserteilung in das Amtszimmer eintraten, fragte der Vorsteher, auf den einen Juden hinweisend, seinen Nachbarn: „Sieht der nicht aus wie Hamlet?“ ... „Ja, ja, Hamlet möchte ich schon heißen“, fiel ihm der Jude ins Wort. ... „Und E r da?“ fragte der Vorsteher den andern Juden. ... „Gegen Erda habe ich nichts einzuwenden.“ So entstanden die Namen Hamlet und Erda, die jetzt noch blühen. Das ausgehende achtzehnte Jahrhundert sah in Breslau einen besonders hochgewachsenen jüdischen Herrn mit Namen Zender, „den langen Zender“ genannt. Nun wußte man ganz richtig, daß der jüdisch-deutsche Zender aus Alexander entstanden ist, also den Namen des großen Alexander von Makedonien in Erinnerung bringt. Nun heißt aber dieser „Herr der beiden Welten“ auf hebräisch Alexander Mugdan (d. h. der Makedonier). Ünd so kam es, daß der Humor eines Witzboldes den langen Zender, also den großen Alexander, „Alexander Mugdan“ benannte und dadurch Veranlassung zum jüdischen Familiennamen Mugdan gab. In Samter in der Provinz Posen lebte ein alter Mann, der vor der, wie man sagt, polnischen Kommission einen Namen, den er führen wolle, angeben sollte. Wie er dies aber niederschreiben wollte, fiel ein Klecks auf das heilige Amtspapier. Schnell wollte er es mit seinem Rocke sauber wischen. Da aber verschmierte er den ganzen Bogen. Wütend sagte ihm der Beamte: „To pisze, to misze“? (Hier schreibst du, und da wischst du?). „Du sollst Pißemiße (sprich Pischemische) heißen!“ Und dieser Name blieb ihm und seinen unschuldigen Nachkommen. Als die Familie vor etwa zwei Jahrzehnten nach Berlin übersiedelte, erreichte sie es, daß ihr nachträglich der Name Heymannsohn gegeben wurde. Kurz vorher hatte sich ein Fräulein ausWronke geweigert, den wie einen Schimpfnamen klingenden Namen, der vielleicht doch so aus dem Jüdischdeutschen zu erklären ist, dadurch zu erwerben, daß sie einen Herrn Piszemisze heiratete. Sie wies die Werbung zurück. Eine andere kühnere Jungfrau heiratete den trefflichen jungen Mann, dem sonst kein Fehler anhaftete, und wurde die Triebfeder, daß der als häßlich empfundene Familienname verschwand. Gelegentlich kann auch einmal beobachtet werden, wie eine Namensanekdote im Entstehen ist. Ein Bekannter bittet milch, wie das oft geschieht, um Material zu einem Vortrage über jüdische Namen. Dabei erzählt er mir auch von den jüdischen Namen seiner Heimat. Da sei eine Familie Kunz und eine mit Namen Hopp. Als bei der Namensgebung in Schrimm eine Reihe von Juden auf einmal in das Amtszimmer getreten seien, habe der Amtsvorsteher gezählt: „jedin, dwa, tri, czworo, koniec“ (polnisch: „eins, zwei, drei, vier, Schluß!“). So habe man verstanden, daß der zuletzt Eingetretene Koniec (ausgesprochen kunetz) genannt werden sollte, und auf diese Weise habe er den Namen Kunz bekommen. In gleicher Weise sei der Name Hopp entstanden, da Hopp die polnische Form sei für das deutsche „Halt“. Da die Behörde, die die Namen in Schrimm festgelegt hat, keine polnische, sondern eine preußische, und zwar deutschsprachige gewesen ist, so fragte ich den Erzähler unter Hinweis auf diese und andere Bedenken sofort: „Wo hat man das erzählt, und wer hat das berichtet?“ — „Das hat mir niemand erzählt. Das denke ich mir so,“ lautete die Antwort, „denn das kann doch gar nicht anders gewesen sein!“ Wahrscheinlich haben die Namen Hopp, auch Happ und Hoppe mit dem Handel mit Hopfen (nd. Hopp und Hoppe) zu tun. Falsche Etymologien sind; etwas anderes. Wenn z. B. der Name Struck auf französisches Astruc zurückgeführt wird, so ist das einfach ein Irrtum. Der Name gehört zusammen mit Strick und Strikter und weist auf das Gewerbe oder den Handel mit Seiler waren hin, während der nicht jüdische Name Struk oder Struck die niederdeutsche Form von Strauch ist. Wenn dagegen die Familie Dalberg erzählt, daß sie nach den Grafen Dalberg wegen deren besonderer Judenfreundschaft benannt ist, so liegt hier ebensoviel Grund vor, ihr zu glauben, wie wenn umgekehrt die Familie Wertheimer in Wertheim wegen des Widerspruchs eines Fürsten von Wertheim diesen Namen ablegen mußte und dafür den auf ihren Vater hinweisenden Namen Benario annahm. Der bekannte Künstler Schmuller in Amsterdam wurde gefragt,

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