Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 10 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- Seite 157 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 157 die im Zusammenhang mit der Bewegung zur Milderung der Urteile in den ersten Prozessen wieder Mut gewonnen haben, üben einen scharfen Terror aus. Der als Zeuge einvernommene Jude Isak Schenker wurde während der Gerichtsverhandlung von den anwesenden Studenten überfallen und schwer mißhandelt. Nur mit Mühe gelang es, ihn den Händen der Angreifer zu entreissen. Sabbatruhe in Tel-Awiw gesetzliche Pflicht Jerusalem, 2. März. (JTA.) Der Oberstaatsanwalt Palästinas hat gegen das Urteil des Jaffaer Distriktsgerichtes, welches dahin lautete, daß der in Tel-Awiw bestehende Zwang zur Sabbatruhe eine Verletzung von Artikel 15 des Palästina-Mandates bedeutet, Berufung eingelegt. Es handelt sich um den Fall des Tel-Awiwer Ladeninhabers Altschuler, der vom Munizipalgericht wegen Verletzung der Sabbathruhe durch Offenhaltung des Ladens zu einer Geldstrafe von £ 2.— verurteilt worden ist. Dieses Urteil wurde vom Jaffaer Distriktsgericht aufgehoben, wodurch die als gesetzlich geltende Sabbatruhe in Tel-Awiw in Frage gestellt worden ist. Die Verhandlung über die Berufung des Oberstaatsanwalts fand ebenfalls vor dem Jaffaer Distriktsgericht statt. Dr. Eliash, der im Namen des Oberstaatsanwalts plädierte, berief sich auf Artikel 23 des Mandates, wonach die Administration Palästinas verpflichtet sei, die kirchlichen Festtage der Gemeinschaften in Palästina als gesetzliche Ruhetage für deren Mitglieder anzuerkennen. Das Urteil ist noch nicht gesprochen worden. Zwei neue leichte Erdstöße in Palästina Jerusalem, 27. Februar. (JTA.) Am Sonntag, dem 26. Februar, wurden in Palästina zwei weitere, aber leichte Erdstöße verspürt. Es entstand kein Schaden. Die Bevölkerung ist ruhig. London, 28. Februar. (JTA.) Der Kolonienminister erhielt vom Oberkommissar in Palästina, Lord Plumer, ein Telegramm, in welchem die Wirkung der Erdstöße der letzten Tage beschrieben und festgestellt wird, daß kein Verlust von Menschenleben und auch kein großer Sachschaden zu verzeichnen sei. Feuilleton Geschichten von jüdischen Namen Von Heinrich Wir entnehmen diesen interessanten und kenntnisreichen (von uns etwas gekürzten) Aufsatz dem Heft 12 der Zeitschrift der „Gesellschaft für jüdische Familienforschung“, das daneben noch eine ganze Reihe von aufschlußreichen Artikeln enthält. Die Zeitschrift wird den Mitgliedern der Gesellschaft unentgeltlich zugestellt (Jahresbeitrag RM. 10.—, Berlin W, Potsdamer Straße 5, Dr. A. Czellitzer). Die Red. Beinahe könnte man sagen, daß die Geschichten, die von der Namensgebung erzählt werden, so alt sind, wie die Führung von Namen überhaupt. Wenigstens kennt schon, die Bibel in ihren ältesten Teilen eine ganze Reihe von Namen, die in Anlehnung an Ereignisse und Erlebnisse gegeben wären. Wenn der Name Noach damit erklärt wird, daß ihm dieser Name, der „Ruhemann“ bedeutet, von seinem Vater mit der Begründung beigelegt worden sei: „Denn er wird uns trösten von allen unsern Mühen“, so haben wir darin eine uralte Namensanekdote. Von den mehr als fünfzig solcher Namenserklärungen, die im ersten Buche Moses überliefert sind, hat der größte Teil einen ähnlichen Charakter. Und nicht anders ist es, wenn in späterer Zeit hebräische Nebi’im ihren Neugeborenen Namen beilegen, mit denen sie dem Volke, von dem sie mit diesem Namen gerufen werden sollen, etwas andeuten. Auch in der talmudischen Zeit werden an die Namen oft Anekdoten und Witze, Wortspiele und Scherzworte geknüpft und mögen zu Beinamen Anlaß gegeben haben. So wird eine der größten jüdischen Autoritäten gelegentlich einfach als „der Kahlkopf“ bezeichnet. Bibelstellen dienen als Andeutungen, die mit dem Namen in Zusammenhang stehen. In gelehrter methodischer Forschung hat Wilhelm Bacher wahrscheinlich gemacht, daß der bekannte Talmudist Ben-Bag-Bag, d,. h. der „Sohn von Bet- Gimel“ derselbe sei wie „Bar-He-He“, d. h. der „Sohn von He He“. Er bringt damit die bekannte Geschichte von dem Heiden in Verbindung, der zu Hillel und Schammai kommt, um die Thora „auf L o e w e (Berlin) einem Beine stehend“, d. h. ohne die mündliche Tradition, zu erlernen. Auf Hillels drollige Methode, ihn zur Thora „auf zwei Beinen“, nämlich zur schriftlichen und mündlichen Lehre gebracht zu haben, führt Bacher die Namen Ben-Bag-Bag und Bar-He-He zurück. Am einleuchtendsten ist die Deutung der Stelle in Kidduschin „Läw Chamnünä schimchä, ellä Karnünä, wo der Name Chamnünä als „Warmfisch“ aufgefaßt wird und ihm in „Karnünä“ ein „Kaltfisch“ entgegengesetzt wird. Diese Sitte, Namen zu deuten, in sie etwas hineinzulegen und umgekehrt in Anlehnung an Ereignisse des Tages Namen zu geben, liegt im jüdischen Volkscharakter. Diese Neigung äußert sich überhaupt in der Erfassung der Sprache als solcher, in der Freude am Formalen in ihr, an ihrem Sinne und an Vergleichungen. Daher haben wir bei den Griechen keine ähnlichen Überlieferungen über Namensgebungen im Anschluß an Ereignisse, obwohl sich auch in den griechischen Namen die Geschichte des hellenischen Volkes widerspiiegelt, ebenso wie wir bei den Hebräern oft genug Mitteilungen über Namen und Worte aus anderen Sprachen finden, während die Griechen nur auf ihre eigene Sprache geachtet und von fremden Zungen fast nichts überliefert haben. Dort nun, wo eine bekannte Namensgebung im großen vorliegt, werden solche Anekdoten am ehesten angeknüpft. Eine solche gab es vor allem bei den deutschen Juden um die Wende vom achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert, und in gewissen östlichen, eigentlich polnischen Landesteilen gegen Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Die meisten dieser Namen sind durchsichtig und ohne weiteres zu erkennen. Vor allem wiegen Landschafts- und Ortsnamen, oft mit kleinen Änderungen, biblische und andere jüdische Namen, nicht selten in der Abwandlung durch das Jüdisühdeutsche vor. Niemand wird nach Herkunft solcher Namen wie Deutsch, Franzos, Unger, Pollack oder Berliner, Hamburger, Dessauer und sogar Dessoir fragen. Auch Namen wie Freuden-