Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 10 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- Seite 154 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Das Jüdische Echo Nr. 10 Mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit wurde die Frage der Reichstagung, ihres Zustandekommens und ihrer Kompensationen nicht mehr erörtert. Es herrschte jedoch Einmütigkeit darüber, daß die Reichstagung nicht lediglich dekorativ sein dürfe, sondern Budget- und Gesetzgebungsrecht haben müsse. Auch die Frage des Namens und der Ausschüsse wurde vertagt. Was den Namen anbelangt, so war eine Strömung deutlich erkennbar, die neue Organisation eventuell als Verband jüdischer Landesverbände Deutschlands“ zu bezeichnen. Hiergegen wehrte sich Dr. Klee, der dringend bat, unter allen Umständen die Bezeichnung „Reichsverband der deutschen Juden“ beizubehalten. Einmütig war die Auffassung, daß die Weüterberatung der noch unerledigten Punkte mit Rücksicht auf die vielen sich ergebenden Schwierigkeiten nicht überstürzt werden solle, zumal durch die Arbeitsgemeinschaft ein Provisorium geschaffen sei, das den Vorteil habe, auf praktischen Arbeitsgebieten eine gemeinsame Tätigkeit einzuleiten. Voraussichtlich wird deshalb eine neue Tagung nicht vor April oder Mai stattfinden. Umschwung in Palästina Sir Alfred Mond — ein Mann, dessen Autorität in Wirtschaftsfragen auch von seinen politischen Gegnern in England nicht angezweifelt wird — hat in mehreren Berichten und Interviews aus den letzten Wochen ein außerordentlich optimistisches Bild der palästinischen Situation gegeben. Und Weizmann, dem gewiß niemand Schönfärberei vorwerfen kann, hat auf einem vor wenigen Tagen anläßlich seiner bevorstehenden Abreise nach Amerika abgehaltenen Bankett diese Auffassung Monds in vollem Umfang bestätigt, ebenso wie Kolonei Kisch, der Leiter der Palästinaexekutive der zionistischen Organisation, der bei dieser Gelegenheit davon sprach, daß sich die Lage in Palästina in den letzten Wochen vollkommen verändert habe. Wenn irgend etwas imstande ist, dieses freundliche Bild zu trüben, so sind es die Nachrichten über ein neues Erdbeben in Palästina, das indessen keinen großen Schaden angerichtet zu haben scheint, und in den allerletzten Tagen die Meldungen über Unruhen in Arabien. Zwar ist bis jetzt unsicher, ob es den Engländern gelingt, den Konflikt im Keime zu ersticken oder wenigstens zu lokalisieren; bei der Geschicklichkeit jedoch, die die englische Diplomatie bei ihren Verhandlungen mit den orientalischen Fürsten immer an den Tag gelegt hat, darf man sicher erwarten, daß Palästina nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Entwicklung in Palästina, die sich in den letzten Wochen angebahnt hat, dürfte also ohne wesentliche Störung weitergehen. Die Elektrifizierung des Landes, die bereits große Fortschritte zu verzeichnen hat, wird durch die Anlage einer neuen zentralen Kraftstation Ruthenbergs an der Jarmukmündung eine bedeutende Förderung erfahren und, obwohl ihre Rentabilität einerseits von dem Kraftbedarf der Industrie abhängt, doch auch anderseits zur weiteren Industrialisierung beitragen; die Orangenpflanzungen werden andauernd vermehrt — auch Alfred Mond soll sich an einer Pflanzungsgesellschaft finanziell beteiligt haben —; der Hafenbau in Haifa wird in absehbarer Zeit, vermutlich im Oktober, aufgenommen werden und Palästina den größten Hafen des Mittelmeeres verschaffen. Ein anderes Projekt, das kurz vor der Verwirklichung steht und unübersehbare Perspektiven eröffnet, ist das der Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres. Die Konzession wird sicherlich in den nächsten Wochen endgültig einem jüdischen Konsortium erteilt werden. Bereits in den letzten Monaten war eine bedeutende Besserung der Handelsbilanz zu konstatieren; auch der private Kapitalmarkt hat sich so erweitert, daß die Situation für die in Tel-Awiw konzentrierte Industrie bedeutend leichter und ihre Aufnahmefähigkeit für Arbeiter größer geworden ist. Dazu kommt ferner, daß in diesem Jahre die Touristensaison besonders günstig zu werden verspricht; man meldet z. B. aus Jerusalem, daß am 21. Februar die Cookgesellschaft gezwungen war, wegen Überfüllung der Hotels in Jerusalem fünfzig Touristen, größtenteils Juden, in Tel-Awiw unterzubringen. Die Zahl der Arbeitslosen, die schon in der letzten Zeit stark zurückgegangen war — während man im Anfang des Jahres etwa achttausend zählte, sind es heute nur noch etwa viertausend —, wird durch all diese Arbeiten noch weiter abnehmen; die Arbeitslosenunterstützung kann sogar bereits jetzt eingestellt werden. Das sind zweifellos Anzeichen für einen gründlichen Umschwung in Palästina, die beachtet sein wollen. Es wird die Aufgabe der zionistischen Exekutive sein, nichts zu unterlassen, was diesen Umschwung befördern und einen neuen Aufschwung herbeiführen kann; vor allem wird sie in ihren Verhandlungen mit der Palästinaregierung wegen der verschiedenen in Angriff genommenen Reformen auf dem Gebiete der Besteuerung und der Wirtschaftsgesetzgebung nicht locker lassen dürfen. Darüber hinaus aber muß man von ihr D e r n e u e AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf51355 MÜNCHEN Sonnenstr.19