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Das jüdische Echo · 1928-03-09 · 10 (9.3.1928) · p. Seite 152

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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152 Das Jüdische Echo Nr. 10 gewaltiger Apparat fachlicher Ausbildung und Produktivizierung — von der Erziehung zum Gemeinschaftsleben abgesehen —, das seinesgleichen in der jüdischen Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit vergeblich sucht, insbesondere wenn man die wenigen Pfennige in Betracht zieht, mit denen das Ganze aufgebaut worden ist. Und es darf auch die Kultur, insbesondere die Hebräisierungsarbeit nicht außer acht gelassen werden, die da geleistet wird. Die Chaluzbewegung ist die einzige in der Galuth, die mit dem Hebräisierungsprozeß ihrer Mitglieder Ernst gemacht hat. 64 Prozent von hebräisch Sprechenden unter ihren Mitgliedern, ein eigenes, seit Jahren ununterbrochen erscheinendes hebräisches Organ, rigoroseste Durchsetzung des Prinzips der hebräischen Amtssprache nicht nur nach außen hin, sondern auch im Verkehre mit eigenen Mitgliedern — dies sind die Ergebnisse einer jahrelangen zähen Erziehungsarbeit, die auch den Hebräisierungsprozeß in der Galuth aufs Nachhaltigste beeinflussen muß. Doch .genügt es nicht, absolute Maßstäbe anzulegen, um den Wert des durch die Chaluzbewegung Erreichten richtig einzuschätzen. Die revolutionierende Wirkung der Bewegung sowohl auf dem Gebiete des ökonomischen als auch des kulturellen Umbaues der jüdischen Volksmassen, insbesondere im Osten Europas, tritt doppelt stark zutage, stellt man sie mit anderen auf dasselbe Ziel gerichteten Bestrebungen zusammen, denen aber der Hintergrund des nationalen bzw. gesellschaftlichen Ideals fehlt. Auf den frappanten Gegensatz zwischen den geringen Resultaten der mit einem kolossalen Einsatz von Geldmitteln durch eine ganze Reihe von Institutionen und' Gesellschaften Ica, Joint, Orth, Emigdirect usw. geführten Produktivierungsarbeit und den Ergebnüssen der Tätigkeit des Hechaluz, die mit Pfennigen erreicht worden sind, habe ich an anderer Stelle hingewüesetn, hier sei nur verzeichnet, daß die Hechaluzorganisation als solche kein eigenes liquides Vermögen besitzt. Sie ist fast ganz auf die karge und nie auch nur halbwegs regelmäßig und voll ausgezahlte Stütze der Zionistischen Organisation und darüber hinaus auf eigene spärliche Sammlungen angewiesen. Erst im letzten Jahre ist es gelungen, das amerikanische Hilfskomitee für die Arbeit des Hechaluz zu interessieren und zu einer geringen Subvention in Form von Darlehen an einzelne wirtschaftliche Betriebe zu veranlassen. Daß es unter solchen Bedingungen trotzdem gelungen ist, viele Tausende von Leuten zur produktiven Arbeit hinüberzuführen und daß der Prozentsatz der Zurücktretenden — im Gegensatz zu den sonst „Produktivierten“ — ein überaus geringer ist, ist einzig und allein der Kraft der inneren Überzeugung zuzuschreiben, die auch auf dem Gebiete des ökonomischen Lebens bahnbrechend! wirken kann und vielleicht auch den einzigen Weg bedeutet, der aus der Tragik des heutigen jüdischen Wirtschaftslebens hinauszuführen geeignet ist. Dasselbe gilt vielfach auch für diie Kulturarbeit des Hechaluz. Der Apparat der hebräischen Kulturorganisation im Osten Europas — in erster Reihe in Polen — ist trotz seiner bedeutenden quantitativen Entwicklung dem wahren Volksleben bisher fremd geblieben, und dile Resultate seines Deutsche Neuwäscherei O.m.h.H. FEIilX BRANDNER » MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 21 o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kraeen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8 Tage Wirkens sind keineswegs ermutigend. Mit „reiner“ Kulturarbeit, die ohne Zusammenhang mit dem realen tagtäglichen Leben und in ihrer Arbeitsmethode vielfach die alten Maskiiim kopiert, ist eben nichts anzufangen, wenn der Hebräisierungsprozeß tatsächlich ein Volksprozeß werden soll. Der Umbau des geistigen Habitus kann und darf bei der Änderung der Sprache nicht halt machen und muß sich mit ganz bestimmten ökonomischen und sozialen Bestrebungen kombinieren, die geeignet sind, die gewaltige Kraft der inneren Überzeugung und der Begeisterung in der Volksmasse auszulösen. In dieser Beziehung hat der Hechaluz und auch manche Jugendbewegung im Osten Europas seine Aufgabe viel richtiger verstanden, als so manche berufene und unberufene Führer der hebräischen Kulturbewegung und ist auch daher zu ganz anderen, viel dauernderen und viel eingreifenderen Resultaten gekommen. Und noch zwei Tatsachen, die sich, ich muß es sagen: leider, nicht voll in Ziffern ausdrücken lassen, aber trotzdem unbedingt auf das Aktivkonto der Chaluzbewegung gebucht werden müssen. Erstens einmal die Bedeutung des Hechaluzgedankens im System der zionistischen Erziehung. Man mag über den Wert oder Unwert der verschiedenen Erziehungsmethoden verschiedener Meinung sein, eins steht aber fest, die zweckmäßigste ist sicher diejenige, die sich am tiefsten ins Seelenleben des einzelnen eingräbt und den Unterschied zwischen dem gegenwärtigen und dem ersehnten Zustand am grellsten vor Augen führt. Der Zionismus ist ein radikaler Umbauprozeß der ganzen ökonomischen, geistigen und politischen Struktur des gegenwärtigen jüdischen Lebens. Kann es nun eine wirksamere Erziehungsmethode zum Verständnis eines derartigen Zieles und zur Mobilisierung aller Kräfte im Prozeß der Verwirklichung geben, als den tatsächlichen Bruch zu einem ganz anders geartetem wirtschaftlichen und kulturellen Leben. Wahres Pioniertum kann nur unter solchen Bedingungen entstehen. Weder eine noch so intensive zionistische Propaganda in Wort und Schrift, noch auch materielle Opfer können je derartige Resultate erzielen. Dem Masser des Vermögens stellt die Hechaluzbewegung das Opfer des ganzen Lebens gegenüber, und in diesem Kampfe muß sie die Siegerin bleiben. Und zweitens: Die Rolle des Hechaluzgedankens in der jüdischen Jugendbewegung. Es kann nicht nachdrücklich genug betont werden, daß wir einzig und allein diesem Gedanken die Rettung unserer Jugend zu verdanken haben. Aus dem lange Jahre hindurch drohenden Dilemma: entweder Übergang zu dem in mannigfacher Beziehung so verlockenden Kommunismus oder aber trauriges Verflachen im öden Sumpf des tagtäglichen Lebens oder des Karrierismus, bedeutete der Hechaluz den einzigen erlösenden Weg. Die insbesondere in den letzten Jahren vielfach unternommenen Versuche, eine von sozialen Strebungen freie, „rein nationale“ Jugendbewegung zu schaffen, waren von Anfang an zum Mißerfolg verurteilt und sind denn auch tatsächlich alle geschelltert. Kein Wunder. Im heutigen Leben, das von gesellschaftlichen Kämpfen und Strebungen ganz durchsetzt ist, kann kein Impuls zum großen Handeln kommen, der die soziale Seite welcher Frage auch immer außer acht lassen will. Unklare, oft auch verzerrte, dem sozialen Streben des besten Teiles der Menschheit widerstrebende Losungen werden kaum je einen Strom der Begeisterung auslösen und eine Jugendbewegung auf die Dauer erhalten.

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