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Das jüdische Echo · 1928-03-09 · 10 (9.3.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 10 9. März 15. Jahrgang Zehn Jahre Hechaluz Von Dr. Ch. Tartakower Wenn wir auch nicht mit allen Formulierungen des nachstehenden Artikels einverstanden sind, so glaubten wir doch anläßlich des zehnjährigen Bestehens dieser so wichtigen jüdischen Organisation einem Vertreter des Hechaluz selbst das Wort geben zu sollen. Die Red. Es klingt fast selbstverständlich, daß in der gegenwärtigen Periode der „Umwertung aller Werte“ im zionistischen Denken, einer Periode, die an Übertreibungen gleich reich ist, wie an Unterschätzungen, in der so manches Zweitrangige zum Primären aufgebauscht, dafür aber viel Großes, Einzigartiges fast nur mehr verächtlich betrachtet wird, ein Jubiläum fast unbemerkt geblieben ist, das in die gegenwärtig herrschende Einstellung nur wenig paßt, das Jubiläum der Chaluzbewegung. Fast genau zehn Jahre sind es her, seit dem Joseph Trumpeldor in das seit Kriegsbeginn abgeschlossene Rußland die Kunde von dem neuen Geschehen in Palästina brachte, zur Eroberung des Landes durch jüdische Arbeit aufforderte, einen Sturm der Begeisterung in der Jugend auslöste und in fieberhafter Eile, von Stadt zu Stadt, von Provinz zu Provinz, mitten in den Stürmen, der russischen Revolution hastend, das erste Heer der Chaluzim, die Vorläufer der dritten Alijah, ofganisierte, um schließlich nach unzähligen Abenteuern mit einer Schar Auserlesener ins Land zu gelangen und dort in Tel Chaj den Heldentod zu finden. Die Bewegung ist seit jener Zeit keinen Augenblick zum Stillstand gekommen. Von Rußland griff sie sofort nach Polen, nach Rumänien, nach Österreich hinüber. Immer weitere Kreise wurden in ihren Bann gezogen. Mit Ausnahme des Endziels, das durch Trumpeldor gesteckt worden war, war allerdings faist alles am Anfang unklar. Organisierung und Arbeitsmethoden, der Weg der fachlichen Vorbereitung und Immigration, Lebens- und Schaffensfreude der Mitglieder. Man arbeitete ohne einen auch nur halbwegs befriedigenden Organisations¬ und Ausbildungsapparat. Und doch ging es immer weiter stürmisch vorwärts. Bereits auf der ersten Weltkonferenz des Hechaluz, die knapp vor dem 12. Kongreß, August 1921, in Prag zusammentrat, waren die Organisationen aus Rußland, Polen, Litauen, Österreich, OSR. und Konstantinopel vertreten, Auf der zweiten im März 1923 in Berlin kamen noch Ostgalizien und Deutschland, auf der dritten, März 1926 in Danzig, Lettland und Bulgarien hjnzu. Gewaltig wuchs auch die Zahl der Mitglieder. Mit einigen paar Hundert fing man an, 1923 waren es 5 470, 1924 15 363, 1925 33 103, 1926 begann im Zusammenhänge mit der Lage im Lande und den immer größer werdenden äußeren Schwierigkeiten ein vorübergehender Abbröckelungsprozeß, der jedoch seit längerer Zeit zum Stillstand gekommen ist, und heute stellt die Bewegung mit ihren 18 520 Mitgliedern ein festgefügtes und gut organisiertes Heer dar, bereit, jederzeit aufzubrechen und das große Werk der Eroberung des Landes durch jüdische Arbeit fortzusetzen. Worin besteht eigentlich die Bedeutung des Hechaluz in der Geschichte der jüdischen Wiederaufbaubewegung in den letzten Jahren? Wie gesagt, wir leben jetzt in einer Periode, wo Imponderabilien gar wenig in Betracht kommen, wo ein jeder, der mit etwas anderem als Tatsachen und Ziffernmaterüal, hauptsächlich Geldziffern kommt, von einem jeden „Sachverständigen“ — und jeder zweite unter uns ist ja bekanntlich ein Sachverständiger — mit Verachtung angesehen wird. Ich muß mich notgedrungen dieser Auffassungsweise anpassen und werde mit Ziffern anfangen. Zunächst einige Ziffern aus dem Gebiete der Palästinaarbeit, die vielen unter uns bekannt sein dürften. Vor dem Weltkriege gab es in Palästina kaum 3000 jüdische Arbeiter, jetzt sind es über 30 000, die Zahl hat sich also verzehnfacht, vor dem Krieg gab es kaum ein Dutzend in überwiegender Mehrzahl kleiner Siedlungen der zionistischen Organisation, jetzt sind es zirka 50 bis 5000 Seelen. Vor dem Weltkriege war der ganze Emek, in alten Zeiten eine der schönsten und dichtestbesiedelten Teile des Landes, — eine weite, öde, gottverlassene und versumpfte Fläche, hie und da durch kleine, blutarme Fellachendörfer unterbrochen. Heute ist es wiederum der blühendste und schönste Teil des Landes, die Krone der jüdischen Siedlungsarbeit in Palästina. Vor dem Weltkriege war der Gedanke der Eroberung der Arbeit in den jüdischen Kolonien nach einer ganzen Reihe mißlungener Versuche fast ganz auf gegeben worden. Heute sind in den Kolonien 4000 jüdische Arbeiter konzentriert, die unter den schwersten Bedingungen, ohne ein Existenzminimum zu erreichen, standhalten und — wenn man nach der gegenwärtigen Einstellung urteilen kann, auch standhalten werden. Vor dem Weltkriege gab es außer Landarbeitern fast keine jüdischen Facharbeiter im Lande, heute haben wir eilnes der wichtigsten Gebiete der Aufbautätigkeit, die Bauarbeit, fast ganz erobert. Tausende von jüdischen qualifizierten Arbeitern sind in den verschiedensten Industriebetrieben beschäftigt, fast kein einziger Arbeitszweig im Lande ist der jüdischen Arbeit verschlossen geblieben. Fast all dies ist der Chaluzbewegung zu verdanken. Aus ihren Kreisen ist die überwiegende Mehrzahl der neuen Arbeitereinwanderer gekommen, sie hat die Erlöser des Emek von Malaria und von Verwüstung gestellt, von ihr ist die Losung der Eroberung aller Arbeitszweige im Lande ausgegangen. Die ganze Entwicklung der letzten Jaihre in Palästina wäre unmöglich gewesen, hätte es keine Chaluzbewegung gegeben. Gehen wir nun zum Organisationsapparat in der Galuth über. 4140 Mitglieder in kollektiver landwirtschaftlicher Ausbildung, 103 landwirtschaftliche und Arbeitsgenossenschaften, 19 eigene landwirtschaftliche und 16 städtische Fabrikbetriebe, ein

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