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Das jüdische Echo · 1928-03-02 · 9 (2.3.1928) · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
9 (2.3.1928)
Date
1928-03-02
Page
Seite 142 (sequence 18)
Language
German
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142 Das Jüdische Echo Nr. 9 Überdruß vorgesetzt erhält, und in denen in billigster und abgeschmacktester Weise in üblem Gemauschel dem Gefallen eines minderwertigen Publikums Rechnung getragen wird. In der vorliegenden Sammlung dagegen handelt es sich um ursprünglichen, ganz im ostjüdischen Milieu verwurzelten Humor, der eben entstehen konnte durch die bei ihnen besonders ausgeprägte Neigung, der Umwelt und den Mitmenschen die jeweils eigenartig-komische Seite abzuschauen. In häufig wiederkehrender Weise sind es dieselben Typen, die zur Satire und zur Verulkung Anreiz geben, der Schadchen, der Reiche, der Schnorrer, die an sich schon lachhafte Gestalt eines jüdischen Diebes, der Wunderrabbi usw. Aber auch individualisierte Schwankgestalten treten auf, an die sich eine Fülle grotesker Erzählungen und Streiche knüpfen. Namen wie Herschel Ostropoler und Mottke Chabad mit ihren zahlreichen Späßen oder die Bürger von Chelm, die an Geist mit ihren Schildaer Kollegen wetteifern. Wir glauben, daß diese neue Sammlung allen Freunden echten Humors viel Freude machen wird. Die Disputation In einer jüdischen Gemeinde ließ der Gutsherr, von dessen Wohlwollen die Juden abhingen, bekannt machen, der katholische Priester wolle mit den Juden eine Disputation in hebräischer Sprache abhalten; der Geistliche erkläre, besser Hebräisch zu können, als alle Juden; daher müßten die Juden einen Mann für diese Disputation stellen. Einer würde den anderen fragen und wer das erste Wort nicht wisse, dem werde der Henker den Kopf abschlagen. Wenn die Juden jedoch keinen Mann zur Disputation stellen, so würden sämtliche Juden der Gemeinde getötet werden. Dieser Erlaß schuf in der Judengemeinde panischen Schrecken. Was tun? Weiß der Teufel, am Ende kann der Pfaff wirklich was! Und wenn er nun eine Frage stellt, die der Jude nicht beantworten kann, kommt ein unschuldiger Jude ums Leben. Es wurde eine Versammlung der ganzen Gemeinde in die Synagoge einberufen, um einen Delegierten für die Disputation zu wählen. Aber niemand wollte die Wahl annehmen. Da steht ein Fuhrmann auf, ein Amhoorez1, wie er im Buche steht, und sagt: „Was 1 Unwissend im religiösen Schrifttum. INCHCN Wni /Z£/' SCHELUNGSTASSE 39 / TELEPHO N 23741 / 2907 kann das schaden? Ich gehe, ich hab’ vor Pfaffen nie Angst gehabt!“ Alle widersprachen: „Das ist nicht möglich, wie kannst du hingehen? Du bist doch ein Am-hoorez, wie es keinen größeren gibt!“ Aber der Fuhrmann ließ sich nicht von seinem Vorhaben abbringen und schließlich ließ die Gemeinde dem Gutsherrn sagen, der Fuhrmann Itsche sei der Mann, den sie für die Disputation mit dem Geistlichen stelle. Am nächsten Tag fand die Disputation auf dem Schloß des Gutsherrn statt. Eine ungeheure Menschenmenge, Adelige, Geistliche, Bauern und natürlich die ganze Judengemeinde hatten sich versammelt. Rechts steht der Geistliche, links der jüdische Fuhrmann, in der Mitte der Henker mit erhobenem Beil. Der Jude hat die erste Frage; er fragt den Geistlichen: „Was heißt enejni jodea?2“ — „Ich weiß nicht“ — antwortet der Geistliche. Wie der Henker das Wort „ich weiß nicht“ hört, schlägt er dem Geistlichen den Kopf ab. Jubel bei den Juden; Itsche, der Fuhrmann, hat die Gemeinde gerettet! Nun wird der Retter gefragt: „Wie bist du auf diese gescheite Frage gekommen, du bist doch im Schrifttum ein Tölpel?“ — „Ganz einfach!“ — antwortet der Fuhrmann — „Ich hab’ als Kind einen Rebben3 gehabt, den hab’ ich einmal gefragt, was ,enejni jodea4 heißt, da hat er gesagt: ,ich weiß nicht4. Nun — wenn es der Rebbe selber nicht weiß, wird’s da der Pfaff wissen?“ Der gelehrige Schadchen Ein alter Schadchen wollte sich zur Ruhe setzen und führte seinen Sohn in die Geheimnisse des Berufes ein. Er nahm ihn überall mit, damit der Sohn lerne, wie man eine Heirat zustande bringt, und gab ihm allerhand Winke und gute Lehren. Vor allem schärfte er ihm ein: „Ein Schadchen muß immer übertreiben. Wenn ein Mädchen, sagen wir, tausend Rubel Mitgift hat, muß der Schadchen sagen, sie hat dreitausend. Von nun ab wirst du, wenn du mit mir gehst, alles, was ich sage, bekräftigen und dabei ordentlich übertreiben; daraus werden ich erkennen, ob du für den Beruf taugst.“ Der Junge prägte sich das gut ein. Einmal kam er mit seinem Vater zu einem reichen Juden, um ihm eine Partie für seinen Sohn anzutragen. Zuerst legte, wie gewöhnlich, der Alte los: „Sie müssen wissen, das Mädchen ist aus einer vornehmen Familie.“ Darauf der Junge: „Was heißt vornehme Familie? Jüdische Adelige!“ — „Die Leute sind reich.“ — „Was heißt reich? Milliardäre!“ — „Und das Mädchen ist gar nicht übel.“ — „Was heißt nicht übel? Eine bekannte Schönheit.“ — „Nur einen kleinen Fehler hat sie“ — fügt der Alte hinzu — „sie hat ein ganz kleines Höckerchen.“ — „Was heißt Höckerchen“ — „einen Buckel, so groß wie ein Berg!“ Das Testament Der reichste Jude der Stadt ist gewöhnlich das größte Schwein. So auch der, von dem ich hier erzähle; ein Almosen oder ein Darlehen von ihm zu bekommen, kostete Schweiß und Blut. Eines Tages wurde dieser Reiche schwer krank. Der Bader und der Arzt wurden gerufen, doch es wurde immer ärger. Der Reiche fragte den Doktor, wie es stünde; der antwortete: „Da gibt es nur 2 Hebräisch „ich weiß nicht“. 3 Lehrer (Melamed).

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