Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- Seite 141 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103081-9156869--08294-9081029- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 9 Das Jüdische Echo 141 die Schüssel Brei mit dem Stück Brot auf den Fußboden, und der Truthahn begann zu fressen. Am nächsten Morgen geht der Porusch zum Rektor und sagt ihm, daß er nun einen Kostgänger habe; früher pflegte er immer ein wenig von seinem Brei übrig zu lassen; heute sei es ihm aber so, als hätte er davon gar nicht gekostet Der Rektor sieht sein hungriges Gesicht und sagt, daß er es dem Rabbi Chaim Vital melden werde, damit er zu Gott bete, daß er vom bösen Geist erlöst werde. Indessen werde er Befehl geben, daß man ihm täglich zwei Schüsseln Brei und zwei Stück Brot hinaufbringe, damit es für beide reiche. Als man Rabbi Chaim Vital im Namen des Rektors die Geschichte vom Kostgänger meldete, schüttelte er wieder den Kopf, seufzte und sagte: „Jetzt fängt es erst an!“ Nun bekommt der Porusch doppelte Portionen. Er wird satt, und auch der Truthahn wird satt. Der Truthahn wird sogar fett. Und nach ein paar Wochen gewöhnte sich der Porusch schon so sehr an den Truthahn, daß er jeden Tag zu Gott betete, es möchte ihn doch ein Reicher zum Purim einladen, damit er den Truthahn nicht zu opfern brauchte. Wie gesagt, geschah es nach seinem Wunsch. Einer der reichsten Bürger hatte ihn zum Purim eingeladen. Und da gab es nicht nur Truthahnbraten, sondern auch allerlei andere gute Speisen und Getränke, wie es ein König vermochte. Es kamen auch gute Purimspieler hin, um den Hausherrn mit seiner Familie und alle Gäste, die zu ihm abends nach dem Purimmahl gekommen waren, zu erfreuen. Und unser Porusch war guter Dinge, trank und aß nach Herzenslust; vielleicht trank er sogar mehr als er aß, denn der Wein war süß und würzig und erwärmte ihm das Herz und die Glieder. Und plötzlich wurde es ganz anders. Es begann das Purimspiel von Achaschwerosch und Esther... Die Königin Waschti will nicht den Wunsch des Königs erfüllen und vor den Gästen so, wie sie Gott erschaffen hatte, erscheinen... Und bald darauf findet Esther Gnade in den Augen des Königs... Man übergibt sie dem Hüter der Weiber... Sechs Monate wird sie mit Myrrhen gesalbt und sechs Monate mit anderen Spezereien. Und unserem Porusch wird es plötzlich so heiß in allen Gliedern und finster vor den Augen und eng im Herzen. Und in der Finsternis flogen vor seinen Augen rote Bänder und Flammenzungen, und ihn überkam plötzlich eine starke Begier, heimzukehren auf den Dachboden der Jeschiwe, in seine Kammer, in seinen stillen Winkel... zum Truthahn ... Und er konnte es nicht aushalten, sprang noch vor dem Tischgebet auf und lief nach Hause. Er kommt in seine Kammer, blickt in den Winkel, wo der Truthahn gesessen hatte, und erstarrt: der Truthahn hat sich in ein Weib verwandelt; in ein Weib, so schön von Angesicht, wie es die Welt noch nie gesehen hat. Und er erzittert am ganzen Leib. Und das Weib geht auf ihn zu und umschlingt mit ihren weißen, warmen, bloßen Armen seine.n Hals, und der Porusch zittert noch mehr Pianino modernes, kreuzsaitiges, mit schönem Klang, gebraucht, nur 850 RM., auch Blüthner- Piano klangschönes, tadelfreies f. 1200 RM. zu verkaufen, auch gegen gegen kleine Monatsraten kleine Monatsraten Pianohaus Alfred Schmid Pianohaus Alfred Schmid Nachfolger Nachfolger München / Residenzsir. 7 München / Residenzsir. 7 gegenüber der Hauptpost gegenüber der Hauptpost und fängt zu flehen an: „Nur nicht hier, nur nicht hier, es ist eine heilige Stätte, heilige Bücher liegen hier herum.“ Sie flüstert ihm aber ins Ohr, daß sie die Königin von Saba sei, daß sie ganz in der Nähe der Jeschiwe, im hohen Schilf am Flusse ihren kristallenen Palast habe, den ihr einst König Salomo geschenkt hatte... Und sie zieht ihn mit, daß er zu ihr in ihren kristallenenPalast mitkomme. Er wankt und geht... Am nächsten Morgen war der Porusch verschwunden. Als man das Rabbi Chaim Vital hinterbrachte, sagte er, man möchte das Flußufer absuchen. Und man fand ihn mehr tot als lebendig im Schilfe ... Man rief ihn ins Leben zurück, aber von nun an begann er zu trinken ... Und Rabbi Chaim Vital sagte, daß das von seiner großen Sehnsucht nach der Königin von Saba käme, solange er trinke, sehe er sie. Man solle ihm das ganze Jahr das Trinken nicht verwehren, das ganze Jahr mit Ausnahme des Tages von Purim; denn am Purim sei ihr eine große Gewalt über ihn gegeben. Daher kommt eben das Sprichwort: „Das ganze Jahr betrunken und am Purim nüchtern.“ Jüdische Schwänke Wir bringen nachfolgend einige Stücke aus dem im Verlag R. Löwit (Wi$n) erschienenen Buch: Jüdische Schwänke, das eine recht umfangreiche Sammlung köstlichen jüdischen Humors enthält. Zugrunde gelegt ist im wesentlichen das schon früher in jiddischer Sprache erschienene Buch „Rosinkes und Mandeln“ von Dr. Olsvanger. Die Herausgeber und Übersetzer Dr. Max Präger und Dr. Siegfried Schmitz haben sich bemüht, durch sorgfältige Übersetzung, Auswahl und Bearbeitung auch dem deutsch - jüdischen Leser ostjüdischen Witz und Laune zugänglich zu machen. Streng zu scheiden ist diese Gruppe von „Witzen“ von jener, die man vielfach unter der Bezeichnung „jüdischer Witz“ in Kabaretts und ähnlichen Unternehmungen geradezu bis zum Renault Audi die führenden Weltmarken Mototechnische Ges., K.-G. München / Odeonsplatz 12 Telephon 26397 und 20654