Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 135 des Landes verweisen wolle. Amery erwiderte, der Oberkommissar beherrsche die Situation vollkommen. Colonel Howard Bury fragte, ob Nowomeysky die Garantie gegeben habe, daß er über genügend Kapital verfügt, um die ihm verliehene Tote-Meer- Konzession ausnutzen zu können und ob dieses Kapital britisch sei. Amery erwiderte, er sei nicht in der Lage, diese Fragen zu beantworten. Howard Bury sagte dann, die Tatsache dieser Konzession rufe einen schlimmeren Skandal hervor als die seinerzeitige Ruthenberg-Konzession es getan habe und sie werde unter den Arabern Unmut hervorrufen. Der Sprecher des Hauses rief den Redner zur Sache. Der Kommunist Saklatvala fragte, ob der Minister nicht den Namen des jüdischen Kommunisten in Palästina nennen wolle, der vor kurzem zur Landesverweisung und außerdem zu 12 Peitschenhieben verurteilt worden war. Minister Amery erwiderte: Weder ich noch der Oberkommissar, den ich telegraphisch befragt habe, wissen etwas davon, daß ein jüdischer Häftling in Palästina seit dem Bestehen der britischen Okkupation je der Prügelstrafe unterworfen worden war. Damit schloß die Debatte. Neues Erdbeben in Palästina Häuser in Jerusalem beschädigt, die Allenby- Jordanbrücke unpassierbar, keine Menschenopfer Jerusalem, 23. Februar. (JTA.) Palästina wurde abermals von einem starken Erdbeben heimgesucht, das verhältnismäßig geringen Schaden anrichtete und auch keine Menschenopfer gefordert hat. Am Mittwoch, dem 22. Februar, 3 Uhr morgens, wurde der erste Stoß verspürt, der nur gering war und nur in gewissen Gegenden wahrgenommen worden ist. Um 7 Uhr 50 abends aber erfolgte ein zweiter sehr starker Stoß, der im gesamten Lande verspürt worden ist. In Jerusalem, Jericho und Tel-Awiw wurden meherere Häuser beschädigt, von denen einige unbewohnbar geworden sind. Das Gebäude der hebräischen Universität zu Jerusalem weist an mehreren Stellen Sprünge auf. Die über den Jordan führende Allenby-Brücke wurde so stark beschädigt, daß der Verkehr über sie eingestellt werden mußte. Der Bevölkerung in Jerusalem und im ganzen Lande bemächtigte sich große Besorgnis, es trat aber bald Beruhigung ein, da die Stöße sich nicht wiederholten. Menschenleben sind nirgends zu beklagen, auch Verletzungen kamen nicht vor. Jerusalem, 24. Februar. (JTA.) Der am Mittwoch, dem 22. Februar, 7 Uhr 50 Minuten abends, erfolgte zweite Erdstoß hat außer in Jerusalem, Jericho und Tel-Awiw auch in den Städten Hebron, Haifa, Afuleh, Acco, Ludd, Tiberias, Nazareth, Nablus, Ramleh und in anderen Orten großen Schaden verursacht; überall wurden mehrere Wohnhäuser, sowie Regierungs- und Magistratsgebäude mehr oder weniger schwer beschädigt und unbewohnbar gemacht. In zahlreichen Orten verbrachten Araber wie Juden die Nacht vom 22. zum 23. Februar im Freien, da sie eine Wiederholung der Erdstöße und einen Ein¬ Deutsche Neuwäscherei m.b.H. FELIX BRAIVI>i\ER * MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfw*schanstalt für Herren-Plättaräsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage stürz der Häuser befürchteten. Die Telephonverbindungen sind an vielen Stellen des Landes gestört. Menschenleben sind nirgends zu beklagen. Nur in der Jerusalemer Altstadt hatte eine Frau, die durch den Erdstoß einen Nervenschock erlitt, eine Frühgeburt. Das in der Renovierung befindliche, seit dem Erdbeben im Juni unbenutzte Regierungsgebäude auf dem Ölberg wurde abermals beschädigt. Aus der jüdischen Welt Eine internationale Blamage für den hakenkreuzlerischen österreichischen Skiverband Wien, 22. Februar. (JTA.) Der „Österreichische Skiverband“, der durch jüdische Leistungen groß geworden ist, hat bekanntlich den Arierparagraphen eingeführt, weshalb er die Vertretung des österreichischen Skisports im internationalen Verband an den unpolitischen Allgemeinen Österreichischen Skiverband abgeben mußte. Das ist nach einer scharfen Kritik an dem österreichischen Skiverband im Jahre 1925 in einem Kongreß in Labti in Finnland geschehen. Um aber den Mitgliedern des Österreichischen Skiverbandes bei den eben beendeten Olympischen Winterspielen in St. Moritz doch die Startmöglichkeit zu geben, wurde hier nach langen Kompromißverhandlungen die sogenannte „Österreichische Skidelegation“ geschaffen. Dies wurde jetzt beim internationalen Skikongreß in St. Moritz zwar von der Fis (Federation Internationale de Ski) aufgenommen, doch wurde folgender von den deutschen und französischen Vertretern formulierter Antrag angenommen: „Ein Skiverband, der sich weigert, Ski- Organisationen aus Gründen der Konfession und der Rasse aufzunehmen, kann nicht Mitglied der Fis sein.“ Die Numerus-Clausus-Vorlage vom ungarischen Parlament angenommen Budapest, 24. Februar. (JTA.) Im Abgeordnetenhaus wurde heute die Generaldebatte über den Numerus clausus beendet und die Abstimmung vorgenommen. Die Abstimmung, die mit Namensaufruf erfolgte, ergab, daß von 245 Mitgliedern des Hauses 171 anwesend waren, demnach 74 Abgeordnete, also fast ein Drittel, fehlten. Für die Annahme der Regierungsvorlage stimmten 139, dagegen 32 Abgeordnete. Die meisten Mitglieder der Regierungspartei stimmten für die Revision, während die Rechtsliberalen und die Mitglieder der christlichen Wirtschaftspartei gemeinsam mit der Opposition dagegen stimmten. Die Abstimmung ging unter lärmenden Äußerlichkeiten vor sich. Die abstimmenden Abgeordneten wurden je nach ihrer Parteistellung von den Gegnern mit höhnischen Zurufen begrüßt. Ein jüdischer Professor begeht Selbstmord vor seinen Schülern Budapest, 23. Februar. (JTA.) In einem Klassenraum des Gymnasiums der Budapester jüdischen Gemeinde hat der Professor für klassische Sprachen, Leo Bruck, während er auf dem Katheder saß und zu seinen Schülern sprach, Selbstmord begangen. Kurz nach Beginn des Unterrichts verlangte er ein Glas Wasser, mit dem er eine große Dosis Veronal einnahm. Der Professor hielt den ahnungslosen Schülern eine kurze Abschiedsrede, in der er mitteilte, er habe sich während des Krieges ein schweres Leiden zugezogen, das sich so weit ver-