Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 133 sich um Pflanzen- oder Tier- oder Menschenarten handeln. Bunt soll die Welt sein.... Jede Art zu erhalten, ist ein Gewinn! Aber natürlich ein um so größerer Gewinn ist die Erhaltung einer Art, je wertvoller diese ist. Brauche ich zu sagen, daß wir i m Judenvolke, wenn wir es als Ganzes betrachten, eine der wertvollsten Arten vor uns sehen, die das Menschengeschlecht h e r v o r g e b r a c h t hat? Welche gewaltige Lücke müßte in der Menschenwelt entstehen, wenn die jüdische 'Vrt verschwände! Von allen Einzelheiten abgesehen: Das Judenvolk ist es, das seit den Propheten den großen ethischen Ton in das Menschheitskonzert gebracht hat und durch seine besten Söhne auch heute immer wieder bringt.... Wir wollen die tiefen, traurigen Judenaugen niemals verlieren. Denn mit ihnen gingen andere Schönheiten aus dieser Welt heim: die wundersame Melancholie der jüdischen Dichtung, wie sie in Heinrich Heine uns offenbart worden ist; der jüdische Witz und vielerlei sonst, was uns wert ist und was diese Welt reich macht.“ Ähnliches sagt Theilhaber in seinem sehr instruktiven Werk „Der Untergang der deutschen Juden“. Individuelle Heiraten zwischen Juden und Christen haben, physiologisch genommen, wenig Zweck. In moralisch-ethischhistorischer Hinsicht halte ich solche Heiraten für direkt verderblich. Verderblich für die Reinheit des Stammes, verderblich für die weitere Durchführung der konsequenten jüdischen Gesetzgebung, verderblich mit einem Wort für den Geist des Judentums, der, aller Stagnation abhold, der Fortschrittsfaktor der Weltgeschichte ist ... . Die Mischehe ist erst das letzte Glied der Kette. Mittels eigener Unfruchtbarkeit würde es natürlich noch viele Generationen dauern, bis die deutschen Juden ausgestorben sind. Wenn aber die Zweikinderehe die Zahl der Juden aufs empfindlichste dezimiert und die nun von Generation zu Generation an und für sich weniger Werdenden sich innig mit der Umgebung vermischen, dann wird der Effekt — das Ende — bald erreicht sein.“ Tagung des Großen Rates des Preußischen Landes« verbandes Berlin, 27. Februar. (JTA.) Am Sonntag, dem 26. Februar, trat der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu einer Sitzung zusammen, die u. a. der Vorbereitung des zum 25. März einberufenen Verbandstages dienen sollte. Zu Kommissaren des Rates für den Verbandstag wurden sämtliche Mitglieder des engeren Rates bestimmt. Zu der am kommenden Sonntag in Nürnberg zusammentretenden Konferenz der Vertreter sämtlicher deutschen Landesverbände wurden vom Preußenverband neben einigen Herren u. a. die Herren Kammergerichtsrat Wolff, Professor Türk, Rechtsanwalt Dr. Klee, Direktor Kareski, Ministerialdirektor Badt und Dr. Freund delegiert. Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß diese Tagung endgültige Beschlüsse über die Gestaltung des Reichsverbandes der deutschen Juden wird fassen können. Der Rat beschloß, dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung als Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten Herrn Dr. Freund vorzuschlagen.. Über den Etat, der auch der Landesversammlung vorliegen wird, und der eine Höhe von 1 200 000 RM. hat, berichtete ausführlich Direktor Kareski; über das Normalstatut, das den angeschlossenen Gemeinden in Vorschlag gebracht werden soll, Rechtsanwalt Dr. Klee. In Betreff des Judengesetzes wurde, um eine einheitliche Stellungnahme des Verbandes zu ermöglichen, beschlossen, in erneuter Beratung die Wünsche der Jüdischen Volkspartei, die diese auf dem letzten Verbandstag formuliert hat, mit dem gegenwärtigen Entwurf in Einklang zu bringen; ein entsprechend modifizierter neuer Entwurf wird alsdann der Landesversammlung zugeleitet werden. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden wird bei der Nürnberger Tagung vertreten sein durch die Herren Oberlehrer Dingfelder, Rabbiner Dr. Freudenthal, JR. Dr. Hommel, KR. Landau, OLGR. Dr. Neumeyer, Rosenzweig, Rabbiner Dr. Stein,xJR. E. Straus. Die Staatszuschüsse für die jüdischen Gemeinden in Preußen Berlin. 22. Februar. (JTA.) Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags, der gegenwärtig über den Etat des Unterrichtsministeriums berät, hat in seiner gestrigen Sitzung den Antrag der kommunistischen Fraktion, die Position in Kapitel 182, Titel 90, betreffend die Auszahlung von 400 000 RM. zugunsten 1 e i Si t u n gj's - schwacher Synagogengemeinden zu streichen, abgelehnt, so daß diese Position als ständige bestehen bleibt. Dagegen beschloß der Hauptausschuß, die Position in Kapitel 193, Titel 123a, betreffend Auszahlung von 200 000 RM. (widerrufliches Bedürfnis) als Zuschüsse an die Synagogengemeinden zur Besoldung ihrer Rabbiner, zur Versorgung der Ruhestandsrabbiner und der Hinterbliebenen der Rabbiner zu streichen. Die Kommunisten und die Deutschnationalen stimmten in beiden Fällen gegen die jüdischen Positionen. Die Sozialdemokraten übten bei der Abstimmung über die zweite Position Stimmenthaltung. Der Beschluß des Hauptausschusses ist selbstverständlich kein endgültiger. Es ist schon wiederholt vorgekommen, daß der Hauptausschuß sich gegen jüdische Positionen aussprach, die dann vom Plenum des Landtags angenommen worden sind. ©I* PrilTlUSQU6llG Hervorrag. Heilwasser bei Nieren-, Leber-u. Blasenleiden Stärkste Rubidiumquelle Europas sehr geeignet zu Hauskuren. B eapprobierter Apotheker kömmliches Tafelwasser. Hauptniederlage: x Cll^llIIlCl^y I München 2 NW 3 Theresienstraße 33 Telephon 274 71 Lieferant sämtlicher städtischer Krankenhäuser, Sanatorien _ und Heilanstalten