Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Das Jüdische Echo Nr. 9 Die jüdischen Ehen weisen eine rückläufige Tendenz auf, die Mischehen bewegen sich zwar auch in fallender Richtung, doch langsamer, so daß dem absoluten kein gleicher relativer Rückgang an die Seite zu stellen ist. Auch ist es auffallend, daß mehr als doppelt soviel jüdische Männer Christinnen heiraten als umgekehrt. In der Zeit von 1919—1925: 8041 jüdische Männer — 4932 nichtjüdische Männer! Nicht allein für das jüdische Volk im allgemeinen, sondern für die jüdische Frau im besonderen spitzt sich die Situation zu. Die Möglichkeit, mit einem jüdischen Ehegatten eine Ehe einzugehen, wird immer schwieriger, da ja die Männer gleichen Glaubens ihre Liebe in ständig zunehmendem Maße der christlichen Frau schenken. Obige Zahlen erbringen den Beweis. Die Gründe im einzelnen aufzuzählen, erübrigt sich, denn sie sind allgemein bekannt. Die Folgen der Mischehe sind für die Gesamtheit und die Familie verschieden. Die Gesamtheit hat vor allem ein Interesse daran, zu erfahren, was in religiöser Beziehung aus den Kindern wird. Nach dem vorhandenen Zahlenmaterial werden die den Mischehen entsprießenden Kinder vorwiegend in der christlichen Religion erzogen. Folgende Tabelle aus dem Jahre 1910 zeigt es uns für Preußen: Zahl und Konfession der Kinder. Mischehen: Religion der Kinder evang. Mann kath. Mann jüd- Mann jüd - Frau j üd. Frau nichtjüd. Fra 2000 479 3712 evangelisch 2042 58 2586 katholisch 4 405 437 jüdisch 465 217 1117 unbestimmt 71 16 184 Haushaltungen: mit Kindern 1264 313 2181 ohne Kinder 736 166 1531 Hiernach bestanden zur Zeit der Volkszählung des Jahres 1910 in Preußen 6191 Mischehen und in ihnen lebten 7602 Kinder; 1 7 99 oder 23 Prozent wurden als Juden erzogen. Die Kinder aus Mischehen gehen also, wie oben erwähnt, überwiegend dem Judentum verloren. Ferner sehen wir eine Kindera r m u t vor unseren Augen, die ihresgleichen sucht. Das Einkindersystem ist vollkommen durchgeführt, das Keinkindersystem sehr weit verbreitet. Dies war im Jahre 1910. Wie wird es heutigen Tages, nach dem Krieg und seinen furchtbaren Folgen, sein? Theilhaber hat kürzlich für Groß-Berlin ähnliche Feststellungen getroffen, indem er berechnete, daß von 100 Mischehen durchschnittlich nur jede vierte überhaupt Kinder bekommt, ferner jede zehnte Familie ein zweites Kind. Die Aussichten über die Kinderlosigkeit der Mischehen sind verschieden. Die Elemente, die eine solche Ehe eingehen, sind eben jeder Verantwortung für das Judentum und seine Zukunft bar. Der jüdische Mann, der eine Christin heiratet, übersieht infolge Fehlens der notwendigen Aufklärung meistens die so weitreichenden Folgen. Er bezahlt nach wie vor seine Synagogensteuern und glaubt, auf solche Weise seine Verpflichtungen dem Judentum gegenüber erfüllt zu haben. Die jüdischen Freunde, die den Verkehr bilden, nehmen in ihrer Großzügigkeit auch keinen Anstoß an der neuen Eheverbindung, so daß alles äußerlich beim Alten bleibt. Zur Beruhigung der Familie, vor allem der Eltern, wird oft die Christin Jüdin. Im letzten Monat traten in Berlin 16 Frauen zum Judentum über. Eine kurze Unterrichtszeit, der Rabbiner mimt das Taufzeremoniell. Macht man sich in Rabbinatskreisen nicht endlich klar, daß ein solcher Übertritt allein aus äußeren Gründen geschieht? Religiöse Weltanschauung ist kein.Produkt der Stunde. Typisch, daß die früheren Christinnen meistens nach einem frühzeitigen Tode des Mannes den alten Glauben wieder annehmen. Eine Charakterlosigkeit tritt uns entgegen, die ihre Deutung darin findet, daß diese Frauen oft den untersten Schichten des Volkes entstammen, keineswegs aber als Repräsentantinnen vornehmer Christen zu gelten haben. Die jüdischen Familien geraten durch das Eindringen der Mischehe in eine schwierige Situation. Eine innere Zersetzung beginnt, die das enge Band der Familie zerreißt, Unfrieden erzeugt, seelisches Leid gebiert. Kleine Ursachen, furchtbare Wirkungen. Auch die Kinder erreichen nur in den seltensten Fällen das Niveau reinrassiger Kinder. Sie wissen nicht, wohin sie gehören, und die Zwiespältigkeit vergällt ihr Dasein bis ans Lebensende. Zum Schluß sei es erlaubt, einige Stimmen führender Autoren zu bringen. So meint R u p p i n, dessen Urteil allseitig geschätzt wird, daß die Mischehe keineswegs zur Höherzüchtung der Rassen beitrage. „Was aber als sicher anzunehmen ist, das ist, daß die Mischehe die Rassencharaktere auslöscht und der Bildung besonders hochbegabter Nachkommen abträglich ist. Ein hochbegabtes jüdisches Ehepaar kann mit großer Wahrscheinlichkeit erwarten, daß es seine Anlagen in den Kindern, sogar in noch höherem Maße, wiederfinden wird. Bei einer Mischehe besteht diese Wahrscheinlichkeit nicht, denn die Rassenveranlagung des Vaters und der Mutter ist verschieden. Das Kind wird natürlich auch seine Anlagen vom Vater und der Mutter haben, aber diese Anlagen werden im Kinde nicht potenziert, sondern abgeblaßt erscheinen. Das Kind wird in der Regel nicht ,rassig4 sein und nicht über ,eine mittelmäßige Begabung4 herauskommen.44 S o m b a r t, der keineswegs als Philosemit anzusprechen ist, führt folgendes aus: „Zunächst erscheint es mir immer ein Gewinn, wenn irgendwelche Art auch immer auf dieser Erde vor der Vernichtung bewahrt bleibt, weil mir ein ganz großer Wert in dem Reichtum an Arten überhaupt zu liegen scheint. Es mag PACKARD verkörpert vornehmen Reichtum Generalvertreter: GEBR. BEISSBARTH / KOHLSTR. 2 beim Deutschen Museum