Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 9 2. März 15. Jahrgang Rn unsere Leser! In dem Bestreben, den Inhalt unseres Blattes reicher zu gestalten, haben wir uns entschlossen, ihm vom 1. März ab eine „Romanbeilage“ beizugeben, in der wir zunächst eine außerordentlich interessante und spannende historische Erzählung des bekannten jüdischen Schriftstellers Schalom Asch „Die Zauberin von Kastilien“ veröffentlichen. Wir beginnen in dieser Nummer mit dem Abdruck dieses Werkes und hoffen, daß die plastische und erschütternde Darstellung jüdischen Martyriums im römischen Ghetto, indem sie unseren Lesern angeregte Stunden bereitet, doch auch dazu beiträgt, den Sinn für jüdische Geschichte und jüdisches Leben zu erwecken und zu steigern. Die Redaktion Zum 1. April neu hinzutretende Abonnenten erhalten auf Verlangen die bereits erschienenen Nummern der Romanbeilage kostenlos nachgeliefert. Der zersetzende Einfluß der Mischehe Das wichtigste innerjüdische Zeitproblem Von Herbert Philippsthal (Charlottenburg) Vom sozialpolitischen Ausschuß des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wurde nach Zeitungsmeldungen vor kurzem ein Preisausschreiben über „Das großstädtische Wohnungsproblem und sein Einfluß auf die jüdische Bevölkerung“ der Öffentlichkeit unterbreitet, dessen Bearbeitung kaum Schwierigkeiten bieten dürfte, da es auf Juden und Nichtjuden gleicherweise Anwendung findet und schon häufig Bearbeiter gefunden hat. Die Geburtenfrage und ihre Auswirkungen scheinen uns in einer für den jüdischen Bevölkerungsteil spezialisierten Betrachtung infolge der besonderen Entwicklungstendenzen bedeutsamer zu sein, und ebenso der zersetzende Einfluß der Mischehe auf die jüdische Familie. Neben dem Geburtenrückgang stellt die Mischehe die Zukunft der Juden in Deutschland überhaupt in Frage. Es ist bekannt, daß man in den Kreisen, die es angehen sollte, kraft ihrer Stellung im innerjüdischen Leben, kraft ihres Einflusses, nicht selten statt einer Auseinandersetzung über obiges Thema weniger bedeutende Punkte auf die Tagesordnung setzt, ja, absichtlich einer eingehenden Besprechung aus dem Wege geht, um zahlungsfähige Steuerzahler nicht vor den Kopf zu stoßen. Wir haben gleichsam das „Rühr-mich-nicht-an“ der jüdischen Gemeindevertretungen vor uns. Der ehrliche Jude, dem Religion und Rasse am Herzen liegt, der nicht nur äußerlich für seine Vergangenheit kämpft, sondern auch innerlich von dem bleibenden Wert des Judentums überzeugt ist, kann und darf das Überhandnehmen der Mischehen nicht ignorieren. Die jüd i sch-chris 11 iche Mischehe ist bereits etwas Alltägliches. Es gibt kaum noch eine Familie in Deutschland, in der keine eheliche Gemeinschaft zwischen Juden und Nichtjuden besteht. Von den jüdischen Gemeindevertretern sollte man eine genaue Orientierung über den Stand der Frage erwarten. Nicht einmal das wenige Zahlenmaterial staatlicher und städtischer Ämter ist allseitig bekannt. So wird überall das brennende Problem der Mischehe unterschätzt. Die Situation ist eindeutig. In der Zeit von 1901—1925 wurden in Deutschland insgesamt bei 93661 jüdischen Ehen 29904 (3 2,3 Prosen t) Mischehen geschlossen. Jüdische Ehen und Mischehen in der Nachkriegszeit: Jahr jüdische Eher- Mischehen auf 100 jiid. Ehen . Mannjüd. Fraujüd. kommen Mischehen 1901 3878 342 316 16 1919 6295 1080 849 30 1920 7497 1315 896 29 1921 5617 1126 764 33 1922 5025 1285 753 40 1923 4833 1306 702 37 1924 3310 1019 528 48 1925 2904 910 440 46