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Das jüdische Echo · 1928-02-24 · 8 (24.2.1928) · p. Seite 121

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
8 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 121 Die Frage der Zwangs-Sabbatruhe in Palästina. — Das Distriktsgericht entscheidet gegen Tel- Awiwer Stadtrat Jerusalem, 12. Februar. (JTA.) Der Magistrat von Tel-Awiw hatte vor kurzem einem gewissen Altschuler eine Geldstrafe von £ 2 zudiktiert, weil er der Verordnung des Stadtrats von Tel-Awiw, daß die Geschäftsläden an den Sabbat- und jüdischen Festtagen geschlossen zu halten sind, zuwiderhandelte und seinen Laden an einem Sabbattag offenhielt. Die erwähnte Verordnung des Stadtrates fand übrigens die formale Billigung des Oberkommissars. Altschuler führte Beschwerde bei dem Distriktsgericht zu Jaffa. Sein Rechtsbeistand wies darauf hin, daß die Verordnung des Tel-Awiwer Stadtrates in Widerspruch zu Artikel 15 des Palästina-Mandates steht, wonach allen Einwohnern Palästinas vollste Gewissensfreiheit zugesichert wird. Die Tel-Awiwer Verordnung mache zudem einen Unterschied zwischen den Einwohnern des Landes, indem sie sich einzig gegen Juden richtete. — Das Jafaer Distriktsgericht schloß sich dieser Argumentation an und annullierte das Geldstrafenurteil des Magistrats von Tel-Awiw. Demonstration gegen Sir Alfred Mond in Bagdad Die Ankunft Sir Alfred Monds in Bagdad hat zu schweren Ruhestörungen Anlaß gegeben, die zur Verhaftung von 40 Personen führten. Die Polizei mußte wiederholt eingreifen, viele Demonstranten und Schutzleute wurden verwundet. Nach weiteren Berichten aus Bagdad hat das Kabinett des Irak-Gebietes infolge der Demonstrationen gegen Mond eine Sonderverfügung erlassen, die allen Studenten unter 19 Jahren die Teilnahme an irgendwelchen zur Störung des öffentlichen Friedens geeigneten Demonstrationen unter Androhung schwerer Strafen verbietet. Die Abreise Monds von Bagdad war für den 15. Februar vorgesehen. Diese arabischen Demonstrationen reihen sich würdig dem seinerzeitigen Überfall der syrischen Araber auf den greisen Lord Balfour an. Bei solchen Gelegenheiten kommt krasser denn je zum Bewußtsein, wieweit die Beruhigung in Palästina der in den Nachbarländern voraus ist. (Ziko) 1.. lllilllü Feuilleton waM i ..... Beduinenüberfall am Dschebel Muntar Von Dr. Kurt Mayer, Jerusalem Um vier Uhr früh verlasse ich das schlafende Jerusalem. An der alten Stadtmauer entlang führt mich mein Weg zur Jerichostraße. Der Mond steht noch am Himmel, aber ein heller Streifen im Osten kündet den dämmernden Tag an. Die Straße herauf zieht eine Karawane von Kamelen in breitem, behäbigem Schritt, jedes Tier mit Säcken zu beiden Seiten schwer beladen. Um den Hals hängt eine Kette aus blauen Perlen zum Schutz gegen die bösen Geister; am Ende der Kette befindet sich eine kupferne Glocke. Jetzt aber, beim Eintritt in die Stadt, wird der Klöpfel mit einem Tuch umwickelt, damit die Bewohner nicht durch das Geläute im Schlaf gestört werden. Obenauf wiegt sich im Takt des schreitenden Kamels ein braungebrannter Sohn der Wüste und singt seine eigentümliche Weise. Ich kenne das Lied; es ist der Hymnus auf einen großen Scheich, einen ihrer Kriegshelden. Der Text lautet etwa so: „Verkaufe, dein Kamel und nimm dafür eine Flinte; vertausche dein Zelt gegen ein Pferd; verlasse dein Weib und ergreife ein Schwert und zieh mit uns zum Kriege. Unser Führer ist ein großer Scheich, vor seinem Blick erzittern die Feinde.“ In langgezogenen Tönen verhallt sein Lied. Am Herodestor lagern Ziegenherden; die Hirten schlafen daneben. Sie liegen auf der bloßen Erde, nur in die weite, gestreifte Abaje (Beduinenmantel) aus grober Wolle gehüllt, die ihnen bei Tag Schutz gegen die Sonne, bei Nacht gegen die Kälte bietet. Da ist noch echte Verbundenheit mit der Natur, wenn man so auf bloßer Erde schlafen kann. Die Straße führt jetzt durch das Kidrontal hindurch an dem großen Gräbermeer vorbei, wo über siebzig Generationen begraben liegen und hinauf zum Ölberg oberhalb des Dorfes Siloah. Von hier werfe ich noch einen Abschiedsblick auf Jerusalem. Auf der gegenüberliegenden Höhe — nur durch das Kidrontal getrennt — liegt der Tempelplatz mit der Omarmoschee, deren Kuppel eigenartig bleigrau im fahlen Dämmerlicht wirkt; dahinter dehnt sich die Altstadt mit vielen Türmen und Kuppeln, eingerahmt von der zinnengekrönten Stadtmauer. Weiter geht der Weg. Im Osten beginnt der Himmel bereits in allen Farben zu glühen und wie ich durch El-Azarije (Bethanien) wandere — das letzte Dorf am Rande der Wüste — kommt auch schon die Sonne mit Macht heraus. Ein Mann vor seiner Hütte entbietet mir einen freundlichen Gruß. „Sabach bil’haer“ („dein Morgen sei heiter“) erwidere ich ihm. Er fragt mich nach meinem Weg, und ich deute in die Richtung des Toten Meeres: „Zum Dschebel Muntar.“ Da rät er mir dringend ab und weist auf die Beduinenzelte weit am Horizont, die mir mein Fernglas deutlich zeigt und sagt: „Es sind ja Wilde, die Abu-Nuser-Beduinen; sie werden dich ausplündern, wenn nicht gar erschlagen,“ Ich lächle darüber. Wie oft bin ich schon allein durch die Wüste gewandert und habe bei den Beduinen stets ein freundliches Wort gefunden und ein kindliches Staunen, daß sich ein einzelner Europäer in ihr Gebiet hineinwagt. Bald liegt die letzte Stätte menschlicher Siedlung weit hinter mir; ich folge einem Pfad nach Südosten, vorbei an Wasserlöchern, neben denen Schalensteine liegen. Das sind in emsiger Arbeit ausgehöhlte Blöcke, aus denen die Beduinen ihre Ziegenherden tränken; der Ledereimer wird an einem Strick in die Zisterne hinuntergelassen und das Wasser in die Schalensteine ausgegossen; dann drängt sich die lechzende Herde um dieses wichtigste Lebenselement der Wüste. Jeder Beduinenstamm hat viele solcher Wasserlöcher an den verschiedenen Orten seines Gebietes, in denen sich das Wasser in der Regenzeit sammelt. Oft sind sie mit einem schweren Stein bedeckt, manchmal aber auch mit einer eisernen Platte, die dann mit einem altmodischen Vorhängeschloß verschlossen wird. Der Stamm bleibt dann mit seinen Herden so lange in der Nähe einer solchen Zisterne, bis ihr Wasservorrat erschöpft ist; dann zieht er mit den Zelten und den Herden zu den nächsten Wasserlöchern weiter.

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