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Das jüdische Echo · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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Literarische Beilage „Thai46 Das Theater Palästinas1 Die Geschichte des „Thai“: Die „Habima“, die ihren Siegeszug in aller Welt feiert, ist in der Wirklichkeit nicht mehr nur eine „Moskauer Truppe“, die die Welt der Gastspiele wegen bereist. Die „Habima“ tritt im Sinne des umherwandernden Erez Israel auf, das sich über alle Länder zerstreute; sie ist ein großer Stammbaum der Kunst, deren Abgesandte sich verzweigen und in allen Zentren des Judentums sammeln werden. — Zwei Zweige der „Habima“ befinden sich heute in Palästina: Der „Thai“ und der „Ohel“. Ich will hier von einem: vom „Thai“, sprechen. Vor drei Jahren ließ sich im Lande einer der ersten Gründer der „Habima“ nieder, Menachem Gnessin, und errichtete in unserer theatralischen Öde das erste Fundament der Kunst: den „Thai“. — Während seines Aufenthaltes in Berlin sammelten sich um ihn einige Liebhaberkräfte aus Palästina und ließen sich zusammen mit ihm nach einem Jahr der Vervollkommung in Berlin im Lande nieder. — M. Gnessin ist für Erez Israel kein neues Gesicht: noch vor dem Kriege befand er sich hier und war einer der ersten Vorkämpfer der hebräischen Bühne. Mit Recht kann man sagen, daß M. Gnessin damals schon, bevor er die L Lehre Wachtangows und Stanislawskys genoß, Pionier des Theaters war, damals schon die Grundlage zum Palästina-Theater gelegt hat. Nur kam die Unterbrechung der Kriegsjahre, während i welcher Gnessins künstlerisch wuchs. Sein „Theater“ vor dem Kriege sah ich nicht. Es war — soviel man erzählt — eine gewöhnliche provinzielle Liebhabertruppe, die „hebräisch spielte“, aber ohne I System, ohne Richtung und ohne Überlieferung. Von dieser Truppe bis zum „Thai“ ist ein weiter Weg! Es sind zwei Jahre, daß der „Thai“ im Lande auftritt, daß wir ihn in seiner Arbeit begleiten, ihn Mißlingen und Erfolge feiern sehen. — Einen I Mangel hatte der „Thai“, einen organischen Fehler, den man in jedem Theater, das nur einige Jahre Vergangenheit zählt, finden kann: die Schau- , Spieler des „Thai“ waren keine „Moissi“ und keine „Sarah Bernhardt“. Die junge hebräische Bühne; brachte solche noch nicht hervor. Jedoch dort, wo es eine treue Hand des Regisseurs, wo es vollständige Hingabe eines jüdischen Leiters gibt, steht an erster Stelle nicht ein Schauspieler, sondern das ganze Ensemble, die Umrahmung. Und hierin bleibt die Vollkommenheit gewahrt. Es war zu merken: Der Regisseur strebte mit aller Kraft, ans gesegnete Ufer zu gelangen. — Die Kunstrichtung des „Thai“ Das Hauptsächliche der Richtung des „Thai“, das er sich auch von seiner Gründung an als Ziel stellte, ist: nicht Dramen „backen“ in der Bühnensprache, sondern ein kleines Repertoir, drei — vier Stücke jährlich! Solange die Stücke kiinst- 1 Nach dem Gastspiel der „Habima“ dürfte es unsere Leser besonders interessieren, wie sich allmählich in Palästina ein hebräisches Theater entwickelt, das seinen Ausgang eben von der „Habima“ nimmt. lerisch nicht vollendet sind, wird der Vorhang nicht aufgezogen! — „Allerdings, die Frage des Verdienens bleibt aktuell“, erzählt M. Gnessin, „und sie ist sehr schwer! Aber es hat nichts mit der Kunst zu tun: Es sind zwei verschiedene Welten!“ Eins der Hauptziele, das der „Thai“ immer wahren wird, ist eine schöne Sprache (hierüber wacht Dr. Epstein!). „Zuviel wird unsere Sprache sogar auf der Bühne verdorben und verstümmelt der vielen Akzente und Aussprachen wegen, die die Schauspieler aus dem ,Galuth‘ mitbringen“, sagt M. Gnessin. Und die Verschönerung der Sprache im Theater — das seinen Einfluß auf das Publikum und die Straße ausübt — ist wert, ein Ziel für sich zu bilden. Das Repertoir des „Thai“: Außer seinem vorigen Repertoir („Dybuk“, Belsazar“), das der „Thai“ in dieser Saison erneuern will, stehen auf der Liste: „Isebel“ Midrasch in 3 Akten, vom französischen Dichter Edmord Fleg speziell für den „Thai“ geschrieben; „Sabbatai Zewi“ von J. Zulawsky, bearbeitet nach verschiedenen Quellen. Die Musik dazu verfaßte im Auftrag des „Thai“ der jüdische Komponist S. Rosowsky; der Maler Rubin, der ständig im „Thai“ arbeitet und Studium über „Licht und Farbe“ sowie „Die Kunst der Maske“ liest, malte die Dekorationen (ich sah sie, und es gibt nichts Trefflicheres an Schönheit und Verständnis dieses Zeitabschnittes. Die Skizzen waren vom Maler Rubin auf der Ausstellung in Paris ausgestellt und die französische Presse vergaß sie nicht in ihrem Lob!). — Unter den klassischen Stücken, die der „Thai“ aufzuführen gedenkt, ist auch „Shylock“ von Shakespeare eingeschlossen. „Viele Jahre“ — sagt M. Gnessin, „machte man aus Shylock eine Karikatur — und wir sind berufen, ihn zu erlösen, rein zu stellen und zum Judentum zu bekehren. Die Titelrolle wird von ihm, Menachem Gnessin, gespielt werden. Ich fragte M. Gnessin, wie es um ein originaljüdisches Repertoir aus dem Leben des Landes steht, — und ich schien die empfindlichste Stelle berührt zu haben. „Es gibt kein Schauspiel, das das Leben im Lande darstellt. Der jüdische Schriftsteller scheint nicht zu glauben, daß es bereits eine jüdische Bühne gibt, die wert ist, daß für sie gedichtet wird.“ Den Anfang gibt es jedoch dafür; in M. Gnessins Tasche befinden sich zwei Schauspiele aus dem Leben des Landes. Der Verfasser ist eine neue Erscheinung auf diesem Gebiete, ein Arbeiter in Ober-Galiläa, der noch nichts veröffentlicht hat. „Wenn dieses jedoch geschieht,“ sagt M. Gnessin, „haben wir der Welt was zu zeigen.“ — Eins dieser Stücke will M. Gnessin aufführen. Mit Genugtuung ist zu bemerken, daß sich allmählich um den „Thai“ die besten literarischen und künstlerischen Kräfte Palästinas konzentrieren. Und wir hoffen, daß dieses erste geistige Kind der „Habima“ groß und blühend wird. Im Laufe der zwei Jahre seines Aufenthaltes im Lande herrschte im Theater M. Gnessins System: „Wenig Aufführungen und viel Kunst.“ — Es

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