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Das jüdische Echo · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · p. Seite 105

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 105 ^^pernausbildung AlmeSanden I Kammersängerin I an der Münchener Staatsoper | Ausbildung bis zur Bühnenreife Für verbildete Stimmen besonderen Privatunterricht Anmeldung, Prospekt, Clemensstr. 92 Villa „Carmen“, München, Tel. 360 218 Erleichterung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten für Frauen und Kinder von Deklaranten N e w Y o r k , 10. Februar. (JTA.) Der Senat der Vereinigten Staaten hat eine Resolution angenommen, in der vorgesehen ist, daß Frauen und minderjährige Kinder von Deklaranten, die in der Zeit von Juli 1921 bis Juli 1927 eingewandert sind und sich um die amerikanische Staatsangehörigkeit beworben haben, vor anderen Einwanderern bei ihrer Bewerbung um die Zulassung in die Vereinigten Staaten bevorzugt werden. Die Resolution wird nunmehr dem Repräsentantenhaus unterbreitet, das in den nächsten Tagen über sie abstimmen wird. 16 000 Juden Tel-Awiws bewerben sich um die Staatsbürgerschaft Jerusalem, 12. Februar. (JTA.) Die Bewegung zur Erwerbung der palästinischen Bürgerschaft nimmt unter den palästinischen Juden zu. In Tel-Awiw bewerben sich 4942 Familien mit rund 16 000 Seelen, d. s. 70 Prozent aller noch Unnaturalisierten, um die palästinische Bürgerschaft. 5000 Personen aus Tel-Awiw, die früher türkische Staatsangehörige waren, sind automatisch Palästina-Bürger geworden. Ein Haus des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem Jerusalem, 9. Februar. (JTA.) Die Leitung des Jüdischen Nationalfonds trifft Vorbereitungen zur Errichtung eines eigenen Hauses im Rechawja-Viertel zu Jerusalem. Die Versicherungsgesellschaft „Phönix“ gewährt zu diesem Zwecke eine Anleihe von 10 000 Pfund aus den Eingängen der mit Hilfe des Nationalfonds abgeschlossenen Versicherungen. Das Haus Achad Haams in Tel-Awiw nationaler Besitz Jerusalem, 7. Februar. (JTA.) Montag, den 6. Februar, wurde das Haus von Achad Haam {Ascher Ginzberg), dem großen hebräischen Philosophen und Begründer des geistigen Zionismus, in Tel-Awiw in feierlicher Weise vom Stadtrat von Tel-Äwiw als nationales Eigentum in Obhut genommen. Das Arbeitszimmer Achad Haams und seine Bibliothek werden genau so erhalten bleiben, wie sie zu seinen Lebzeiten waren; der übrige Teil des Hauses soll ein Aufbewahrungsort für alle Schriften über Judentum und Palästina werden. Bei der Einweihung hielten der berühmte hebräische Dichter Chaim Nachman Bialik, der Bürgermeister von Tel-Awiw Bloch und Vertreter der großen jüdischen Institutionen Palästinas Ansprachen. Gemeinden-u. Vereins-Echo Werden und Wesen der jüdischen Mystik Vor einer großen und interessierten Zuhörerschaft behandelte Herr Dr. Leo B a e c k (Berlin) in zwei in jeder Hinsicht ausgezeichneten Vorträgen im Herkulessaal das gerade in unserer Zeit wieder aktuell gewordene Thema der jüdischen Mystik. Nachdem er zunächst das Wesen der Mystik überhaupt gekennzeichnet und sie als immer unmittelbar, als bestimmt durch ein nur ihr eigentümliches mystisches Organ von der unechten Mystik, dem Mysterienkultus, abgegrenzt hatte, versuchte er das Besondere der jüdischen Mystik aufzuzeigen, das sie von jeder anderen Mystik grundsätzlich unterscheidet. Dieses Besondere liegt nach Baeck darin, daß die jüdische Mystik — bedingt durch soziologische und religionsgeschichtliche Gründe — immer an dem Glauben an einen persönlichen Gott festgehalten hat, daß sie niemals pantheistisch wurde, daß Gott für sie immer das Transzendente blieb. Baeck unterscheidet drei Epochen in der Geschichte der jüdischen Mystik, denen eine nichtmystische Zeit vorausgeht. In die erste Epoche fällt der zaghafte und scheue Beginn der jüdischen Mystik im ersten und zweiten Jahrhundert, ihr Ausbau und ihre religiöse Legitimierung durch Simon Bar Jochai, den Schöpfer des Gedankens der Schechinah. Dieser Gedanke ermöglicht den Sieg der Mystik im Judentum; mit ihm istverbunden eine kosmische Auffassung der Bibel (Glaube an die kosmische Kraft der Buchstaben-Sepher Jezirah), aus ihm sollte später die Kabbalah hervorgehen. Die zweite Epoche, die jüdische Mystik im Mittelalter, ist im Gegensatz zu der im allgemeinen nihilistischen Mystik, die sich vom Willen lösen möchte und ihn daher verneint, die Mystik der Bejahung, der Versöhnung und Sublimierung des Ich in der Sphäre der Allgegenwart Gottes. Auch die jüdische Mystik weiß, daß der Mensch immer unterwegs, daß das Gebot ein unendlicher Weg ist, doch Einheit ist ihm gegeben in der Kawanah — der Andacht, der Vertiefung. Zwischen Gott und dem Menschen sind wie Stufen die Sphären, deren Namen Namen des Guten sind; Liebe, Gerechtigkeit, Erbarmen. Auch die Bücher dieser Mystik — das Buch Bahir und das Buch Sohar — wollten nur die Bibel erklären, die Bibel aber ist durch sie eine andere geworden. Die letzte Periode der jüdischen Mystik, die im 16. Jahrhundert mit Isak L u r j a (der in Safed wie ein Heiliger, umgeben von zahlreichen Schülern, lebte) beginnt, hat alles aus der zweiten Periode festgehaiten; auch ihr enthüllt sich in der Andacht des Gebets die Welt der Sphären. Aufnahme, Ausdruck und Fortbildung haben diese Gedanken im Chassidismus gefunden, der darüber hinaus eine Wendung zur Natur hin vollzieht, in jedem Wesen, ob Tier, ob Pflanze, ob Stein, ob Erde etwas Göttliches, das Sittliche und Gute sieht. Drei Tugenden fordert der Chassidismus: die Demut, die Freude, das Beten. Im Zaddik, im ganzen einheitlichen Menschen, sieht der Chassidismus eine lebendige Thora gegeben, ist ihm die Harmonie der Welt hergestellt, die in einem letzten Weltensabbat ihren endgültigen Ausdruck finden wird. Damit war der Weg, den die jüdische Mystik gegangen ist, gezeichnet bis zur Gegenwart.

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