Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 103 fen wir das Nationaljudentum, dann wird der C.-V. blühen! — Rabbiner Dr. Felix Gold mann (Leipzig): Holländer und Brodnitz haben in begrüßenswerter Mäßigung uns den Weg gewiesen. Der Redner tritt für den von den Zionisten wegen seines Palästina-Buches angegriffenen Dr. Alfred Wiener ein und meint zum Schlüsse, daß man sich den Weg für ein Zusammengehen in einzelnen Fragen nicht verbauen solle. — Prof. Dr. Falkenheim (Königsberg) meint, eine Einheitsfront sei unmöglich. Es gibt nun einmal zweierlei Juden in Deutschland, darüber müßten wir die Umwelt aufklären. — Dr. Erich Hirschberg (Oppeln) verliest eine Erklärung der am Sonntag stattgefundenen C.-V.- J u g e n d k o n f e r e n z , in der positive i n n e r j ü d i s c h e Arbeit, Förderung der Aufbauarbeit in Palästina und in Rußland gefordert, anderseits eine nicht gesinnungsmäßige Festlegung verlangt wird. Bernstein (Chemnitz) unterstützt den von Mecklenburg (Chemnitz) eingebrachten Antrag des Landesverbandes Freistaat Sachsen, der ein energisches Vorgehen gegen die zionistische Propaganda fordert. — Rabbiner Dr. Levi (Mainz) wendet sich gegen den Vorredner. Uns deutschen Juden, sagte er, ist das Deutschtum urtümlich, niemand darf es uns bestreiten. Dennoch stehen wir für alles ein, was jüdisch ist, warum nicht für Palästina? Auch in Palästina ist ein Feld, wo Juden arbeiten können. Ich kenne die Überspannungen der zionistischen Führer. Aber auch diese haben sich gewandelt. Man spricht jetzt von Palästina als von einem binationalen Staate. Es ist Tatsache, daß Palästina für viele Juden die letzte Zuflucht ist. Wie werden wir es verantworten können, wenn zum Teil durch unsere Schuld diese Zuflucht nicht mehr sein wird? Sprechen Sie einem Palästinafreunde nicht die Berechtigung ab, im C.-V. tätig zu sein. Nach Schlußworten Dr. Wieners und Dr. Holländers wird über die Thesen der Referate abgestimmt. Die Thesen Dr. Holländers werden unter großem Beifall einstimmig angenommen. Die Resolution Mecklenburg (Chemnitz) (Landesverband Freistaat Sachsen) wird mit 97 gegen 62 Stimmen angenommen. Sie lautet im Wesentlichen: „Die von den Zionisten in der Öffentlichkeit betriebene Propaganda hat es dahin gebracht, daß die früher nur von den Judengegnern betonte Trennung von „Deutschen“ und „Juden“ in der öffentlichen Meinung mehr und mehr an Boden gewinnt; immer mehr verbreitet sich die Vorstellung, als gehörten die deutschen Juden nicht zum deutschen, sondern vielmehr zu einem über die ganze Erde verstreuten, in Palästina beheimateten jüdischen Volk. Dieser Zustand bringt die Errungenschaften eines mehr als hundertjährigen Emanzipationskampfes in ernsteste Gefahr. Der C.-V. muß daher wirksamer als bisher der zionistischen Anschauung entgegentreten, nach welcher das Judentum die Volks- und Kulturgemeinschaft aller Juden und Palästina ihr nationales und kulturelles Zentrum sein soll... Gegenüber den Wirkungen der zionistischen Propaganda sieht der C.-V. seine Aufgabe darin, seiner Auffassung vom Deutschtum und Judentum in der Öffentlichkeit Geltung zu verschaffen.“ Der Antrag Bernstein (Chemnitz), daß die Zugehörigkeit zum C.-V. unvereinbar sei mit der Zugehörigkeit zum Pro-Palästina-Komitee, wird mit allen gegen einige Stimmen abgelehnt. Zum Schlüsse folgte noch ein Referat von Dr. Norbert Einstein über „Das Wirtschaftsprogramm des C.-V.“. (Wir werden auf die Tagung noch einmal zurückkommen. Die Red.) Aus Wien Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Abfallsbewegung Wien, 8. Februar. (JTA.) In den Kreisen der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, sowie innerhalb der jüdischen Parteien Österreichs, wird gegenwärtig lebhaft über die Notwendigkeit von Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Bewegung zum Abfall vom Judentum diskutiert. Über Mittel und Wiege bestehen scharfe Meinungsverschiedenheiten zwischen den zionistischen und den nichtzionistischen Vertretern der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde im Landesschulrat (Wiener Stadtschulrat). Dr. Redisch lehnt den Zionismus, den Hebraismus und die nationale Erziehung als Mittel gegen Austritt und Abfall ab und verficht den Standpunkt, daß einzig und allein das liberale Judentum mit seinem religiösen Reformismus die Erhaltung des Judentums in allen Westländern möglich gemacht hat. Das Wiener Judentum, erklärt er, sei in allen seinen religiösen Einrichtungen in den konservativen Formen stecken geblieben. Darum die Gleichgültigkeit und wachsende Entfremdung großer Teile der Wiener Juden gegenüber Inhalt und Form des Judentums. Daraus sei auch die Tatsache zu erklären, daß die Nachkommen fast aller Alt-Wiener jüdischen Familien, die seinerzeit eine führende Rolle im Wiener Judentum gespielt haben, getauft seien, daraus auch der wachsende Abfall von Judentum und Gemeinde in der Gegenwart. Dr. Redisch behauptet, daß auch der verstorbene Oberrabbiner Dr. Chajes dieser Argumentation gegenüber nichts entgegenzuhalten wußte, und zugeben mußte, daß im Westen sich nur liberales Judentum behaupten könne. — In zionistischen Kreisen äußerst man scharfe Empörung gegen die Propaganda Dr. Redischs, der seine Theorien auch vor den Religionslehrern und den Schülern der höheren Klassen entwickelt. Vom Niedergang des Wiener Judentums Wien, 10. Februar. (JTA.) Im Verlauf der Budgetdebatte im Vorstand der Kultusg%emeinde Wien haben die zionistischen Mandatare statistische Daten vorgebracht, die den Verfall des Wiener Judentums illustrieren sollen. Die Zahl der Geburten in jüdischen Familien ist von 2557 im Jahre 1924 auf 1579 im Jahre 1927 gesunken, demgegenüber sind die Sterbeziffern von 2695 auf 2739 gestiegen. Die Austritte aus den Judentum sind von 881 im Jahre 1924 auf 1063 im Jahre tcctus ^offeurfcftnct (Segt. 15Z4 ♦ ^Jt&ftolung ||fel. 205t9 _^ffiefxSerrarfraße 14/15_ ^el3 ~sparen 3« günfiigen ^elegenfceifspreifen