Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Das Jüdische Echo Nr. 7 war vollbesetzt. Dr. Holländer schilderte den Werdegang des Central - Vereins und erklärte, daß dieser niemals ausschließlich der Abkehr dienen wollte; schon im § 1 des Programms wird der „Wahrung der staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung“ die „Pflege deutscher Gesinnung“ gleichgestellt. Die Formulierung läßt allerdings Vieldeutigkeit zu, es ist eben kein Verstandes-, sondern ein Gefühlsbegriff. Ein Abwehrverein ist möglich gegen Angriffe auf unsere verfassungsmäßige Gleichberechtigung; er bleibt unzulänglich, wenn man ihn auf das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung abstellt. Der Redner charakterisierte die verschiedenen Richtungen im Judentum, die seit der Emanzipation emporgekommen sind. Ein geistiges Kompromiß mit denjenigen, die das Judentum als Nation begreifen, sei unmöglich. Wir müssen alle Bestrebungen, uns aus der deutschen Nation zu drängen, entschieden bekämpfen. Wir beschäftigen uns zuviel mit innerjüdischen Streitigkeiten, die eine gewisse suggestive Kraft ausüben. Aber die außerjüdischen Probleme sind schwerer. In der Palästinafrage kann man auch von unserem Standpunkte aus verschiedener Meinung sein! Jeder tue was er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Das ist keine Kardinal-Frage. In den Hauptfragen gibt es kein Kompromiß. In den anderen Fragen aber soll weitester Spielraum bleiben. ,„I n d u b i i s 1 i b e r t a s“. Das Korreferat unter dem Titel „Der C.-V. der Gegenwart, der C. -V. der Zukunft“ hielt Dr. Eduard Strauß (Frankfurt a. M.). Wir müssen uns, sagte er, an Tatsachen des Lebens halten. Als Juden haben wir unsere Geschichte, unser Eigenleben. Diese Faktoren sind nicht willkürlich, sondern Erbgut. Wir sind Deutsche und haben es nicht nötig, unser Deutschtum immer aufs neue zu beweisen. Für manche ist der C.-V. eine Art Judentumsersatz. Wir aber sind und bleiben ein politischer Verein, ein Abwehrverein. Wenn wir in das deutsche politische Leben hineingehen, so tun wir dies ohne ängstliche Rücksichtnahme. In den Central- Verein gehören alle deutschen Juden ohne Ausnahme. Wir müssen der Central-Verein der deutschen Juden sein. Unser Rechtskampf ist ein Kampf besonderer Art, ein jüdischer Kampf. Wenn wir die neue Generation in stärkerem Maße heranziehen wollen, so müssen ihre Probleme behandelt werden, wie Berufsumschichtung bsw. Was ihr heute nicht erfüllet, wird nie! Aus der Debatte Der nächste Redner, Herr Mecklenburg (Chemnitz), schlägt eine scharfe Note gegen die Zionistenfreunde im Central-Verein an. Ein innerjüdischer Friede wäre ein Kirchhofsfriede. In der Frage des Pro-Palästina-Komitees nimmt der Central-Verein eine allzu laue Haltung ein. Eine schärfere Kampfstellung gegen den Zionismus sei erforderlich. Der Redner wendet sich gegen einen etwaigen Eintritt von Führern des Central-Vereins in die Jewish Agency. — Dr. S t r a u ß (Augsburg) wendet sich gegen die ewigen Anpreisungen unseres Deutschtums und gegen die Abschüttelungspolitik gegenüber den Zionisten und dem Pro-Palästina-Komitee. Löwenstein (Aachen) meint, daß der Central-Verein als politischer Verein erst recht gegen den Zionismus Vorgehen müsse. In der Nachmittagssitzung spricht als erster Redner Dr. F o e r d e r (Breslau). Er bedauert die Überspitzung der Gegensätze. Die Haupttendenz des C.-V. muß die Abwehr bleiben. Ein einheitliches jüdisches C.-V.-Programm ist bisher nicht gefunden worden. Formell brauchen wir nur den Rechtskampf, der sich auf die Verfassung stützt. Wir deutschen Juden haben die gleiche Zukunft mit dem deutschen Volk, aber das Gesamtschicksal des Judentums ist unabhängig von dem des deutschen Volkes. Das Fragen nach der deutschen Gesinnung eines jeden Mitglieds wäre der Tod des C.-V. Der Kampf gegen das Palästinawerk muß aufhören. — Dr. Geiger (Frankfurt a. M.) meint, die Gegensätze seien nicht zu überbrücken. Chefredakteur Georg Bernhard (Berlin) führt folgendes aus: Schiebt man die Religion in den Vordergrund, dann besteht doch erst recht die Verbundenheit mit allen dem Judentum Angehörigen und deswegen ebenso Gestoßenen und Verfolgten. Die Religion der Juden ist überall die gleiche. Die Schicksalsgemeinschaft ist doch eine Tatsache wenigstens für die Mehrzahl der Juden in der Welt. Für die Juden in Osteuropa ist die Minoritätenpolitik Postulat. Dies alles anzuerkennen tat unserem Deutschtum keinen Abbruch. Man muß zugeben, daß das durch die Balfour-Deklaration verkündete National home historische Tatsache ist, die allerdings den Zionismus desillusioniert hat. Dies müssen wir uns zunutze machen und auf Grund dieses minimalistischen Programms am Palästina-Aufbauwerk mit wirken, der auch ein wichtiger Faktor in unserem Abwehrkampf sein kann. Justizrat Dr. B r o d' n i t z; Eine einheitliche Meinung in den Fragen der Problematik des C.-V. ist einstweilen nicht erreichbar. Die Aufstellung logischer Richtlinien ist unmöglich und vielleicht gar nicht wünschenswert. Wir wollen uns mit dem Zionismus nicht allzuviel beschäftigen. Dr. Bruno Weil: Wo in der Welt einem Juden ein Unrecht geschieht, werden wir mitberührt. Das hat aber mit unserer Stellung zum Palästina-Aufbau nichts zu tun. Näher stehen uns die sozialen Aufgaben im deutschen Judentum. Aus Holländers Thesen müssen wir die Konsequenzen ziehen, d. h. jede Form des zionistischen Komplexes ablehnen. Denn es gibt in der Gegenwart nur eine Einstellung zu Palästina: die national-jüdische. Rabbiner Dr. Rosenthal (Berlin): Die Zugehörigkeit zum C.-V. ist unvereinbar mit jeder Betätigung im national-jüdischen Sinne. B e k ä m p - PACKARD verkörpert vornehmen Reichtum Generalvertreter; GEBR. BEISSBARTH / KOHLSTR. 2 beim Deutschen Museum