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Das jüdische Echo · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · p. Seite 101

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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1 Nr. 7 Das Jüdische Echo 101 Die Hauptversammlung des Central-Vereins Berlin, 13. Februar. (JTA.) Am Samstag, dem 11. Februar, abends, wurde im Plcnarsitzungssaal des Reichswirtschaftsrates die alle zwei Jahre stattfindende Hauptversammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eröffnet. Sämtliche Landesverbände und fast alle Ortsgruppen waren durch Abgeordnete vertreten. Der Präsident des Central-Vereins, Herr Justizrat Dr. J. Brodnitz, hieß die Abgeordneten im Namen des Hauptvorstandes willkommen. Nach der Bildung des Präsidiums und einem Nachruf für die verstorbenen Führer des Central- Vereins erstattete Dr. Alfred Wiener den Geschäftsbericht. Darauf fand eine Aussprache statt. Dann ergriff das Wort der bekannte deutsche Wirtschaftler, Staatssekretär z. D. Prof. Dr. Julius Hirsch, zum Thema Wirtschaftsprobleme der deutschen Juden. Er stellte fest, daß sich innerhalb des Judentums mit Bezug auf seine wirtschaftliche Zukunft ein Pessimismus bemerkbar macht, der besonders in der Jugend Wlurzel schlägt. Wohl gibt der sich allenthalben bemerkbar machende wirtschaftliche Boykott, die Praxis der Nichtanstellung von Juden und anderes mehr zu Besorgnissen Anlaß, es ist aber anderseits als sicher anzunehmen, daß Deutschland bei seinem Aufbau keine Energien entbehren könne und die jüdischen Kräfte nutzen wird. Das kleine Palästina kann die wirtschaftliche Judenfrage nicht lösen. Die vorwärtsschreitende neue Wirtschaft, die neue Menschheitsentwicklung, werden auch die jüdischen Energien entfesseln. Die Jugend möge aus der gewollten Abschließung, aus der selbsterrichteten geistigen Ghettomauer heraustreten. Man möge dem von den Antisemiten übernommenen Schlagwort, daß der Handel, die Warenvermittlung parasitär und nicht produktiv seien, entgegentreten. Die Leistung des Juden im Handel liegt nicht im jüdischen, sie liegt im deutschen Interesse. Der Redner teilte Statistisches mit: Die Juden in Deutschland bilden kaum noch ein Prozent der allgemeinen Bevölkerung, weil der Geburtenrückgang unter ihnen höher ist als unter den Nichtjuden. (12 Prozent gegen 8 Prozent.) Fast der dritte Teil aller deutschen Juden wohnt in Berlin. Die deutschen Großstädte zusammen beherbergen zwei Drittel des deutschen Judentums, ein Drittel lebt in Kleinstädten und auf dem flachen Lande. Sie sind meist im Handel sowie im Bankwesen beschäftigt; eine Zunahme in der Industrie ist zu verzeichnen. Im öffentlichen Dienste, wo vor dem Kriege 25 000 Juden beschäftigt waren, hat jetzt eine Vermehrung stattgefunden, dagegen sind in der Armeeverwaltung, wo vor dem Kriege mehr als 2000 Juden beschäftigt waren, jetzt nur noch 12 tätig. Die Zahl der jüdischen Rentner hat sich von 25 000 auf 16 000 vermindert. Der größere Teil der jüdischen Erwerbstätigen ist gegenwärtig in abhängiger Stel- 1Uprof. Hirsch zog die folgenden Schlußfolgerungen: Wir deutschen Juden sind auf Gedeih und Verderb mit der deutschen Wirtschaft verbunden, in der die Entwicklungstendenz konform derjenigen in den großen Weststaaten und in Amerika geht. Die Lage des deutschen Juden ist schwer, aber hoffnungsoll. Die deutsche Produktion weist steigende Tendenz auf, bei der Einstellung in die neuen Wirtschaftsmethoden eröffnet sich ein neues Feld der besonderen jüdischen Begabung. Der Jude besitzt in hohem Maße die Fähigkeit zu geistiger konzentrierter Arbeit, ihm fällt die Rolle der organisatorischen, aber aber auch der technischen Leistung zu. Soll man sich bemühen, nachzuweisen, daß der jüdische Einfluß unbedeutend sei? Weit eher gilt es, nafchzuwi'eisen, dl a ß d' e r jüdische Einfluß der deutschen Wirtschaft unentbehrlich sei. Der Redner entwickelte das folgende Programm der Selbsthilfe: 1. Abwehr der ungleichen Behandlung mit juristisch-politischen Mitteln. 2. Keine künstliche Angleichung zwecks Verschwindens, sondern Geltung durch bewußt höhere Leistung. 3. Keine Versuche, neue Betriebsformen zu hemmen, 'auch wenn sie, wie die Ausdehnung der Konsumgenossenschaften, dem jüdischen Geschäftsleben entgegenstehen. 4. Klarstellung der aussichtsreichen Entwicklungslinien der Wirtschaft, Ablenken von überfüllten und Hinlenken zu aussichtsreichen Berufen. Auf die Wertung der Person, auf Auswahl nach Eignung und Leistung soll das öffentliche Verlangen bewußt geleitet werden. Satzungsänderung — Wahl des Hauptvorstandes Die Sitzung am Sonntag nachmittag war den Vorschlägen zur Statutenänderung gewidmet. Dem Hauptvorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Über die die Organisation wesentlich berührenden Satzungsänderungen referiert Dr. Samoje. Die Abstimmungen vollziehen sich unter lebhaften Kundgebungen. Nach einer längeren, zum Teil sehr erregten Geschäftsordnungsdebatte, wurde die Wahl des Hauptvorstandes vorgenommen. Die Stellung zum Zionismus Berlin, 14. Februar. (JTA.) Der dritte und letzte Sitzungstag der Hauptversammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war ausgefüllt von einer zum Teil recht lebhaften Auseinandersetzung über die innerjüdischen Ziele des Central-Vereins, wobei die Fragen: „Mit den Zionisten oder gegen die Zionisten?“, „Für oder gegen praktische Arbeit in Palästina?“ im Vordergrund standen und die Tätigkeit des deutschen Pro-Palästina-Koinitees die Schneidelinie bildete. Das Grundthema schlug Ludwig Holländer mit der Probleme tellung „A b w e h r v e r e i n oder Gesinnungsverei n?“ an. Das Haus Adelholzener Primusquelle Stärkste Rubidiumquelle Europas sehr geeignet zu Hauskuren. Bekömmliche T a f e 1 w a e r. Hauptniederlage: Hervorrag. Heilwasser bei Nieren-, Leberu. 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