Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Das Jüdische Echo Nr. 7 und kulturellen Seite beleuchtete. Der Sinn der Palästina-Siedlung — so führte Direktor Wassermann aus — liegt darin, daß sie eine Klärung der Judenfrage mit sich bringen wird, denn nur in einer geschlossenen Siedlung kann und wird sich zeigen, was die bleibende Eigenheit der Juden ist, und was nur veränderliche Eigenschaften. Der Wiederaufbau dieses kleinen Landes, das in der Welt doch eine so große Rolle gespielt und das Denken verändert hat, betrachtet das Komitee als eine ethische und kulturelle Tat, und unter diesem Gesichtspunkt finden die Juden, die das Land aufbauen, das Interesse des Komitees. Aber diese Arbeit kann natürlich nicht von heute auf morgen geschehen. Es ist ein grundlegender Irrtum, wenn man merkliche Wirkungen des Palästina-Aufbaus sofort nach Beginn der Arbeit erwartet. Wir dürfen nicht vergessen, daß die neue Siedlung erst etwa sechs Jahre alt ist, während ein Orangenbaum bis zur ersten Fruchtreife 6—7 Jahre, ein Ölbaum zwölf Jahre braucht, so daß kaum ein Baum, der nach dem Krieg gepflanzt ist, heute schon Früchte tragen kann. Der Redner schildert zunächst seine Eindrücke in Jerusalem und beschreibt die Universität, die ein sehr gelungener Anfang ist, natürlich nur ein Anfang. Das bedeutendste Phänomen ist das Erwachen der hebräischen Sprache, dessen Wirkungen der Vortragende schildert. Freilich werde man — darüber sind sich die meisten einig — die Bedeutung dieser Entwicklung Ein musikalisch Ganzes nannte Meister Rubinstein das Klavier. Er, der grobe Klavierkünstler, dachte dabei allerdings an Instrumente, die wie Manihey Flügel Pianos mit einem wunderbar leichten Anschlag einen tragfähigen gesangreichen Ton und vollendete Ausgeglichenheit der einzelnen Lagen verbinden. 60 jährige hingebungsvolle Arbeit und Erfahrung sind in dem Manthey von heute verkörpert. Unsere sehr vorteilhaften, zeitgemäßen Zahlungsbedingungen erleichtern die Anschaffung wesentlich. Alleinige Niederlage Pianohaus Hirsch am Sendlingcriorplaiz MÜNCHEN / LINDWURMSTRASSE 1 erst dann voll abschätzen können, wenn man in der hebräischen Sprache etwas schaffen wird, was man in anderen Sprachen bisher nicht besitzt. Die arabische Frage hat heute von ihrer Schärfe fast alles verloren. Den deutschen Templern, die vor fünfzig Jahren auch nicht besser daran waren als heute die jüdischen Siedler, geht es jetzt sehr gut, ebenso den Rothschildschen Kolonien. Eine große Überraschung war für mich Tel-Awiw. Wir hatten sehr viel gehört, daß dies eine Stadt ohne wirtschaftliche Fundierung und in ihrem Äußern von großer Geschmacklosigkeit sei. Ich fand aber eine Stadt von recht gutem Aussehen, die zwar eine Krise hat, aber die Leute sind nicht entmutigt, und eine Krise wird ja nur gefährlich, wenn man den Kopf hängen läßt. Einen besonderen Eindruck hat auf mich das Museum der in Palästina erzeugten Industrieprodukte gemacht. Was die sonstige wirtschaftliche Entwicklung des Landes betrifft, so eröffnen der Hafenbau in Haifa und die Elektrisierung des Landes weite wirtschaftliche Perspektiven. Weniger optimistisch beurteilt der Redner die weltwirtschaftliche Bedeutung der beabsichtigten Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres. Palästina ist ein Land der Arbeit. Es ist ein werdendes Land, das Fortschritte macht. Große Schwierigkeiten sind zu überwinden und es gibt nur Eines, daß diese Schwierigkeiten überwinden kann: die größte Macht, die es auf der Welt gibt, die Macht der Idee. Was in einem Jahrtausend zerstört worden ist, kann nicht in wenigen Jahren wieder aufgebaut werden. So liegen viele Schwierigkeiten schon in der Natur des Landes, aber natürlich werden auch von den Menschen Fehler gemacht. Unter dem politischen Drange konnten natürlich nicht für jedes Amt gleich die richtigen Männer gefunden, nicht für jede Siedlung immer der richtige Platz bestimmt werden usw. Heute hat man zwar diese Dinge klar erkannt, aber es wirken noch politische Gesichtspunkte mit. Weite Kreise, namentlich in der Arbeiterschaft, meinen, daß nicht die Gelder, die in das Land kommen, das Land aufbauen, sondern daß die Notwendigkeit des Ausbaus die Gelder herbeischafft. Redner äußert sich skeptisch über die kollektivistischen Betriebsformen in der Landwirtschaft und glaubt, daß die Siedler selbst in Kürze zu anderen Formen übergehen werden. Wassermann berührte noch eine Reihe anderer Fragen, so das nachteilige Steuersystem, die im Lande herrschende Teuerung, die Problematik des Getreidebaues überhaupt usw. Das Eindruckvollste im Lande sind die Menschen. Es sind Menschen mit lachenden Augen, ganz erfüllt von der Idee, auch wenn es ihnen persönlich materiell schlecht geht. Besonders die Kinder zu sehen ist eine reine Freude. Obwohl die Beamten schlecht bezahlt sind, gibt es keine Korruption; auch sie sind ja um der Idee willen hergekommen und nehmen die Verschlechterung ihrer materiellen Lage gern in Kauf. Diese Menschen im Lande verdienen Sympathie und Unterstützung. T rotz aller Widerstände und trotz aller Fehler, die gemacht wurden, sieht man, wie die Sache vorwärts geht und man erkennt, daß diese Menschen, wenn sie gestützt werden, imstande sind, in Palästina nicht nur Ungewohntes zu leisten, sondern auch Ungewöhnliches. (Lebhafter Beifall.)